Die globalen Warenströme sind komplex. Turnschuhe, Bananen, Medikamente, Schoko-Osterhasen haben eine Odyssee hinter sich, bevor sie bei uns ankommen. Sie reisen per Bahn, Flugzeug, Lkw und Schiff. Sie überqueren Ozeane und Grenzen. Ihr Routen-Netz umspannt den Planeten. Wie sehr die Transportwege miteinander verbunden sind, zeigt die tagelange Sperre des Sueskanals durch das Containerschiff "Ever Given".

Denn die Blockade des Nadelöhrs in Ägypten hat Auswirkungen auf den Hafen in Wien. "Der Stau in Ägypten kommt mit etwa zweiwöchiger Verzögerung bei uns an", sagt Fritz Lehr, Geschäftsführer des Hafen Wien. "Wir rechnen mit zehn bis 20 Prozent weniger Containern in den kommenden Tagen."

Durch den Stau im Sueskanal, kommen derzeit weniger Containern im Hamburg Hafen an. Es können also auch weniger nach Wien transportiert werden. Und umgekehrt genauso: Container, die von Wien aus per Zug in die Nordseehäfen gebracht werden sollen, bleiben stehen. Der Hafen arbeite daran, die Engpässe auszugleichen. Zu einer Versorgungskrise in der Stadt wird es nicht kommen.

400.000 Container pro Jahr

Der Wiener Hafen ist nur ein kleiner Knoten im globalen Netz der Warenströme. Doch er ist essenziell für die Versorgung und Wirtschaft in Wien. Alles wird hier umgeschlagen - von Lebensmitteln, über Stoffe, bis hin zu Stahl und Öl. Der Wiener Hafen ist mit einer Fläche von drei Quadratkilometern so groß wie die Wiener Innenstadt. Er besteht aus den Standorten Hafen Freudenau, Hafen Albern und Ölhafen Lobau. "Insgesamt fertigen wir pro Jahr etwa 400.000 Container ab, 10.000 sind auf dem Gelände lagerbar", sagt Lehr. 1.000 Lastwagen werden täglich be- und entladen - und 1.000 Züge in der Woche. 1.000 bis 1.200 Schiffe werden in den drei Hafenbecken pro Jahr abgefertigt.

Damit ist der Wiener Hafen ein wichtiger Hinterlandhäfen Europas, wie Binnenhäfen in der Branche genannt werden. Sie sind die kleinen Partner der großen Hochseehäfen wie Rotterdam oder Hamburg. Mit ihnen wird kein Gefühl der Freiheit verbunden. In ihren Hafenkneipen kein Seemannsgarn gesponnen. Sie liegen im Gewerbegebiet, etwa in Simmering. Und die Kneipe ist ein Würstelstand.

Ein Drittel des Transports

Der Wiener Hafen versteht sich weniger als romantischer Hafen und mehr als modernes Logistikzentrum. Der Schiffsverkehr nimmt im Modal Split - neben Schiene und Straße - etwa ein Drittel des gesamten Transportaufkommens ein. "Der Wiener Hafen ist trimodal", sagt Fritz Lehr. "Er ist mit Autobahnen, der Donau und der Schiene sehr gut an das internationale Transportnetz angebunden."

Vor allem in Zeiten der Pandemie erwies sich der Wiener Hafen als zuverlässiger Knotenpunkt. Medikamente und Masken erreichten von hier aus Arztpraxen, Krankenhäuser, Bevölkerung.