Der Blumenstrauß zählt zu den Klassikern unter den Muttertagsgeschenken -  Millionen Blumen werden jedes Jahr in Österreich am zweiten Sonntag im Mai verschenkt. Nachdem das Ostergeschäft aufgrund des Coronavirus-bedingten Lockdowns mehr oder weniger ausgefallen ist, ruht die Hoffnung des Handels daher auf dem Muttertag. "Der Muttertag ist normalerweise für den Handel - nach Weihnachten und Ostern - unter den Umsatzbringern die Nummer drei im Jahr. Nachdem das Ostergeschäft krisenbedingt quasi ausgefallen ist, ist das Muttertagsgeschäft umso wichtiger", sagt Rainer Trefelik von der Wirtschaftskammer Wien zur ökonomischen Bedeutung des Tages.

In Wien rechnet die Wirtschaftskammer mit einem Umsatz von 40,5 Millionen Euro. Die Wiener wollen im Schnitt 40 Euro zu diesem Anlass ausgeben. Insgesamt liegen die Umsatz-Erwartungen des Handels mit 40,5 Millionen Euro nur geringfügig unter dem Vorjahr (2019: 41 Millionen Euro) - und das trotz der Corona-Krise, wie eine von der Kammer in Auftrag gegebene Umfrage. Von den befragten 500 Wienerinnen und Wienern plant demnach jeder und jede Zweite bewusst, Geschenke für den Muttertag zu kaufen.

Beschenkt werden dabei naturgemäß vor allem die eigene Mutter (80 Prozent), aber auch die Lebenspartnerin (20 Prozent) und die Schwiegermutter (zehn Prozent). So manch einer will auch der Großmutter und der Schwester eine Freude bereiten. Und auch der Umfrage zufolge sind das beliebteste Geschenk - nämlich für mehr als zwei Drittel der Befragten - die Blumen. Ein Viertel setzt auf Süßigkeiten. Auch Parfum, Mode oder Gutscheine werden gerne gewählt.

Muttertag wird in Österreich seit 1924 offiziell gefeiert

Die Verehrung mütterlicher Tugenden geht übrigens in die Antike zurück. Bei ihren Frühlingsfesten huldigten die alten Griechen zum Beispiel Rhea, der Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit. Britische Historiker berichten außerdem vom "Mothering Day", dessen Tradition, zunächst "Mutter Kirche" gewidmet, im Mittelalter begann. Später durften an diesem Tag im Frühling vor allem Kinder im Dienste wohlhabender Familien zu ihren Müttern zurückkehren. Als kleines Geschenk brachten sie ihnen unterwegs gepflückte Blumen mit.

Der Muttertag in seiner modernen Form entstand in den Vereinigten Staaten, wo die Dichterin und Frauenrechtlerin Julia Ward Howe  1870 angesichts von Krieg und Sklaverei einen "Muttertag des Friedens" forderte - eine Idee, die Jahrzehnte später die Feministin Anna Jarvis wieder aufnahm. Um ihre gestorbene Mutter zu ehren und auf Probleme von Frauen aufmerksam zu machen, forderte sie 1907 einen Festtag für alle Mütter.

Auf Wunsch des Kongresses führte 1914 dann US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai als nationalen Ehrentag ein. Bald darauf gelangte die Idee nach Europa - zunächst nach England, Skandinavien und in die Schweiz. In Deutschland gab es den ersten Muttertag am 13. Mai 1923 - initiiert jedoch aus rein kommerziellen Interessen vom "Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber". Ein Jahr später wurde der Muttertag in Österreich eingeführt, was Marianne Hainisch, der Mutter des damaligen Bundespräsidenten Michael Hainisch, zu verdanken ist.

Die Nationalsozialisten erklärten den Tag 1934 dann zum nationalen Fest, stellten ihn in den Dienst ihrer Propaganda und reduzierten die Rolle der Frau auf die Gebärfähigkeit. (apa, red)