Unmengen von Keksen und Vanillekipferln und Naschereien und Gänsebraten und Raclette-Essen haben die Wiener jetzt hinter sich. Jetzt gilt es, die dazugewonnenen Kilos wieder loszuwerden - und das am besten im Fitnesscenter.

Tatsächlich kann man in den vergangenen Jahren von einem Boom der Fitnessbranche sprechen: Die Zahl der Fitnessclubs hat sich in den vergangenen 13 Jahren in Wien verdoppelt. Doch der Umsatz sinkt: Der Grund sind die Diskonter, die auf den Markt drängen und diesen noch nicht ausgeschöpft haben.

"Wie viel Eisen gibt’s?", war der gängigste Spruch als Martin Becker, der heutige Branchensprecher der Wiener Fitnessbetriebe, in der Fitnessbranche zu arbeiten begann. Männer stemmten Gewichte. Die erste Areobic-Welle und der Hype rund um Jane Fonda begann langsam auf Wien überzuschwappen. Wien zählte damals in den 1980er Jahren knapp 20 Fitnessstudios, die meisten waren in Kellerlokalen untergebracht. Ein Minderheitensport, bei dem Bodybuilder oder solche, die es werden wollten, ihrem Muskel-Idol Arnold Schwarzenegger nacheiferten.

Von 20 auf 215 Studios

Apropos Schwarzenegger: Die älteste Fitnesslocation Wiens ist der ehemalige Klub Zimmermann, wo auch Schwarzenegger trainierte. Noch heute gibt es an dieser Adresse in der Kaiserstraße in Neubau ein Fitnessstudio. Heute gibt es in Wien 215 Fitnessstudios. 2007 waren es noch 105 Studios. Die Mitgliederzahl ist seit 2017 durchschnittlich um jährliche sechs Prozent gestiegen. Die Zahlen betreffen lediglich die gewerblichen Betriebe, die von der Wirtschaftskammer Wien vertreten werden. Vereine wie der ASKÖ (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur), die Sportunion mit 70.000 Mitgliedern in Wien oder der WAT (Wiener Arbeiter Turn- und Sportverband) sind nicht eingerechnet.

In Österreich trainieren eine Millionen Menschen in Fitnessstudios - um 300.000 mehr als noch fünf Jahre zuvor. "Trotzdem stagniert der Umsatz der Branche seit Jahren", sagt Becker, der die Zahlen konkretisiert: "Der jährliche Umsatz pro Mitglied ist von 2007 bis 2017 von 55 auf 50 Euro pro Kopf gesunken. Heute beträgt er durchschnittlich 43 Euro."

In Österreich setzt die Fitnessbranche rund 550 Millionen Euro pro Jahr um. Früher hätten laut Becker weniger Leute, für den gleichen Umsatz gesorgt. "Jene Menschen, die vor zehn Jahren trainiert haben, haben wesentlich mehr ausgegeben, da es die Diskonter am Markt noch nicht gegeben hat", so Becker.

Die Leidtragenden seien die klassischen Multifunktions-Studios im mittleren Preissegment, dort wo früher laut Becker "die Inhaber noch selber hinter der Budel gestanden sind". Die Energie- sowie die Personalkosten und die Mieten hätten sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.