Fünf Kleinbusse der Polizei parken kurz nach acht Uhr früh auf dem Wiener Stephansplatz. Grund dafür ist nicht die erstmals auf fünf Plätzen in Wien geltende FFP2-Maskenpflicht. Diese gilt gleichzeitig mit dem ab Gründonnerstag für Wien, Niederösterreich und das Burgenland bis 11. April verhängten Lockdown. In der Früh habe eine Messe im Stephansdom stattgefunden, die Beamten hätten sich "zur Absicherung" dort befunden, teilt die Landespolizeidirektion Wien auf Anfrage mit. Dabei könnte es auch die Kontrolle der Maskenpflicht sein, denn etliche Menschen queren den Stephansplatz ohne FFP2-Maske.

Der Platz im Herzen Wiens liegt an diesem 1. April-Morgen geradezu friedlich da. Ganz ohne die Touristen. Selbst im Vergleich zu sonstigen Werktagen ist wenig los. Auch die Kleinlastwagen, die sonst die Fußgängerzone versperren, halten sich in Grenzen. Schließlich muss auch der Handel geschlossen bleiben.

Großteils Verständnis

Es vergeht keine Minute, bis ein Polizist einen Mann, der über den Stephansplatz geht, freundlich auffordert, die Schutzmaske anzulegen. Der Mann hat schlicht darauf vergessen. Einer Frau, die ein paar Meter weiter vorbeigeht, ergeht es nicht anders. "Setzen’S a Maske auf, bitte!", ermahnt sie ein Polizist höflich, dass hier wie auch am Donaukanal, am Schwedenplatz, am Maria-Theresien-Platz sowie am Karlsplatz samt Resselpark von der Stadt Wien eine FFP2-Maskenpflicht angeordnet wurde.

Ein Mann schiebt hingegen ohne FFP2-Maske unbehelligt sein Rad über den Stephansplatz, mehrere Jogger, die vereinzelt vorbeilaufen, ebenfalls. Vor allem Jüngere ignorieren die Maskenpflicht. Auch eine junge Frau, die im Eilschritt über das Pflaster zur Arbeit geht, tut das vor der Stephansdom ohne den obligatorischen Mundschutz. "Ich wusste es nicht", sagt sie eher kleinlaut im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", kramt in der Handtasche und holt die FFP2-Maske raus. Bei einer Angestellten, die regelrecht dahinhasteten ist es ein anderer Grund, warum sie "oben ohne" unterwegs ist. Sie saugt gierig an einer Zigarette. Ein junger Mann im Hoodie verbirgt sein freundliches Lächeln hingegen hinter dem Mundschutz: "Es ist für mich kein Problem", betont er.

Einer Arbeiterin mittleren Alters geht das verpflichtende Tragen von FFP2-Masken im Freien jedoch gegen den Strich: "Ich finde das ist lächerlich. Im Freien eine Maske zu tragen, ist nicht in Ordnung." Trotzdem hält auch sie sich an die Vorschrift. Für den Lockdown hat aber auch sie Verständnis, wie der überwiegende Teil der Passanten. "Ich finde es gut, weil es medizinisch notwendig ist", sagt ein Angestellter mit Aktentasche. Ähnlich fallen die Antworten weiterer Passanten aus. "Ich finde den Lockdown okay", pflichtet eine junge Frau bei.

Ärger über Kurz

Nur ein Mann mit grauen Haaren macht offen seinem Ärger Luft. Dieser richtet sich speziell gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grünen). "Wir haben nicht einmal die Orte lokalisiert, wo man sich infiziert", grantelt er. Der Lockdown für den Handel ist ihm ein besonderer Dorn im Auge: "Wir drehen die Geschäfte zu, wo sich keiner angesteckt hat." Auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) bekommt sein Fett wegen der nicht richtigen Verteilung der Corona-Hilfen ab: "Es ist eine Katastrophe. So gehen die Kleinen drauf und die Ketten reiben sich die Hände."

Die Kleinbusse mit den Polizisten haben nach und nach bis 9 Uhr den Stephansplatz verlassen. Im Dom selbst ist nur eine Handvoll Menschen ins Gebet vertieft. Trotz Lockdown ist die Karwoche für Katholiken anders als Ostern 2020, als die Kirchen geschlossen bleiben mussten.

Die nahe Wollzeile in der Wiener Innenstadt ist mit wenigen Ausnahmen noch menschenleer. Nach mehreren Lockdowns haben viele Geschäftsinhaber auch schon eine gewisse Routine. Manche setzen wieder auf das Abholen von Waren. Diese Möglichkeit wurde mittels Verordnung trotz der 24-Stunden-Ausgangssperre für Handel und Kunden noch eingeräumt. "Für Ihre Abholung und Lieferung sind wir erreichbar", steht denn auch auf dem handgeschriebenen weißen Zettel eines Teppichgeschäfts. Auch in einer nahen Boutique ist das Abholen von Gewand möglich. "Wir sind online für Sie da", heißt es bei einem eleganten Modegeschäft daneben.

Am sonnigen Mittwoch vor dem Lockdown haben viele die Eissalons regelrecht gestürmt. Ein Eissalon auf dem Graben bereitet sich auch am Gründonnerstag auf Kundschaft vor. Gassenverkauf ist auch im Lockdown erlaubt.