Wer sich gerade darüber wundern sollte, dass die Zollergasse im 7. Bezirk noch immer eine Baustelle ist: Hier werden Bäume gepflanzt. Der Sommer wird nämlich wieder heiß werden. Darum wird mit dem Projekt "Kühle Zone Neubau" die Zollergasse von der Mariahilfer Straße bis zur Lindengasse umgestaltet.

Dieser Abschnitt soll auch zur Fußgängerzone werden - die Bauarbeiten dafür haben bereits Mitte März begonnen. Dabei werden der ganze Untergrund sowie die technische Infrastruktur erneuert, und es werden derzeit schon tiefe Löcher für die zukünftigen grünen Schattenspender gegraben: acht XL-Bäume der Sorte Zelkova serrata "Green Vase". Die trichterförmigen Bäume können auf bis zu 18 Meter wachsen und ein sommergrünes Blätterkleid tragen. Die Lebenserwartung der Zelkova serrata liegt im urbanen Umfeld bei 70 bis 80 Jahren, so Christian Schuster, Büroleiter der Bezirksvorstehung Neubau.

Bis zu 25.000 Euro pro Baumpflanzung

Die Bäume sollen den flanierenden Wienern Schatten spenden. Doch diese werden erst im Herbst in die Zollergasse übersiedelt, wenn sie ihre Blätter verlieren und keine Gefahr mehr für die Vogelnester besteht. Die Pflanzung eines solchen Baumes kostet laut Christian Schuster 15.000 bis 25.000 Euro.

Sobald die Zelkoven in der Zollergasse gepflanzt sind, werden deren Baumpflanzkarten in der Online-Datenbank im Stadtplan auf wien.gv.at erfasst. Informationen zum jeweiligen Baum, wie Gattung und Art, Stammumfang und Kronendurchmesser, die Baumhöhe und das Pflanzjahr können damit online eingesehen werden. Auf Anfrage konnte die MA 42 (Wiener Stadtgärten) derzeit noch keine Auskünfte bezüglich Herkunft der Zelkoven und der Kosten der Pflanzung nennen, weil "das Vergabeverfahren für die Bäume noch im Gange ist. Woher die Bäume genau kommen, kann daher auch noch nicht beantwortet werden, es kommen als Lieferanten jedoch alle europäischen Baumschulen in Frage." Der Boden im Bereich der Bäume wird außerdem entsiegelt, damit das Wasser durch die Erde abrinnen kann.

Zur Verbesserung des Mikroklimas werden außerdem im Boden drei Nebeldüsen und drei Quelldüsen installiert, die im Bereich der Fußgängerzone einen kleinen, kühlenden Bachlauf erzeugen. Zusätzlich sollen zwei, etwa drei Meter hohe, begrünte Pergolen, deren Aussehen an einen Webrahmen erinnert, errichtet werden. Der Boden der neuen Zollergasse wird mit quadratischen Granitpflastersteinen ausgelegt, die auf ein Teppichmuster anspielen sollen. Der Gedanke dahinter: Michael von Zollern, nach dem die Straße benannt wurde, war ein Tuchhändler. Inmitten der großen Grünflächen sollen, als konsumfreie Zone, bis zu 20 Sitzgelegenheiten entstehen. Auch ein Trinkbrunnen zur Abkühlung in der heißen Jahreszeit wird errichtet. Die Begrünung der Zollergasse ist aber im Grunde nichts Neues für den Bezirk Neubau.

2020 wurden in Neubau bereits 100 Bäume gepflanzt

"Allein im Jahr 2020 wurden im Bezirk Neubau knapp unter 100 Bäume gepflanzt", heißt es aus dem Büro der Bezirksvorstehung. Aber nicht nur im 7. Bezirk werden Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt. Jährlich werden in ganz Wien rund 4.500 Bäume gepflanzt. Besonders eifrig begrünte Orte sind dabei städtische Parkanlagen (rund 13 Millionen Quadratmeter - betreut von den Wiener Stadtgärten), jene Straßenzüge Wiens, in denen es technisch möglich ist, und die Stadtentwicklungsgebiete.

Während der Umbauarbeiten werden die anliegenden Wirte ihre Schanigärten, die ja voraussichtlich am 19. Mai wieder öffnen dürfen, nicht verwenden können. Die Stadt Wien würde deshalb Ersatz-Schanigärten in der Lindengasse und Mariahilfer Straße anbieten. Das würde einerseits einen längeren Gehweg der Kellner zu den Gästen bedeuten, andererseits könnten die Gastronomen mit Ersatz-Schanigärten auf der bekannten Einkaufsmeile mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Betreiberin des Cafés Kaffemik, eine der zehn Gastronomen in der Zollergasse, bleibt optimistisch: "Dass die Baustelle mit der Gastro-Öffnung zusammenfallen könnte, ist alles andere als ideal, aber sicherlich machbar."

Hoffnung auf Ersatz-Schanigärten

Sollten die Ersatz-Schanigärten tatsächlich angeboten werden, würde man das Angebot auf alle Fälle nützen. Von den zehn Gastronomen haben neun für einen Umbau der Gasse in diesem Jahr gestimmt. Bis Ende Juni soll er abgeschlossen sein. Ob und wann die Schanigärten aber überhaupt aufsperren dürfen, steht auf einem anderen (Zelkoven-)Blatt.