Die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) ist dabei, eine Lösung für das umstrittene Denkmal für den früheren Bürgermeister Karl Lueger (1844-1910) im ersten Bezirk zu erarbeiten. Lueger gilt als Vorreiter des politischen Antisemitismus. Er hat "seine" Straße bereits 2012 verloren, als der Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt wurde. Das Denkmal soll bleiben, jedoch um zusätzliche Elemente ergänzt werden.

Runder Tisch angekündigt

 Dazu wird es nun laut "Kurier" einen Runden Tisch geben, bei dem die weiteren Schritte besprochen werden. Das Büro der Stadträtin bestätigte am Mittwoch, dass Expertinnen und Experten zum Gedankenaustausch ins Rathaus geladen werden sollen - sobald dies die Coronapandemie wieder erlaubt. Man wolle über einen adäquaten Umgang mit dem Denkmal nachdenken und "über Formen von Kontextualisierung und deren Vermittlung im öffentlichen Raum diskutieren und über eine nachhaltige und zeitgemäße Form des Erinnerns und Gedenkens reflektieren".

 "Eine Meinungsfindung muss auf einer breit aufgestellten gesellschaftlichen Basis erfolgen, will sie in Zukunft tragfähig sein. Es braucht daher einen Brückenschlag zwischen Wissenschaft, Kunst, Politik, Verwaltung und Denkmalschutz. Es braucht Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Feldern, die ihre Kompetenz und Erfahrung in den Prozess einbringen", betonte Kaup-Hasler in einer Stellungnahme. (apa)

  Weltweit werde über Rassismus und Identitätspolitik diskutiert. Die Auseinandersetzung habe auch Wien erfasst, wie das Beispiel des beschmierten Lueger-Denkmals zeige, hielt sie fest. Tatsächlich prangt auf dem 1926 aufgestellten Denkmal inzwischen aufgesprayt das Wort "Schande". Karl Lueger sei eine höchst umstrittene Figur - auf der einen Seite Bürgermeister, der wichtige kommunale Errungenschaften auf den Weg gebracht habe, auf der anderen Seite Vorreiter des politischen Antisemitismus. Diese Ambivalenz von Lueger und seines politischen Vermächtnisses sei jedoch am Denkmal nicht sichtbar und nicht wahrnehmbar, konstatierte Kaup-Hasler.

  Die Stadt widmet sich zudem wieder den historisch belasteten Straßennamen. Laut einer ab 2011 tätigen Historikerkommission sind 178 hier als problematisch einzustufen. Bei einigen gibt es nun bereits Zusatzschilder - etwa beim Dusikaweg, der nach dem Radrennfahrer "Ferry" Dusika benannt ist. Darauf ist nun zu lesen, dass dieser als NSDAP-Mitglied Profiteur der "Arisierung" eines Fahrradgeschäftes war.

  Nun sollen weitere Schritte gesetzt werden: "Ich habe initiiert, dass alle Straßen mit belasteten Namen, das sind noch 150, eine Zusatztafel mit Erklärungen erhalten. Das wird noch in diesem Jahr umgesetzt", sagte Kaup-Hasler dem "Kurier". Dazu habe es Gespräche mit den Bezirken gegeben. Die Ressortchefin beauftragte die Historikerkommission laut dem Zeitungsbericht außerdem, alle Straßennamen mit Kolonialbezug zu untersuchen.