"Sag, dass du mit einer Schwangeren zusammenlebst und du wirst sofort geimpft" - mit diesem Satz sollen sich in den vergangenen Tagen viele Menschen die AstraZeneca-Impfung in der Bundeshauptstadt unrechtmäßig erschlichen haben. Auch viele angehende Familienväter haben gegenüber der "Wiener Zeitung" bestätigt, dass sie im Austria Center keinen Nachweis erbringen mussten, mit einer schwangeren Frau zusammenzuleben. Sie mussten lediglich ihre E-Card vorweisen und einen Zettel ausfüllen. "Das ist dann schon unfair gegenüber jenen Personen, die schon lange auf ihre Impfung warten, um sich wieder sicher zu fühlen - unfair vor allem gegenüber den Risikopatienten. Und auf der Warteliste stehen tausende Menschen, die hier einfach übergangen werden", lautet die Kritik.

Im Büro von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) will man diese Missstände weder bestätigen noch dementieren. "Es war auf jeden Fall vorgesehen, dass ein Nachweis erbracht werden muss - etwa in Form von Meldezetteln mit gleicher Adresse", meint ein Sprecher auf Anfrage. Aber viel Missbrauch dürfte es nicht gegeben haben, weil der extra für Jungväter zur Verfügung gestellte Impfstoff noch nicht aufgebraucht sei. "Abgesehen davon handelt es sich um eine auf diese Woche beschränkte Impfaktion und eine weitere wird nicht nötig sein, weil ab April/Mai voraussichtlich ohnehin genügend Impfstoff zur Verfügung stehen wird - auch für weitere Angehörige", heißt es weiter.

Durchschnittlich 20.000 Schwangerschaften im Jahr

In Wien gibt es im Durchschnitt jährlich 20.000 Schwangerschaften. Für die Impfaktion wurde ein Quartal herausgerechnet - "so sind wir auf die 5000 Impfdosen gekommen, die für die Aktion bereitgestellt wurden". Und die seien niemandem weggenommen worden, wurde versichert. Am Donnerstagnachmittag war im Übrigen auf dem Impfportal die Auswahlmöglichkeit "Mit einer Schwangeren im gleichen Haushalt wohnend" nicht mehr vorhanden. (rös)