Das ist so, als würden Sie ein völlig neues Geschäft aufmachen", sagt Hildegard Anzinger. Die 75-Jährige ist Inhaberin des kleinen, aber exquisiten Bonbon-Geschäfts in der Tegetthoffstraße gegenüber der Albertina. Nach 47 Jahren im Geschäft hat sie sich entschlossen, einen Online-Shop aufzusetzen, der im November ans Netz ging. "Wir Geschäfte in der Innenstadt sind ja am meisten von der Pandemie betroffen", sagt Anzinger. "Man muss etwas tun, um weiterzuarbeiten."

Corona-Krise und Lockdown haben den Wiener Betrieben stark zugesetzt. Die Onlinepräsenz von Geschäften samt Kaufmöglichkeit via Internet ist mittlerweile von einer Option zu einer Überlebensnotwendigkeit geworden. Denn der Handel übers Netz boomt angesichts geschlossener Geschäfte. Die Corona-Krise sei die beste Werbeaktion für den Online-Riesen "Amazon" gewesen, heißt es mancherorts zynisch. Will man als Wiener Betrieb nicht anderen einfach das Feld überlassen, heißt es also Handeln.

Wichtig für Grätzel

"Etwa 50 Prozent der Wiener Betriebe nutzen Click und Collect beziehungsweise Call und Collect", erklärt Margarete Gumprecht, Handels-Spartenobfrau in der Wirtschaftskammer Wien. Das heißt, dass man sich die Waren im Internet anschauen und dann per Mausklick oder Telefonanruf zur Abholung ordern kann. "Das ist gerade für die Wiener Grätzel ungemein wichtig", sagt Gumprecht. Bei vielen Wienern sei es zu einem Umdenken gekommen. Die Mehrheit ist bestrebt, ihren Konsum regional auszurichten. Dafür muss der Handel aber wiederum die Voraussetzungen schaffen. Und das bedeutet in Lockdown-Zeiten nun einmal Internetpräsenz.

Besonders gut funktioniere das in der Gastronomie, erklärt Gumprecht. Aber auch Blumenhändler freunden sich schon damit an und stellen florale Grüße zur Abholung bereit. Weniger gut funktioniert Click und Collect in der Textilbranche. Da sei für Kunden der Online-Versandhandel praktischer, bei dem man etwas bestellt, zu Hause anprobiert und bei Missfallen kostenlos zurücksenden kann.

Aber auch andere haben zu kämpfen. "Aufgrund unserer Betriebsgröße habe ich keinen Onlineshop", sagt Erwin Bugkel. Click und Collect sei bei ihm nicht der Rede wert, sagt der Inhaber eines Papier- und Spielwarengeschäfts in Hernals. "Dabei kommen Umsätze zustande, die in keiner Relation zum Aufwand stehen", so Bugkel.

Aber auch wenn Click und Collect und Onlineshop nicht jedermanns Sache ist, so ist zumindest das Alter kein Hindernis, wie Hildegard Anzinger beweist. Außerdem muss man ja nicht alles selbst machen. "Die Mädchen machen bei mir den Online-Shop. Die können das. Ich bin ja nicht damit aufgewachsen", so Anzinger. Ihr Shop werde jedenfalls gut angenommen.

Um Click und Collect weiter voranzutreiben, hofft die Wiener Wirtschaftskammer jedenfalls auf einen Ausbau von Paketstationen in ganz Wien, in denen Händler ihre Waren zur Abholung deponieren können. Funktionieren die gut, wäre es jedenfalls ein weiterer Anreiz für Händler, ihre Waren über das Internet anzubieten.