Viele Wiener Clubs stehen vor dem Aus. Vertreterinnen und Vertreter der Wiener Clubszene und Eventbranche schlugen am Dienstag bei einer Pressekonferenz erneut Alarm.

Die Clubs sind nun schon seit März geschlossen, und weiterhin fehlen ausreichende finanzielle Entschädigungen sowie eine Perspektive für den Rest des Jahres.

Die Clubbetreiber fordern einen rückwirkenden Fixkostenzuschuss in Höhe von 100 Prozent ab Juni und die Verlängerung der Kurzarbeit. Außerdem wünsche man sich Planungssicherheit.

Zur Pressekonferenz geladen hatte die "Vienna Club Commission", ein Zusammenschluss von Clubbetreibern und Veranstaltern.

"Die Boxen sind still"

Sollten finanzielle Entschädigungen weiterhin ausbleiben und virologisch auch keine Verbesserung eintreten, rechnen die Clubbetreiber mit einer großen Pleitewelle im Herbst. Bereits jetzt sitzen die meisten von ihnen auf Krediten und haben seit März finanzielle Kompletausfälle.

"Die Boxen sind still", sagte Stefan Niederwieser von der Vienna Club Commission. Noch sei keinerlei Öffnung in Sicht. Die Situation sei "dramatisch" und "existenzbedrohend". Vielen werde "die Luft ausgehen", warnte er. Aber nicht nur die Clubs selbst stehen vor einem finanziellen Desaster. Auch ihr Umfeld aus Künstlerinnen und Künstlern in der Eventbranche.

"Das Überleben der Clubs ist auch für uns überlebenswichtig", erklärt Linda Schürer-Waldheim vom Konzertveranstalter Arcadia Live.

Rund 300 bis 400 Shows veranstaltet Arcadia Live pro Jahr in Österreich. 2019 fanden laut Schürer-Waldheim zwei Drittel davon in Wien statt und wiederum 62 Prozent davon in den Clubs. In den letzten Jahrzehnten hat sich in Wien eine große, international anerkannte und sehr diverse Clubkultur etabliert, wie die Runde in der Pressekonferenz ausführte. Laut der Vienna Club Commission gibt es in Wien mindestens 326 Musikspielstätten, 98 Orte für Clubkultur und 137 Veranstalter.

Die Nachtgastronomie erwirtschaftet pro Jahr laut WKO eine Milliarde Euro Umsatz und beschäftigt 24.000 Personen. Nun droht den Beschäftigten die Arbeitslosigkeit und den Clubs die Pleite.

Damit würden nicht nur viele Orte des Feierns verloren gehen, sondern auch Ausstellungsorte für Kunst und Kultur sowie Experimentierräume für Subkulturen, Jugendliche und Minderheiten. Die Clubs sichern die kulturelle Vielfalt, welche mittlerweile berühmte Musiker wie Bilderbuch, Voodoo Jürgens und Wanda hervorgebracht hat. Denn diese "starten nicht in der Stadthalle", so Stefan Stürzer vom Club "Das Werk".

Kurzzeitige Hoffnung

Im Juli stellte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) die Wiederöffnung der Clubs mit 1. August in Aussicht. Nach den jüngst wieder gestiegenen Infektionszahlen nahm er die Ankündigung aber wieder zurück. Weiterhin stehen die Clubbetreiber und Veranstalter also vor einer ungewissen Zukunft und dem drohenden finanziellen Ruin. Ob dieses Jahr überhaupt noch geöffnet werden kann, bleibt unklar.

Seit März kämpft die Clubszene mit 100 Prozent Einnahmeausfällen. Während die Fixkosten weiterlaufen, bleiben die Umsätze durch die Schließung aus.

Die Vienna Club Commission schätzt die Fixkosten von Clubs, je nach Größe, auf 8000 bis 20.000 Euro pro Monat.

Die fehlende finanzielle Unterstützung und Perspektive zwingt die Clubs nun dazu, Schulden zu machen und Menschen zu kündigen.

Mehr Geld und Perspektive

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wolle man mittragen, aber man brauche finanzielle Sicherheit und eine Zukunftsperspektive. Darunter fallen die geforderten Fixkostenzuschüsse, die Verlängerung der Kurzarbeit und die Ausdehnung der Sperrstunde von ein auf vier Uhr.

"Wir waren die erste Branche, die von der Schließung betroffen war, und wir werden die Letzten sein, die wieder aufsperren", prophezeite Gregor Imhof vom Sass Music Club am Karlsplatz. "Wir brauchen Planungssicherheit", forderte er.