Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Ostösterreich sind  damit argumentiert worden, dass die Situation in den Spitälern kritisch ist. Und das bleibt sie tatsächlich - auch wenn es einen Patientenrückgang in Wien gibt. Demnach müssen derzeit 611 Personen stationär behandelt werden, davon liegen 167 auf einer Intensivstation. Das sind um 28 bzw. neun weniger als am gestrigen Mittwoch. Ein Ausbau der Spitalskapazitäten auf eine neue Stufe neun wäre möglich.

Aufgrund der Rückgänge bei der Bettenbelegung von Mittwoch auf Donnerstag dürfen laut Gesundheitsverbund keine falschen Schlüsse gezogen werden. "Wir haben mittlerweile den Eindruck, dass eine gewisse Schwankung normal ist. Das sagt aber nichts über das Wachstum aus. Es kann sein, dass es morgen wieder umso mehr sind. Erst wenn es drei bis vier Tage hintereinander stabil bleibt, kann man von einer Änderung der Lage sprechen", warnte die Sprecherin des Wiener Gesundheitsverbundes im APA-Gespräch.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet ist das Patientenplus auf den Stationen in Wiens Krankenhäusern weiterhin beträchtlich. Im Wochenvergleich müssen um 65 Personen bzw. 11,9 Prozent mehr im Spital versorgt werden. Auf den Intensivstationen sind es um 30 Menschen bzw. um 21,9 Prozent mehr.

Noch gibt es keine genauen statistischen Daten zum Alter der Hospitalisierten der dritten Welle, da die dritte Welle für eine EDV-Auswertung noch zu kurz sei. Aber was die Gesundheitsverbund-Sprecherin aus Beobachtungen sagen kann: "Fest steht, dass die Patienten, die jetzt bei uns liegen, zwischen 40 und 60 Jahre alt sind und tendenziell jünger werden."

Sie wies dabei auf einen weiteren wichtigen Punkt hin - nämlich, dass in Wiens Krankenhäusern bei der Betreuung der Corona-Patientinnen und -Patienten nicht bei null begonnen worden sei. Mit Ende Februar, zum "Tiefpunkt", bevor die Patientenzahlen wieder zu steigen begannen, seien noch immer 274 erkrankte Menschen der zweiten Welle in den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes gelegen.

Alarmierende Vorschau der Experten

In Wien versorgen neben den Wiener Gemeindespitälern auch die Ordensspitäler Corona-Kranke. Bei der Bettenbelegung wird nach dem Covid-Stufenplan, nach dem die Bettenbelegung in den Spitälern vorgenommen wird. Dieser umfasst acht Stufen. Im Moment befinden sich die Spitäler noch immer auf Stufe sechs, wo 230 intensivmedizinischen Betten für die Betreuung von Covid-Patientinnen und -Patienten vorgesehen. Darin enthalten sind 90 Betten, die mit High-Flow-Oxygen-Geräten ausgestattet sind. Damit ist eine spezielle Sauerstoff-Therapie bei Corona-Patientinnen und -Patienten möglich.

Aufgrund der alarmierenden Vorschau der Experten, die für das Gesundheitsministerium eine wöchentliche Covid-Prognose erstellen, wonach in Wien der Anstieg auf 260 benötigte Intensivbetten innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet wird, hat der Gesundheitsverbund mit den Vorbereitungen zum Umstieg auf die höchste Stufe acht begonnen. Hierbei sind insgesamt circa 310 intensivmedizinische Betten - davon rund 100 High-Flow-Oxygen-Betten - sowie 768 Normalbetten für die Betreuung von Covid-Erkrankte vorgesehen.

Die Sprecherin erklärte die APA die Vorgehensweise bei den Vorbereitungen zur Stufe acht: "Wir wissen schon, welche Intensivbetten in Stufe acht vorgesehen sind. Wir schauen uns jetzt an, welche Patientinnen und Patienten laut ursprünglichem Plan in diesem Betten liegen würden. Dann evaluieren wir und schauen, welche Operationen man verschieben kann,. Die Kontaktaufnahme mit den betroffenen Personen erfolgt aber noch nicht jetzt, sondern kurzfristiger. Denn in zwei Wochen kann die Lage anders aussehen. Wir hoffen, dass wir bei stufe acht einen gewissen Vorlauf haben."

Insgesamt verfügt der Gesundheitsverbund über rund 6.000 Normalbetten sowie 550 Intensivbetten - allerdings in Summe und nicht nur für an Covid-19 erkrankte Menschen. Sollte es die Situation verlangen, so werde es eine Stufe neun geben, so die Sprecherin des Gesundheitsverbundes.

"Wenn wir mehr Betten brauchen, werden wir mehr Betten schaffen. Dann wird es eine Stufe neun geben, wir werden in die Planung gehen und umsetzen. Wir haben den Vorteil, dass wir ein Verbund sind. Das heißt, unsere Kliniken arbeiten eng zusammen und wir haben mehr Spielraum und mehr Kapazitäten als einzelne Häuser." Der Preis der Bettenfreimachung für Corona-Patientinnen und -Patienten sind allerdings weitere Reduktion von Leistungen. Die Akutversorgung wird jedenfalls immer aufrechterhalten, wurde heute einmal mehr versichert.

Was generell das Infektionsgeschehen in der Stadt anbelangt, so gibt es mittlerweile laut medizinischem Krisenstab der Stadt seit Beginn der Pandemie 109.866 positive bestätigte Testungen. Darin enthalten sind 1.050 neue Fälle, inklusive Nachmeldungen der vergangenen Tage, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. Weiters sind 1.849 Todesfälle aufgrund von bzw. an den Folgen von Covid-19 dokumentiert. In den vergangenen 24 Stunden gab es dabei neun Todesfälle zu beklagen. Wieder gesund sind 99.068 Personen. Aktiv an der Erkrankung laborieren 8.949 Menschen.

Am gestrigen Mittwoch wurden in Wien 44.653 Corona-Testbefunde eingemeldet, davon 28.435 PCR-Tests und 16.218 Antigen-Schnelltests. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 4.284.829 Testungen durchgeführt. (apa)