Im Jänner gab es in Wien 5.094 Anzeigen nach dem Covid-19-Maßnahmengesetz und 1.100 Organstrafmandate. Im Februar waren es bis dato 3.963 Anzeigen und 1.005 Strafen. Wobei hier nach wie vor das Motto "mahnen vor strafen" gelte, wie der Kommandant der Bereitschaftseinheit, Oberst Manfred Ihle, gegenüber die "Wiener Zeitung" versichert.

Kontrolliert werden von der Polizei die Maskenpflicht und die Abstandsregel. "Wenn jemand gerade im Geschäft steht, mit der Frau telefoniert und abklären will, wer jetzt das Kind von der Schule abholt, weil ein Termin dazwischengekommen ist, und draufkommt, dass er gerade keine Maske aufhat und den Abstand nicht einhält, dann ist das menschlich nachvollzierbar und er wird mit Sicherheit nicht angezeigt. Wenn aber jemand sagt, ich trage keine Maske, das Verfassungsgericht wird die Verordnung aufheben, dann müssen wir entsprechend einschreiten, denn ich glaube, niemand will eine Polizei, die sich nicht an das Gesetz hält - hoffe ich zumindest", so Ihle.

Schwieriger als die Kontrolle der Maskenpflicht sei natürlich die Abstandsregel. "Wenn Ihnen jemand entgegenkommt und der Gehsteig selbst ist nicht einmal zwei Meter breit, oder wenn Sie es schaffen, immer mit zwei Meter Abstand an einer Gruppe vorbeizugehen, dann Hut ab. Auch hier springen wir jetzt nicht hin und sagen: Ha, das waren nur 1,80 Meter. Aber wenn fünf Leute mit einem Flascherl Wein am Graben zusammenstehen - und das kommt nicht so selten vor -, dann müssen wir zumindest den Dialog suchen, darum bitten, Abstand zu halten und die Masken aufzusetzen. Bei uneinsichtigen Menschen kommt es aber dann schon zur Anzeige", so Ihle.

Keine erhöhte Aggression

Es gebe schon immer wieder verbale Auseinandersetzungen mit den Bürgern, aber seiner Meinung nach sind die Wienerinnen und Wiener im Laufe der vergangenen Monate nicht aggressiver geworden. Selbst bei Demos, wo viele Anzeigen erstattet werden mussten, habe es kaum Zwischenfälle gegeben. "Was man aber schon bemerkt, ist, dass schön langsam allen die Luft ausgeht und alle wieder ein normales Leben haben wollen, das betrifft uns wohl alle."

"Nicht ernst genommen"

Dass die Polizei selbst aggressiver vorgehe als sonst, sei zumindest in seinem Umfeld nicht zu beobachten, meinte Ihle. "Natürlich wird es immer Polizisten geben, die etwas strenger auslegen als andere - das liegt in der Natur des Menschen, aber grundsätzlich ist die Vorgabe unmissverständlich: Aufmerksam machen, Dialog suchen, ermahnen und nicht sofort einschreiten."

Aber es sei spürbar, dass der Lockdown von der Bevölkerung immer weniger ernst genommen werde. "Ich habe gerade Leute gesehen, die sich auf gesperrten Bänken vor einem Café mit ihrem Coffee to Go zusammengesetzt haben. Ich verstehe das natürlich, ich würde mich auch gerne wieder mit Freunden auf ein Getränk im Schanigarten treffen, aber das geht halt noch nicht."

Sogenannte Covid-19-Planquadrate gebe es in Wien jedenfalls nicht. "Jeder Polizist im Außendienst hat das Covid-Maßnahmengesetz genauso wie die Straßenverkehrsordnung oder das Strafrecht zu beachten und zu ahnden. Das heißt, wenn er etwas Unrechtmäßiges wahrnimmt, hat er einzuschreiten. Aber eigene Planquadrate, wie es sie vereinzelt am Land gibt, haben wir nicht."

Teams mit Schutzanzügen

Sehr wohl notwendig seien in Wien laut Ihle allerdings die sogenannten Kompetenzteams: Das sind Beamte, die bei Amtshandlungen mit Covid positiven Personen oder Covid-Verdachtsfällen unterstützen. "Das machen die Wega und in erster Linie meine Bereitschaftseinheit - wir sind nach heutigem Stand bereits 1.028 Mal zum Einsatz gekommen", so Ihle. Das können Verhaftungen von Covid-Positiven sein, oder aber auch ein Wassergebrechen in einer Wohnung, wo eine Covid-positive Person lebt. "Wir ziehen uns dann Schutzanzüge und Masken an und versuchen zu helfen."