Als Österreichs erfolgreichste Eiskunstläuferin vor kurzem unangekündigt den Wiener Eislaufverein (WEV) besuchte, erkannte sie niemand mehr. Dabei hat Trixi Schuba, die am 15. April in kleinem Kreis ihren 70. Geburtstag feierte, für den WEV und Österreich unter anderem olympisches Gold sowie je zwei Welt- und Europameistertitel errungen.

Schubas unerreichter Schlingenparagraf . - © getty / Bettmann
Schubas unerreichter Schlingenparagraf . - © getty / Bettmann

Dass sie heute auf "ihrem" Eislaufplatz unerkannt Runden ziehen kann, stört sie gar nicht. Sie hat nie viel Aufhebens um ihre Person zugelassen. Auch nicht, als sie 1972 aus Sapporo Österreichs einzige Goldmedaille von den Olympischen Spielen mitbrachte. Es waren jene Spiele, von denen Ski-Idol Karl Schranz ausgeschlossen wurde, weil er den Amateurstatus verletzt hatte.

Das olympische Gold ist noch heute ihr ganzer Stolz. - © privat
Das olympische Gold ist noch heute ihr ganzer Stolz. - © privat

Die immer bescheidene Trixi lief nie Gefahr, da anzustreifen. Sie hatte sich mühsam, ohne Geld, mit Ehrgeiz, Herzblut, Disziplin und moralisch einwandfrei in ihrer Disziplin an die Weltspitze emporgearbeitet. Mit 14 Jahren schleppte sie schon nach dem Tod des Vaters im Holzgeschäft der Mutter auf der Wiener Fischerstiege Faserplatten. "Eislaufmutti" gab es keine. Als Lehrmädchen erledigte sie am Nachmittag Buchhaltung und die Büroarbeit, damit ihr am Vormittag das Eistraining erlaubt wurde. "Eisnarrisch" wurde sie schon im zarten Alter von fast fünf Jahren. "Schuld daran" waren Burgtheater, König Ottokar und das damals neue Fernsehen. Denn die Eltern wollten unbedingt bei der Wiedereröffnung des Theaters im Staatsvertragsjahr 1955 dabei sein. Es gab keine Karten, also kaufte der Vater einen Fernseher. Das Schwarz-Weiß-Gerät funktioniert noch heute in Schubas Wohnung. Sie ließ es modernisieren.

Vor der Theater-Übertragung wurde 1955 ein Eislaufwettbewerb gezeigt. Die kleine Trixi war davon begeistert und so war eine Weltmeisterin geboren: Am nächsten Tag bekam sie Eislaufschuhe, die sie nicht mehr ausziehen wollte. Die hat sie heute auch noch.

Der Rest ist Eislaufgeschichte. Schuba trainierte besessen und wurde unerreichte Königin des Pflichtbewerbes, mit den millimetergenau abzufahrenden Figuren. Schuba zeigte sich dabei so überlegen, dass ihre Siege schon vor der nachfolgenden Kür feststanden. Vor allem ihr Schlingenparagraf rückwärts blieb unerreichte Weltklasse. Vorgeschriebene Figuren legte sie so selbstsicher hin, dass eine Pulsmessung dabei 60 Schläge anzeigte. Wegen ihrer Überlegenheit in der Pflicht wurde das Reglement geändert. Die für das Publikum spektakulärere Kür entscheidet heute.

Schuba hörte am Höhepunkt auf und verdiente ihr Geld ein paar Jahre lang bei US-Eisrevuen. 1978 kam sie nach Wien zurück und wurde Versicherungsangestellte. Sicherheit war ihr immer wichtig. Sie wusste Angestelltenstatus, Urlaub und Pensionsrecht in Österreich immer zu schätzen. Heute lebt Schuba in Wien. Die Wohnung teilt sie mit ihrer Hündin Cosima, einem Visla. In ihre privaten Karten lässt Schuba bis heute nur wenige gute Freunde blicken. Auch das war schon immer so.

Sie hatte nie Allüren und mochte auch keinen Glamour. Dennoch besuchte sie einmal "mit großem Vergnügen" den Opernball. Sie begleitete dabei Lotte Tobisch. Die 2019 verstorbene Opernball-Lady war nämlich jahrzehntelang eine der besten Freundinnen Trixi Schubas.

Ihren Aberglauben aus der erfolgreichen Sportzeit, immer erst den linken Schuh anzuziehen, behält Trixi Schuba bis heute bei.