Schwammerl wachsen im Sommer. Dann hirschen die Schwammerlsucher durchs Unterholz. Dann bereichern Eierschwammerlgulasch, Steinpilzrisotto, Rahmschwammerl die Speisekarten der Wirte. Im Winter herrscht Schwammerlflaute. Sie brauchen Regen und Wärme, um im Waldboden zu gedeihen.

Doch in den vergangenen Jahren taucht eine Schwammerlart auch im Winter vermehrt in Wirtshäusern und Lokalen auf. Sie braucht keine Wärme. Sie gibt Wärme. Heizschwammerl sind der große Gastrorenner. Seit der ersten Winterschanigarten-Saison 2017 schießen sie aus dem Wiener Boden. Von Anfang Advent bis März prägen sie das Stadtbild. Sie hängen von den Markisen am Naschmarkt. Stehen vor Lokalen herum. Glühen neben Sitzgarnituren. Sie ermöglichen einen Winter im Freien. Wie an der italienischen Riviera hocken die Gäste mitten im Winter bis spät in den Abend im Gastgarten.

Die Anträge für Gastroheizstrahler bei der Stadt Wien nehmen von Winter zu Winter zu. Mit dem Start des Rauchverbots Anfang November erlebten sie einen neuen Popularitätsschub. Denn immer mehr Gastronomen versuchen, den befürchteten Umsatzschwund mit Winterschanigärten auszugleichen und Raucher zu locken. Laut Büro des zuständigen Wirtschaftsstadtrats Peter Hanke gab es heuer (Stand: 11. November) 145 Neuanmeldungen von Winterschanigärten. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor, als es 83 Anmeldungen gab.

Nur Elektrostrahler erlaubt

Viele Lokalbetreiber wollen ihren Gästen nicht nur die Möglichkeit bieten, im Freien zu sitzen und zu rauchen, sondern dabei auch gewärmt zu werden. Und so steigt mit der Anzahl der Winterschanigärten auch jene der Heizschwammerl, wenn auch weniger eklatant. Derzeit gibt es in Wien laut Büro von Hanke Genehmigungen für 113 Betriebe, mit durchschnittlich ein bis fünf Geräten. Wenige Ausreißer mit mehr Anlagen gibt es etwa am Gürtel.

Mit Propangas betriebene Heizpilze sind in Wien auf öffentlichem Boden verboten. Genehmigt werden ausschließlich strombetriebene Strahler. Ein Gerät verbraucht im Schnitt 1,5 bis 2 Kilowattstunden (kWh). Eine kWh ist eine Maßeinheit für Energie und entspricht 3,6 Megajoule oder 860,4 Kilokalorien. Sie ist die Energiemenge, die bei einer Leistung von einem Kilowatt innerhalb von einer Stunde umgesetzt wird. Mit einer Kilowattstunde kann etwa ein Mittagessen für vier Personen auf dem Elektroherd gekocht werden. Laut Berechnungen der Umweltorganisation Greenpeace verbrauchen fünf elektrische Heizstrahler in zwölf Stunden so viel Energie wie ein Einfamilienhaus an einem Wintertag. Nimmt man also 113 Schanigärten mit durchschnittlich drei Geräten, stehen in Wien etwa 340 Schwammerl herum. Was wiederum dem Energieverbrauch von rund 70 Einfamilienhäuser entsprechen würde.

Da viele Wirte den Strahler aber nur einschalten, wenn Gäste anwesend sind, ist es kaum möglich, den tatsächlichen Energieverbrauch zu ermitteln.

"Wir heizen die Straße"

Der MA 22 (Umweltschutz) sind die Heizpilze jedenfalls ein Dorn im Auge. "Es ist etwas mühsam, wenn wir versuchen, unsere Häuser so gut wie möglich zu dämmen, und dann wird im Winter im Freien die Straße beheizt", heißt es aus der Magistratsabteilung. Verbieten könne man die Geräte in Wien jedenfalls nicht. Sie müssen zwar von den Behörden in Wien genehmigt werden, fallen jedoch unter die Gewerbeordnung. Und die ist Bundeskompetenz.

Und so ist nun auch im Winter Schwammerl-Zeit. Wie viele heuer tatsächlich aus dem Boden schießen, wird erst nach dem Winter feststehen.