Im Vorjahr haben die Mähboote der Stadt Wien 2.600 Tonnen Wasserpflanzen aus der Alten Donau geholt, im Rekordjahr 2018 waren es sogar 3.350 Tonnen. Forscher der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien arbeiten daran, aus den wuchernden Pflanzen - sie können in vier Wochen bis zu zwei Meter wachsen - Verpackungsmaterial herzustellen und sie weiter als Rohstoff zu nutzen. Ihr Projekt wurde nun mit dem "Energy Globe Award Niederösterreich" prämiert, teilte die Boku mit.

Seit Beginn dieser Woche sind wieder die 17 Mähboote der Stadt Wien an der Alten und der Neuen Donau unterwegs, um die sogenannten Makrophyten in Schach zu halten. Diese sind zwar für die gute Wasserqualität der Gewässer wichtig, bei Badegästen und Bootsfahrern aber verhasst. Derzeit werden die abgemähten Wasserpflanzen kompostiert.

Auch aus der Neuen Donau werden Wasserpflanzen verwertet. - © unsplash, Dimitry Anikin
Auch aus der Neuen Donau werden Wasserpflanzen verwertet. - © unsplash, Dimitry Anikin

Unter der Leitung von Thomas Rosenau und Wolfgang Gindl-Altmutter haben Forscher des Instituts für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe und des Instituts für Chemie Nachwachsender Rohstoffe der Boku daran gearbeitet, das große Potenzial der Makrophyten zu nutzen. "Unser Ziel ist es, ein urbanes Bioraffineriekonzept zu entwickeln, um künftig eine nachhaltige Wertschöpfung dieses stadtnahen Rohstoffes zu ermöglichen", erklärten die Projektmitarbeiter Armin Winter und Marco Beaumont in einer Aussendung.

Die ersten Prototypen, etwa für Einmal-Verpackung von Obst oder als kompostierbares Einweggeschirr, sind den Forschern zufolge "vielversprechend". Aktuell arbeiten sie an geeigneten "Pulpingmethoden", um die Pflanzenfasern zu trennen und aufzubereiten. In den Wasserpflanzen sind aber auch weitere wertvolle Bestandteile erhalten, die für eine stoffliche Nutzung interessant sind, beispielsweise Stärke und lignin-ähnliche Biopolymere. Die Makrophyten verfügen zudem über einen hohen Proteingehalt und ein Nebenprodukt, das bei der Verpackungsproduktion anfällt, könnte künftig als Dünger genutzt werden. Auch die Fermentation zur Biogaserzeugung ist möglich und wurde bereits getestet.

Für die weitere Forschung an den Potenzialen der Makrophyten und die technische Umsetzung des Bioraffineriekonzeptes suchen die Wissenschafter nun Sponsoren und Kooperationspartner. (apa)