Der Fall des Wiener Journalisten, der via Twitter über seine Erlebnisse mit Coronavirus, Ärztefunkdienst und Quarantäne schreibt, hat am Mittwoch schnell die Runde gemacht. Der Mann spricht von martialischem Auftreten der Ärztin und dem "spooky" Eindruck, den die Szenerie vermittelt hätte, und dem "Absonderungsbescheid", den er nunmehr in Hände halte, was konkret 14 Tage Quarantäne bedeute, und zwar egal, ob der Test positiv, oder wie er vermutet, negativ ausfällt. Dass er jetzt drei Tage auf das Testergebnis warten muss, spielt so gesehen keine besondere Rolle.

Dass es trotzdem so lange dauert, bis man Bescheid weiß, sorgt jedoch für Kritik. Schließlich benötigt der Test im Labor selbst "nur" knapp vier Stunden. Vier Labors führen wienweit die Auswertung der derzeit gängigen PCR-Tests durch. Vereinfacht ausgedrückt lässt sich damit das Vorhandensein des genetischen Materials von Viren erkennen. Der Abstrich erfolgt über die Nase (in den Mundraum) und bringt nur dann was, wenn sich der Erreger bereits festgesetzt hat. Das kann, nach derzeitigem Stand, nach einem oder zwei Tagen, fünf bis sechs Tagen, mitunter aber auch erst nach 14 Tagen der Fall sein.

Tests sind Momentaufnahmen

"So gesehen ist jeder Test eine Momentaufnahme", sagt Andreas Huber, Mediensprecher des Wiener Krisenstabs. Wer negativ getestet wurde, muss demnach nicht zwingendermaßen negativ sein. Genauso ist es möglich, dass sich der Erreger einfach noch nicht eingenistet hat. Das wäre auch der Grund dafür, warum Tests nicht präventiv gemacht werden, sondern erst dann, wenn es bereits Symptome gibt. Und das ist auch der Grund dafür, warum auch negativ getestete Personen, die aber in einem Haushalt mit Erkrankten leben, die 14-tägige Quarantäne einhalten müssen. Einziger Unterschied: Bei positiv getesteten Personen wird nach Ablauf der Quarantäne erneut ein Abstrich gemacht. Ist dieser negativ, wird der Absonderungsbescheid aufgehoben. Bei negativ getesteten Personen, die während der Quarantäne nicht erkrankten, entfällt ein weiterer Abstrich.

Seit ein paar Tagen drängen sogenannte Corona-Schnelltests auf den Markt, die zuverlässige Testergebnisse binnen 20 Minuten versprechen. Aktuell gibt es einen Pharmavertrieb in Deutschland, der um 39,95 Euro einen "SARS-VoC-2 Rapid Test an Gewerbetreibende und für den professionellen Gebrauch" anbietet und 100-prozentige Zuverlässigkeit seines Produkts verspricht.

Nach einem entsprechenden Bericht der "Deutschen Apotheker Zeitung" war bei den medizinischen Labors, Mikrobiologen, Infektionsepidemiologen und Virologen Feuer am Dach. Die aktuell vermarkteten Schnelltests würden nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern suchen, heißt es. Antikörper wären bei Virusinfektionen wie dem SARS-CoV-2 aber meist erst frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen, wird die Bundesvorsitzende des Berufsverbands der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zitiert. Zudem sei ungeklärt, ob ein positiver Antikörpertest nicht durch eine frühere Infektion mit einem anderen Coronavirus verursacht sein könnte, heißt es weiter. Hier würden Menschen in falscher Sicherheit gewogen, bzw. unnötigerweise in Panik versetzt.

In Österreich fehlt
Zulassung für das Produkt

In Österreich fehle diesen Produkten, so hört man aus dem Wiener Krisenstab, derzeit noch die Marktzulassung. Man beobachte die Entwicklung, setze aber vorerst weiterhin auf PCR-Tests. Ein Land, das bereits seit geraumer Zeit mit diesen Schnelltests arbeitet, ist, einem Bericht der BBC zufolge, Südkorea. Dort entwickle sich, trotz unmittelbarer Nachbarschaft zu China, die Zahl der Coronavirus-Erkrankungen vergleichsweise moderat. Ob das jedoch mit den Schnelltests zusammenhänge, die billig sind, rasche Ergebnisse versprechen und deshalb auch in großen Mengen unters Volk gebracht werden können, wird von Medizinern bezweifelt. Vielmehr sieht man die Disziplin, mit der asiatische Länder, nach einer ersten Schockstarre, gegen das Coronavirus vorgehen, als Grund dafür an.