60 Meter über den Köpfen der Schaulustigen klettern Männer im Regen auf den Stahlstreben des Riesenrads. Der Einsatz erfordert Fingerspitzengefühl. In einer Gondel am höchsten Punkt des Wiener Wahrzeichens sind Menschen in Gefahr. Sie müssen geborgen und abgeseilt werden. Die Szene stammt aus keinem Hollywoodfilm, sie ist real und trotzdem inszeniert.

Wiener Blaulichtorganisationen übten am Mittwoch den Ernstfall. Die Höhenrettung der Feuerwehr, die Seiltechnikgruppe der Wiener Berufsrettung und Spezialisten der Wega waren an dem Einsatz beteiligt. Insgesamt 44 Einsatzkräfte kletterten dazu von außen auf das still stehende Wahrzeichen und seilten sich bei Wind und Regen ab.

"G´fallt ma, wenn die umadumkraxeln"

"Das g'fallt ma, wenn die da draußen umadumkraxeln" freute sich Chefinspektor Friedrich Krafuss von der Wega. Um 7.00 Uhr früh stand er mit Journalisten vor dem Riesenrad und sah zu, wie die Einsatzkräfte zunächst am Außenbogen hinaufkletterten. Gemeinsame Übungen wie diese dienen neben dem Training auch der besseren Vernetzung der Blaulichtorganisationen, wurde betont.

Die Ausgangssituation ist bei dabei für alle ähnlich, die Zuständigkeit ergibt sich aus den konkreten Bedingungen. Handelt es sich um ein technisches Gebrechen, so obliegt die Rettung der Feuerwehr. Wenn Personen verletzt sind, ist die Rettung zuständig. Die Polizei kommt bei angenommener Selbst- oder Fremdgefährdung zum Einsatz.

Verwehter Retter

Entsprechend ihrer Ausstattung und Qualifikationen benützen die Berufsgruppen unterschiedliche Kletter- und Transporttechniken. Polizei und Rettung müssen sich von den Gondeln senkrecht abseilen. Insbesondere bei starkem Wind birgt das das Risiko, auf die andere Seite der Radstreben verweht zu werden. Am Mittwoch passierte das just dem letzten Übenden etwa auf halber Höhe. Er musste das Seil wieder ausfädeln und zurück in die Gondel gezogen werden.

"Kommunikation ist ein wesentlicher Aspekt beim Abseilen" erklärte dazu Einsatzleiter Krafuss den anwesenden Journalisten. Insbesondere bei Wind sei wichtig, dass das Seil im richtigen Tempo verlängert wird. Die Feuerwehr hatte es so gesehen einfacher. Sie half sich mit der Drehleiter. Von der Gondel aus wurde ein Seil heruntergelassen, das am höchstmöglichen Punkt mit der Drehleiter aufgenommen und dann seitlich an einem Einsatzfahrzeug befestigt wurde.

Über dieses sogenannte Schrägseil konnten mittels einer elektrischen Handwinde Personen transportiert werden. Nach der Übung wurde zu Demonstrationszwecken auch ein Journalist von der Wega abgeseilt, ein weiterer ließ sich von der Rettung bergen.