Wer in Wiens Polizeidirektion am Schottenring zur ranghöchsten Polizistin der Stadt vordringen will, sollte sich hüten, beim männlichen Torposten zu sagen: "Zur Frau Zauner, bitte." Da wird das Wachorgan ganz ernst, mustert einen mit durchdringendem Blick vom Scheitel bis zur Sohle und erklärt leicht nachsichtig, aber sehr bestimmt: "Sie meinen wohl zur Frau Brigadier Xenia Zauner!"

Das Markenzeichen der Frau Brigadier sind rote Fingernägel. - © LPD-Wien / Dietmar Gerhartl-Sinzinger
Das Markenzeichen der Frau Brigadier sind rote Fingernägel. - © LPD-Wien / Dietmar Gerhartl-Sinzinger

Dass es sich nicht um eine Titelfrage handelt, merkt man auch bei Gesprächen im Haus deutlich. Bei der Wiener Polizei respektiert und schätzt man Xenia Zauner ganz offensichtlich. Man ist sogar richtig stolz, dass eine knapp 40-jährige Frau hier Karriere gemacht hat. Sie gilt trotz der Chefposition als "eine von uns".

Weil sich keine andere Polizistin traute, sprang Xenia Zauner bei einer Charity-Aktion für kranke Kinder selbst als "Wonder-Woman" ein. - © LPD-Wien / Bernhard Elbe
Weil sich keine andere Polizistin traute, sprang Xenia Zauner bei einer Charity-Aktion für kranke Kinder selbst als "Wonder-Woman" ein. - © LPD-Wien / Bernhard Elbe

Zauner ist seit Dezember Leiterin der "Einsatzabteilung" in Wien. Eigentlich hasst sie Interviews und hat schlechte Erfahrungen. Aber wegen des Frauentags am 8. März macht sie mit der "Wiener Zeitung" eine Ausnahme.

In ihrer Abteilung befehligt die Frau Brigadier direkt rund 250 Mann - und rund 78 Frauen. In ihr Kompetenzfeld gehört die Bereitschaftseinheit, die bei Demos, Fußballmatches und anderen Großereignissen zum Einsatz kommt. Strahlenschutz- und Entminungseinheiten, Botschafts- und Objektschutz zählen ebenfalls dazu. Im Rang stehen nur die Generalmajore und der Polizeigeneral über ihr. Bevor sie Brigadier und wohlgemerkt nicht Brigadierin wurde, war Zauner Hauptmann, Major und Oberst. Gendern lehnt der weibliche Brigadier ab: "Dass ich eine Frau bin, sieht man hoffentlich", sagt sie. Und "Symbolpolitik" helfe Frauen ja nicht.

Dennoch kann die Frau Brigadier bei Frauenanliegen ganz schön fuchtig werden. Als Alarmeinheiten bei einem Showeinsatz für kranke Kinder in einem Spital in Superhelden-Kostümen auftraten, bestand sie darauf, dass künftig bei ähnlichen Einsätzen auch eine "Wonder-Woman" dabei zu sein habe. Nicht zuletzt, weil ja auch Mädchen unter den kleinen Patienten waren. Doch dann fand sich keine Polizistin, die diese Rolle ausüben wollte. Da schlüpfte Wiens oberste Polizistin selbst für die Ehre der Geschlechtsgenossinen ins Kostüm. Das trug sie - samt Gold-Gamaschen - vor ihrem Auftritt schon in der Polizeizentrale. Zum Umziehen vorher war keine Zeit. Als ihr im Amt der Polizeigeneral begegnete, war er nicht wenig erstaunt. Normalerweise tritt die Frau Brigadier nämlich extrem gepflegt (Markenzeichen: rote Fingernägel) und in Polizeiuniform in Erscheinung.

Privat hingegen liebt sie Kleider und Röcke. Aktionen wie jene als "Wonder-Woman" machen sie auch bei der Truppe äußerst beliebt. Obwohl Chefin, gilt Zauner als "fairer, menschlicher Kumpel". Im Polizeidienst hat sie sich als Frau Inspektor vom Hotspot im Wachzimmer Karlsplatz aus hochgearbeitet. "Menschen am Rand haben mich immer interessiert", sagt sie. In der Außenstelle West der Kriminalpolizei (im Polizeijargon "Der Wilde Westen") bewies sie in der Folge im Umgang mit Trickdieben, Eigentums- und Sexualdelikten nötiges Fingerspitzengefühl. Nach und nach wurde man in der Zentrale aufmerksam und holte Zauner an den Schottenring. Im Dezember wurde sie nun Chefin der Einsatzabteilung.

Privat ist sie mit Kammerschauspieler Martin Zauner verheiratet. Ihn lernte sie als Lehrerin bei Schulungen zum richtigen Waffengebrauch in TV-Krimis kennen. Er ist älter als sie. Darauf stürzte sich kürzlich ein TV-Mann im Interview. Die journalistisch peinliche Frage nach dem Altersunterschied parierte der Brigadier souverän: "Ich wollte immer einen feschen, jugendlichen Mann. Und den habe ich gefunden."