Konkrete Pläne für den Ausbau der Radwege in Wien hat am Freitag Verkehrsstadträtin Ulli Sima gemeinsam mit dem Bezirksvorsteher des 22. Bezirks, Ernst Nevrivy, präsentiert. "Ich hätte mir nie gedacht, dass ich einmal sagen werde: Ich freue mich darüber, mit der Verkehrsstadträtin eine gemeinsame Pressekonferenz machen zu können", erklärte Nevrivy in Anspielung auf die ehemalige grüne Stadträtin Birgit Hebein.

Insgesamt sind es 21 Radfahrprojekte, die Sima heuer umsetzen und dafür bis zu zehn Millionen Euro ausgeben will. Grundlage für die Pläne sei eine strategische Planung, die Sima nach der Ressortübernahme im November aufsetzen ließ. "Mein Ansatz ist das Miteinander im Verkehr. Ich bin in intensivem Austausch mit den Bezirken, wir haben in etlichen Fällen die vorliegenden Planungen adaptiert und verbessert. Ich will gemeinsame Lösungen und Konsens", betonte Sima. Vor allem finden sich viele Lückenschlüsse im Ausbauprogramm. "Denn künftig soll es möglich sein, in ganz Wien mit dem Fahrrad auf sicheren und komfortablen Radrouten und Radwegen von A nach B zu kommen", so die Stadträtin.

Verbindung Hernals-Ottakring

Als besondere Highlights nannte sie etwa den Lückenschluss Adolf-Blamauer-Gasse / Otto-Premiger-Straße beim Eurogate im 3. Bezirk. Hier soll entlang der Bahntrasse ein etwa 480 Meter langer baulich getrennter Zweirichtungsradweg entstehen, der den Landstraßer Gürtel mit der Aspangstraße verbindet. Das westlich gelegenen Fasanviertel wird zukünftig über eine barrierefreie Fußgänger- und Radfahrerbrücke bzw. Rampe angebunden. Bis diese fertig gestellt werden kann, bleibt die derzeit vorhandene Brücke erhalten. Die gesamte Otto-Preminger-Straße wird zur verkehrsberuhigten Straße. Eine durchgehende Befahrung ist nur für Einsatzfahrzeuge und einen Bus der Wiener Linien möglich. Für Fußgänger baut die Stadt in der neuen Otto-Preminger-Straße zusätzlich breitere Gehsteige und pflanzt 20 neue Bäume.

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Auch die fahrradfreundliche Straße Goldschlagstraße soll von der Reinlgasse bis zur Sturzgasse verlängert werden. Zukünftig ist damit eine komfortable Radfahrt über die Goldschlagstraße vom 14. Bezirk bis zum Gürtel möglich. Als zusätzliche Maßnahme zur Verkehrsberuhigung wird die Goldschlagstraße auf dem Abschnitt zwischen Nobilegasse und Sturzgasse künftig als Einbahn in Richtung Johnstraße geführt.

Die Strecke Paltaufgasse-Ottakringer Straße-Weinheimergasse-Heigerleinstraße zwischen Alszeile und Hasnerstraße soll zu einem Paradebeispiel für eine bezirksübergreifende Radverbindung werden. Entlang der Vorortelinie kann dann vom 18. in den 14. Bezirk geradelt werden. Der Lückenschluss durch eine neue Radinfrastruktur im 16. und 17. Bezirk entsteht im Sommer und Herbst 2021.

Auf der Franz-Grill-Straße im 3. Bezirk steht seit Freitag ein Zweirichtungsweg zu Verfügung, konkret zwischen dem Landstraßer Gürtel und der Südbahnhofbrücke. Entlang der gesamten Franz-Grill-Straße verbindet der neue Radweg den äußeren 3. mit dem 10. Bezirk.

Eine richtige Fahrradoffensive will Nevrivy in seinem Bezirk starten. Bereits vor der Wien-Wahl habe er bei der MA 18 ein Radwege-Konzept für den gesamten 22. Bezirk in Auftrag gegeben, aber es nie thematisiert - "weil mir die Radlobby nicht zutraut, dass ich für die Radfahrer was mache". Tatsächlich seien ihm Radwege aber sehr wohl ein Anliegen, es dürfe nur nicht der  motorisierte Individualverkehr behindert werden. Als ersten Schritt nannte Nevrivy einen neuen Radweg auf der Wagramer Straße: Teil eins soll 2022 von der Kagraner Brücke bis zum Donauzentrum reichen. Teil zwei folgt im Jahr darauf und verbindet die Strecke vom Donauzentrum zum Kagraner Platz.

Kritik der Grünen

"Noch im Wahlkampf haben SPÖ und auch Neos 30 Kilometer Radwege pro Jahr versprochen. Heute ist davon nichts mehr übrig", kritisierte der Mobilitätssprecher der Wiener Grünen in einer Reaktion . Das von Sima präsentierte Radwegeprogram sei "enttäuschend und ist ein weiterer Rückschlag für den Klimaschutz in Wien". Wesentliche fertig geplante Projekte wie Praterstraße, Linke Wienzeile und Brünner Straße würden liegen bleiben und am fehlenden Mut im Rot-Pinken Rathaus scheitern, so der Mobilitätssprecher weiter.

Zahl der verunglückten Radfahrer stark steigend


Radfahren wird immer beliebter und hat durch die Pandemie einen zusätzlichen Boom erlebt. Diese Entwicklung geht laut Kuratorium für Verkehrssicherheit unter Berufung auf Zahlen aus dem Innenministerium mit einem Anstieg der Unfälle einher: 2019 verunglückten auf Österreichs Straßen 8.167 Radfahrer, 33 davon tödlich. 2020 gingen die Unfallzahlen bei allen Verkehrsmitteln zurück, nur bei getöteten Radlern (40) gab es ein Plus von 21 Prozent zum Jahr davor (1. bis 3. Quartal).

"41 Prozent der getöteten Radfahrer waren in den vergangenen drei Jahren mit einem E-Bike unterwegs, 2020 war sogar jeder zweite tödlich verunglückte Radfahrer ein E-Bike-Fahrer", erklärte Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung im Kuratorium (KFV) am Freitag.