Seit einem Jahr gibt es in Wien eine Corona-Sorgenhotline, an die sich Menschen mit ihren Problemen und Ängsten wenden können. Die Corona-Pandemie bringt nämlich nicht nur die Ausbreitung der Covid-19-Krankheit selbst mit sich, sondern bedeutet für viele auch eine massive psychosoziale Belastung. Am Dienstag zogen die Psychosozialen Dienste (PSD) Bilanz: Bisher nahmen 10.541 Anrufer das Angebot in Anspruch.

Soll vor allem der Psyche helfen

"Die Corona-Sorgenhotline Wien wurde vor allem eingerichtet, um bei psychosozialen Belastungen eine erste Anlaufstelle bieten zu können und bewusst bei Sorgen zu unterstützen - noch bevor diese zu akuten oder langfristigen Krisen werden", erklärte Georg Psota, Chefarzt des PSD-Wien und Leiter des Psychosozialen Krisenstabs, am Dienstag in einer Aussendung.

Die Hotline ist täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der Nummer 01/4000 53000 erreichbar. Am andere Ende der Leitung sitzen Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter, die entweder gleich im Gespräch bestimmte Dinge lösen bzw. Situationen entspannen können oder bei Bedarf an spezifische weitere Hilfsangebote vermitteln.

Seit der Inbetriebnahme im April 2020 wurden 10.541 Telefonate geführt. Hauptanruftag ist übrigens Dienstag, am häufigsten wird die Nummer der Hotline zwischen 10.00 und 12.00 Uhr gewählt.

Mittelgradige Belastung steigt im Alter

Etwas mehr als die Hälfte, nämlich konkret 54,3 Prozent der Anrufer sind Frauen. Wobei angemerkt wurde, dass in der Gruppe der 50- bis 69-Jährigen bisher mehr Männer angerufen hätten. Bei den Unter-30-Jährigen waren beide Geschlechter im ziemlich gleichen Ausmaß vertreten.

Im Schnitt waren die Gesprächssuchenden 46 Jahre alt. Wobei es im Laufe des Jahres es Schwankungen gab - so war zwischen Anfang Juli und Ende November 2020 die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen am stärksten vertreten, davor und danach waren die Anrufer und Anruferinnen im Durchschnitt älter.

Was die psychischen Belastungen der Kontaktsuchenden anbelangt, so wurden laut PSD etwas mehr als ein Drittel (34 Prozent) mittelgradig bis schwer eingestuft. Wobei es Unterschiede in den Altersgruppen gab: Während bei den unter 30-Jährigen etwa drei Viertel gering belastet waren, waren es bei den über 70-Jährigen nur noch etwas mehr als die Hälfte. "Die mittelgradige Belastung steigt mit dem Alter", hieß es dazu in der Aussendung. Der Anteil an schwer Belasteten war in allen Altersgruppen hingegen etwa gleich.

Gespräche schaffen Perspektiven

Der Grad der psychischen Belastungen änderten sich außerdem im Verlauf der Pandemie. Der Anteil der mittelgradig bis schwer Belasteten sank über den Sommer etwas ab, stieg jedoch mit Schulbeginn und Anfang der zweiten Welle wieder an.

Bei mehr als 10.000 Anrufen standen Entlastungsgespräche im Vordergrund. "Ein solches Gespräch entlastet und schafft Perspektiven", erklärte Psota. Weitere häufige Themen im Rahmen der Telefonate waren Fragen zur Quarantäne, Psychische Krisen, Angst vor Ansteckung bzw. Angstzustände.

Mit Blick in die Zukunft betonte der PSD in der Aussendung auch: "Derartige niederschwellige Anlaufstellen für psychische Belastungen sind nicht nur während, sondern auch nach einer Pandemie notwendig." (apa)