Fünf Kräne, die in den Himmel ragen, sind schon aus weiter Ferne zu sehen. Sie stehen inmitten der Baustelle des Wohnprojekts Wildgarten auf dem Wiener Rosenhügel. Und nein, hier soll kein Garten für wilde Tiere entstehen, sondern ein Ort für Menschen, die der Anonymisierung einer Großstadt entgehen und einen "Dorf"-Charakter nach Wien bringen wollen. Bis 2023 soll auf dem 11 Hektar großen Areal ein Wohnquartier für etwa 2300 Menschen entstehen - durch Bauträger und private Baugemeinschaften, freifinanziert und zum Teil gefördert. Der Grundgedanke des Projekts: Mitbestimmung, Selbstorganisation, Engagement. Für ökologiebewusste Menschen, die gemeinsam von einem zwanglosen nachbarschaftsorientierten Leben träumen, ist dieser Ort gedacht. Gemeinsam wollen sie das eigene Leben und das der Umwelt ein Stück weit aktiv mitgestalten.

Im Wildgarten ist bereits ein Kindergarten fertig gebaut. Spielplätze, Nahversorger, ein Arzt und ein Installateur kommen auch noch. Einzelne Wohneinheiten, oder auch Mikroviertel, sind schon fertig, wiederum andere noch komplette Baustelle. 22 werden es insgesamt. Diese werden in drei Vertragskategorien eingeteilt: Miete, Eigentum oder Baugruppen.

Eine der bereits fertiggestellten Einheiten ist der Rosegarden. Dort trudeln derzeit die ersten Bewohner ein – seit einer Woche ist das Baufeld mit der Nummer 10 bezugsbereit. Einige Bauarbeiter arbeiten noch am letzten Feinschliff. Die Vier Häuser mit insgesamt 25 Wohnungen, davon noch drei zu vergeben, stehen in der Mitte des Wildgartens. Der Mittelpunkt des Rosegardens ist ein Gemeinschaftsgarten. Momentan ist es dort aber braun anstatt grün. Die Saat ist zwar schon gesetzt, das Gras aber noch nicht gewachsen. Der gesamte Rosegarden hat eine Fläche von 2500 m2. Der gemeinschaftliche Freiraumbereich soll mit Kinderspieleinrichtungen wie eine große Sandkiste mit einem Wasserspielgerät ausgestattet werden. Auch wurden bereits Kräuter und Obstbäume angebaut. In die Häuser kommen weitere Räumlichkeiten wie Gemeinschaftsküche mit Salon und Kinderspielraum, eine Sauna, Werkstatt, ein Fitnessraum, Musikraum und eine Waschküsche. Eine Dachterrasse und und eine Terrasse, die vom Gemeinschaftsraum in den Garten führt sind ebenfalls schon fertig. Bauarbeiter verputzen noch die Steinfließen der Terrasse.

Ein Überblick über das Wohnprojekt. - © Wohnprojekt Rosegarden
Ein Überblick über das Wohnprojekt. - © Wohnprojekt Rosegarden

Aktuell beziehen 30 Erwachsene, ein Jugendlicher und 17 Kinder die Wohnungen, die sich aber schon vor dem Einzug wöchentlich getroffen haben. Nutzungsverträge bis hin zur Gartengestaltung oder Gemeinschaftsregeln wurden bei diesen Treffen vorab besprochen. Auch ein gegenseitiges Kennenlernen war Sinn dahinter.

Leben nach dem Tauschprinzip

Das Konzept sieht generell auch ein Leben nach dem Tauschprinzip vor. "Wenn jemand nicht oft Schifahren geht, schreibt man an die Nachbarn wer welche hätte und die werden dann geliehen", erklärt eine der Bewohnerinnen Franziska Liebisch-Lehner. Sie zieht mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Nachwuchs ein. Dinge, für die man sonst viel Geld ausgeben würde, können nach diesem Prinzip einfach geliehen und getauscht werden. Gedacht sind auch regelmäßige Bauernmärkte, wo die Menschen selbstgemachte Produkte wie zum Beispiel Marmelade verkaufen könne. Ebenso können auf dem Marktplatz Tausch- und Flohmärkte stattfinden.

Die Anlage ist als Grünareal ohne KFZ-Verkehr gedacht. Die Zufahrt zu den Wohnhäusern ist nur für Ladetätigkeiten und Lieferdienste zu bestimmten Zeiten vorgesehen. Ein Mobilitätskonzept sieht E-Car-Sharing, Car-Pooling-Angebote und eine hohe Anzahl an Fahrradabstellplätzen vor. In wenigen Gehminuten sind einige Busstationen zu erreichen.

"Selbstverwaltung in Generalmiete"

Das Mikroviertel Nummer 10 wurde durch die Schwarztal – Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsanlagen GmbH errichtet. Zukünftigen Bewohner schließen sich zum Verein Rosegarden zusammen und übernehmen anschließend das Gebäude zur Selbstverwaltung in Generalmiete. Die Kosten für die Wohnung setzen sich aus einem Eigenmittelanteil sowie dem monatlichen Nutzungsentgelt zusammen. Nach einem Genossenschaftsmodell garantiert der Bauträger in den ersten drei Jahren nach Einzug eine monatliche Miete von 9,50 Euro pro Quadratmeter (inkl. Betriebskosten, ohne Strom und Heizung). Zusätzlich fallen Mitgliedsbeiträge für den Verein in einer Höhe von 20 Euro pro Monat und eine einmalige Einstiegsgebühr an.

Von den Bewohnern des Rosegardens wurde ein Crowdfunding gestartet, um einem Flüchtling mit positivem Asylbescheid eine Wohnung zu finanzieren. Sie möchten der Person bei der Integration in Wien und auch Behördengänge, Bewerbungen unterstützen. Die Vergabe der Sozialwohnung erfolgt von der Diakonie. Aktuell sind bereits 4230 Euro von 41 Unterstützern eingegangen. Fundingziel sind 10 000 Euro, um beispielsweise die Einrichtung der Wohnung zu bezahlen. Die Miete bezahlt der anerkannte Flüchtling selbst beziehungsweise mit Hilfe des Flüchtlingsdiensts der Diakonie. Die Flüchtlingsperson soll Ende April einziehen .

Bis dahin richten sich vorerst die Menschen im Rosegarden ihr neues zuhause ein. Die Gesellschaft, genährt durch nachbarschaftlichen Zusammenhalt, soll ein Vorbild für die noch nicht fertig gestellten Mikroviertel werden.