Wiens "Drei-Tage-Bürgermeister" (von 13. bis
16. April 1945) hat nun
76 Jahre nach Kriegsende auf dem Zentralfriedhof eine sanierte Grabstätte. Die "Wiener Zeitung" hat an dieser Stelle bereits über Rudolf Prikryl (1896 bis 1965) berichtet. Der kauzige Mann hatte sich mit zwei Stempeln in cyrillischer Schrift ins Bürgermeisterbüro gesetzt und, von den Russen geduldet, einfach zu amtieren begonnen. Der Schwadroneur tat in dieser Rolle Gutes, wie Zeitzeugen berichteten. Jedem, der ins Büro kam, erteilte er mit seinen Stempeln Genehmigungen. So eröffnete das Flottenkino und Wiens später echter Kulturstadtrat, Viktor Matejka, wurde laut Prikryls Bestätigung "verantwortlich für die ganze Kultur in Österreich". Prikryls Regentschaft dauerte drei Tage, dann verschwand er aus den Amtsräumen. Theodor Körner als erster tatsächlicher Nachkriegs-Bürgermeister zog ins Rathaus ein. Prikryl verkam in zweifelhaften Geschäften und Alkoholgeschichten. Nach seinem Tod 1965 wurde er aber immerhin in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt - und vergessen. Hugo Portisch rief ihn in seiner legendären Zeitgeschichte-Serie "Österreich II" im Fernsehen in Erinnerung. Zeitzeugen berichteten vom "wilden" Bürgermeister.

Nach unserem Artikel 2018 meldete sich sogar eine seiner Stieftöchter in der Redaktion. Wir hatten über Prikyrls skurrile Lebensgeschichte und sein verfallendes und vergessenes Ehrengrab berichtet. Nicht einmal die Friedhofsverwaltung wusste um die Zusammenhänge Bescheid.

Der Bericht ließ die Wiener Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler und ihre umtriebige Pressesprecherin aktiv werden. Seit kurzer Zeit erinnert nun ein bisher nicht vorhandener Grabstein an den historischen Kontext.

Ein um die Wiedererrichtung des unabhängigen Österreich verdienter Politiker dürfte nun doch auch noch eine fällige Würdigung erhalten: Nach Johann Koplenig (1891-1968), Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945, soll ein Teil des Höchstädtplatzes in Wien-Brigittenau benannt werden. Im Jubiläumsjahr 2020 scheiterte ein solcher Wunsch der Bezirksvertretung noch. Koplenig war Vorsitzender der KPÖ gewesen, die im Widerstand gegen Adolf Hitler den größten Blutzoll für ein freies Österreich leistete. Laut dem SPÖ-Gemeinderat Georg Niedermühlbichler, dem Vorsitzenden des Unterausschusses für Verkehrsflächenbenennung, ist nun im Juni mit einer Empfehlung des Gremiums für die Benennung und einer Lösung zu rechnen.