Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien richtet ein Legal Tech Centre (LTC) zur Erforschung des Einflusses von Digitalisierung, Privatisierung und Ökonomisierung auf den Rechtsbereich ein. Dabei geht es unter anderem um die Einbindung von Artificial Intelligence, Blockchain und Machine Learning in die Rechtsanwendung sowie die dadurch bedingte Veränderung der juristischen Arbeit, hieß es in einer Aussendung.

An der modernen Wirtschaftsuniversität Wien wird in Zukunft ein eigener Bereich Rechtsaspekte im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz, Blockchain und Machine Learning erforschen. - © WU Wien
An der modernen Wirtschaftsuniversität Wien wird in Zukunft ein eigener Bereich Rechtsaspekte im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz, Blockchain und Machine Learning erforschen. - © WU Wien

"Legal Tech" ist die Kurzform von Legal Technology - im Endeffekt geht es dabei um Software oder Werkzeuge, die die Arbeit von Juristen erleichtern bzw. einzelne Arbeitsprozesse automatisieren können. Das reicht von simplen und mittlerweile etablierten Anwendungen wie Fachdatenbanken über die Auslagerung von juristischen Arbeitsschritten wie die automatisierte Überprüfung von etwaigen Ansprüchen anhand vorher eingegebener Daten bis hin zum künftigen Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Juristerei.

Automatisierungsprogramme für Unternehmen

Mittlerweile gibt es auf dem Markt etwa Anwendungen, die Unternehmen bei der Automatisierung ihrer Vertragsmuster helfen. Außerdem unterstützen automatisierte Programme Verbraucher bei Entschädigungsansprüchen im Zusammenhang mit Verspätungen etwa bei Bahn- oder Flugreisen. Ein anderes Beispiel sind Chatbots, mithilfe derer potenzielle Mandanten mit Hilfe standardisierter Fragen zu einem Thema herausfinden können, ob sich ein Termin beim Anwalt lohnen könnte oder aussichtslos wäre.

Momentan unterstützen diese Technologien Juristen nur bzw. nehmen ihnen mehr oder weniger simple, aber unter Umständen zeitaufwendige Tätigkeiten ab. Das könnte sich aber mit dem vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz oder Blockchain-Technologien ändern. Dann könnten diese Systeme auch "kreative" Aufgaben übernehmen und eventuell Juristen ersetzen.

Am LTC soll nun erforscht werden, was der Einsatz solcher Technologien für Bürger bedeutet, welche gesellschaftspolitischen Herausforderungen sich daraus ergeben und welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. "Selbstverständlich bedarf es eines rechtlichen Rahmens, der den Chancen und Risiken von Legal Tech gleichermaßen Rechnung trägt. Unsere Kernaufgabe im LTC: diesen Rechtsrahmen abzustecken und fortzuentwickeln", betonte dessen Leiter Christoph Krönke. Außerdem will man Input für konkrete Legal-Tech-Anwendungen etwa in den Bereichen Finanzmarkt, Energie, Gesundheit sowie in der Verwaltung und der Justiz anbieten. (apa)