Die Notschlafstelle in der Gudrunstraße im 10. Bezirk muss Ende April schließen. Zwar soll die Winternothilfe der Stadt Wien auch heuer verlängert werden und bis August weiterlaufen. Jedoch nur mit 800 anstatt wie bisher mit 900 Plätzen, wie der Fonds Soziales Wien (FSW) gegenüber der "Wiener Zeitung" bestätigt hat.

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"Auslastung unter 90 Prozent"

"Die Gesamtauslastung lag unter 90 Prozent, sogar in kalten Zeiten", sagt FSW-Pressesprecher Jakob Reisinger und betont, dass die Ausweitung des Winterpakets ein saisonal begrenztes, pandemiebedingtes Angebot war.

Dass es ausgerechnet die Notschlafstelle Gudrunstraße trifft, ist laut dem FSW-Sprecher den räumlichen Gegebenheiten geschuldet. In den engen Gängen und Zimmern war es schwierig, Mindestabstände einzuhalten, sagt auch Stefanie Kurzweil, Pressesprecherin des Samariterbunds, der das Notquartier betreibt.

Mit der Schließung der "Gudi" verlieren etwa 60 Menschen ihr Dach über dem Kopf. "Die Sozialarbeiter sind bemüht, dass die Bewohner auf andere Quartiere aufgeteilt und bestmöglich untergebracht werden können", sagt die Samariterbund-Sprecherin. Andere Mitarbeiter des Samariterbunds können nicht nachvollziehen, warum Favoritens einziges Notquartier für Männer nun schließen muss, und veranstalteten deshalb vergangene Woche eine Protestaktion am nahegelegenen Keplerplatz.

Es geht auch um Arbeitsplätze: Die Verträge von zwölf Mitarbeitern werden aufgrund der Schließung nicht verlängert. Auch Kollegen beteiligten sich an der kleinen Demonstration. "Es wird keine Repressalien für die Teilnahme an dieser demokratischen Protestaktion geben", versichert Kurzweil.

Für den nächsten Winter ist geplant, dass die Notschlafstelle wieder aufsperren soll. Angedacht sind bauliche Sanierungsmaßnahmen, damit Abstandsregeln besser eingehalten werden können.

Bessere Neuigkeiten gibt es von den VinziWerken: Hier wurde nach drei Jahren Suche ein Ersatzquartier für die Ottakringer Straße, einem Notquartier für Frauen und Männer, gefunden. Denn Ende April muss der derzeitige Standort geräumt werden, weshalb 50 Personen akut von Wohnungslosigkeit bedroht waren. In letzter Sekunde fand sich ein passendes Haus in der Simmeringer Hauptstraße im 11. Bezirk.

Seit vergangener Woche werden bauliche Veränderungen vorgenommen, wofür die VinziWerke einen Spendenaufruf gestartet haben (siehe Box). In einer ehemaligen Pizzeria werden die Bewohner nun in Doppelzimmern anstatt in Mehrbettzimmern untergebracht. "Menschen, denen es an essenzieller materieller Sicherheit fehlt, gibt dies ein Stück ihrer Würde zurück", sagt Ingrid Giller, Obfrau des VinziBett.