Sie stehen seit dem Wochenende besonders im Fokus, wenn es um die katholische Kirche geht: die sogenannten Ständigen Diakone, aus deren Reihen in Amazonien sogenannte Viri Probati, also verheiratete Priester, geweiht werden sollen. So haben es die Teilnehmer der Amazonas-Synode in ihrem Schlussdokument vorgeschlagen, und auch wenn dieses für den Papst nicht bindend ist, ist davon auszugehen, dass er dem von ihm selbst forcierten Ergebnis folgen wird. Freilich dezidiert eingeschränkt auf Amazonien. Trotzdem ist die Hoffnung vieler auf Viri Probati auch in anderen Ländern groß.

Ralph Schimpl, Sprecher der  Ständigen Diakone der Erzdiözese Wien (siehe Info-Kasten), glaubt allerdings nicht an einen "globalen Dammbruch", jedenfalls nicht in Österreich. Auch, weil die Diakone selbst gar nicht so erpicht darauf sind, zu Viri Probati aufzusteigen. Wobei er den Begriff des Aufstiegs so nicht unterschreiben würde, denn im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont der 53-Jährige, dass die Ständigen Diakone sich nicht als "Priester zweiter Klasse" fühlen. Er gibt jedenfalls zu bedenken, dass von den 214 Ständigen Diakonen in der Erzdiözese 182 verheiratet sind (die übrigen leben zölibatär, sind verwitwet oder geschieden), also ein Familienleben haben, und in der Mehrzahl einem nicht-kirchlichen Hauptberuf nachgehen. "Es ist schon mit den Aufgaben als Diakon eine Herausforderung, das unter einen Hut zu bringen. Mehr wäre zeitlich gar nicht stemmbar, wenn es so wie jetzt ein Ehrenamt in der Freizeit bliebe."

"Herr Pfarrer, das war
so eine schöne Messe"

Neben der fehlenden Berechtigung zu Beichte und Konsekration unterscheidet die Diakone von den Priestern die Aufgabenstellung in der Gemeinde. Der Dienst des Diakons ist in erster Linie kein liturgischer, erklärt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien: "Der Ursprung der Diakone liegt in der Sozialarbeit. Sie haben dafür gesorgt, dass niemand auf der Strecke bleibt." Und die Ausbildung, die bei Schimpl insgesamt sechseinhalb Jahre gedauert hat, spielt sich bewusst auch am Rand der Gesellschaft statt. "Wir haben Häftlinge und Zwangsprostituierte besucht", erzählt Schimpl. In seinem Jahrgang waren unter anderen ein Gynäkologe, ein Medienexperte und ein Landwirt, "die haben jeder einen ganz eigenen Zugang". Neben der pastoralen Tätigkeit dürfen Diakone auch taufen, bei Trauungen assistieren und Begräbnisse leiten. "Aber bis auf die Taufen tun das auch nicht geweihte Laien", sagt Schimpl. Den meisten Gottesdienstbesuchern sei relativ egal, ob vorne am Altar ein Priester oder ein Diakon stehe, ist er überzeugt. "Ich denke, diese diffizilen Unterschiede fallen den wenigsten auf." Als Beispiel führt er eine alte Frau an, die zu ihm als Diakon nach einer Hochzeit im Rahmen eines Wortgottesdienstes gesagt hat: "Herr Pfarrer, das war so eine schöne Messe."