Gleich nach der Kirche - gegenüber der alten Schule", so beschreibt Gregor Sifkovits den Weg durch den Ortskern von Breitenlee im 22. Bezirk. "Dann sehen Sie schon rechts unsere Feuerwehrwache." Als Breitenleer kennt er den kleinen Ort am Rande von Wien wie seine Westentasche. Denn hier ist er aufgewachsen, hat die Volksschule besucht, sich in der Pfarrgemeinde engagiert.

Vieles erinnert hier an vielen Ecken an ein beschauliches Dorf mit alten Strukturen: eine kleine Bäckerei in der Ortsmitte, ein Dorfanger, einige Geschäfte sowie eine Pfarrkirche, deren Glocken weit über die Gemeindegrenzen hinweg zu hören sind. Doch Breitenlee hat noch etwas, was diesen Bezirksteil von anderen in Wien unterscheidet: eine Freiwillige Feuerwehr. "Und ich bin ihr Kommandant", erklärt Gregor Sifkovits, der ihr bereits seit seiner Jugend angehört, stolz.

Die Freiwillige Feuerwehr in Breitenlee ist nicht die einzige eigenständige Feuerwehr - exakt 4.793 davon gibt es heute in Österreich. Sechs von ihnen sind als Berufsfeuerwehren organisiert: jene in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien; 306 sorgen als Betriebsfeuerwehren in größeren Unternehmen für Brandschutz und -bekämpfung. Früher bestand auch eine Vielzahl von Freiwilligen Feuerwehren in Wien. Doch fast alle haben sich im Laufe der Zeit aufgelöst oder wurden von der Stadt Wien übernommen - bis auf jene in Breitenlee und Süßenbrunn, die - gegründet in den Jahren 1880 beziehungsweise 1879 - ihre Eigenständigkeit bewahrt haben.

Sifkovits geht hinunter in die Garage, vorbei am Rüstlöschfahrzeug, das in der Einfahrt schon auf den nächsten Einsatz wartet. Einige Schläuche liegen auf der Seite. "Ich verbringe viel Zeit auf der Wache", gibt der Florianijünger zu. Mehr als 25 Stunden seien es pro Woche - meist an Wochenenden und Feiertagen. Weshalb einige Kameraden die Feuerwache in der Breitenleer Straße auch spaßhalber als "Gregors Wohnzimmer" bezeichnen.

Der Frauenanteil hat sich mehr als verdoppelt

Er selbst kommt aus keiner Feuerwehrfamilie. Über sein Engagement in der Pfarre fand er aber vor Jahren zur Feuerwehr. Und der junge Feuermehrmann ist damit nicht allein - mehr als 340.000 Menschen sind es in Österreich, die sich bei einer Freiwilligen Feuerwehr engagieren. Mehr als verdoppelt hat sich in den vergangenen zwölf Jahren die Zahl der Frauen in der bisher von Männern dominierten Organisation. Derzeit sind es rund 26.000 - "mit steigender Tendenz", freut sich der Österreichische Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV), dessen Hauptaufgabe darin besteht, das gesamtösterreichische Feuerwehrwesen in den Bereichen Organisation, Ausbildung, Technik und Ausrüstung zu unterstützen und zu koordinieren. Er ist außerdem der Dachverband aller Landesfeuerwehrverbände und Gemeinden mit Berufsfeuerwehren. Allein mehr als 51 ehrenamtliche Mitglieder zählt etwa die Freiwillige in Wien-Breitenlee, davon sind 27 Männer und eine Frau einsatzbereit; insgesamt 38 Mitglieder gehören jener in Wien-Süßenbrunn an.

Für ÖBFV-Präsident Albert Kern ist "Österreich das Land der Ehrenamtlichen, was vor allem bei der Feuerwehr spürbar ist". Ohne sie wäre der Feuerwehrdienst in Österreich in dieser Form nicht möglich. Die Motivation, sich freiwillig und ehrenamtlich als Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann mitzumachen, ist sehr unterschiedlich: Bei den einen ist es die Faszination für Technik, andere haben das Bedürfnis, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein. Aber auch Altruismus spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Und die Begeisterung dafür wird von Generation zu Generation weitergegeben. Nur durch den Einsatz vieler in der Freizeit könne "ein flächendeckender, professioneller und vor allem rascher Schutz sichergestellt und ermöglicht werden", sagt der Feuerwehrpräsident.

Von der Katze im Baum bis zum Verkehrsunfall

Je nach Alter wird zwischen der Feuerwehrjugend, dem Aktivstand und den Reservemitgliedern unterschieden. Österreichweit stagnieren laut Bundesfeuerwehrverband seit Jahren die Mitgliedszahlen. Besonders das Jahr 2020 werde sich auf sie zusätzlich auswirken, da weder Veranstaltungen, Bewerbe noch Aufnahmegespräche stattfinden konnten.

Zurück in Breitenlee. "Einsatzbereit ist mein Team immer", betont Sifkovits, der mittlerweile auf weit mehr als 1.000 Einsätze zurückblickt. Über SMS, App-Push-Nachricht und Pager werden die Mitglieder aus der Nachrichtenzentrale der Berufsfeuerwehr verständigt. Wer gerade in Breitenlee ist und Zeit hat, soll sich daraufhin zum Dienst melden. Dann rückt die Feuerwehr im Einsatzgebiet je nach Einsatzart alleine oder zur Unterstützung der Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr aus, mit der sie auch sonst hervorragend zusammenarbeite.

Zimmerbrände, Überschwemmungen, Verkehrsunfälle, Wohnungsöffnungen oder auch auf Bäumen gestrandete Katzen - alles "Gängige" sei dabei, berichtet Kommandant Sifkovits - aber auch Unerfreuliches wie Schwerverletzte oder auch Tote, die etwa aus einem verunfallten Wagen auf der S2, der Fortsetzung der Südosttangente, geborgen werden müssen. Zu durchschnittlich mehr als 120 Einsätzen rücken die Florianjünger jedes Jahr in Breitenlee, Neu-Essling und Teilen von Hirschstetten aus. Auch der Gewerbepark Stadlau gehört zu ihrem Gebiet. Bei größeren Ereignisse besetzen sie außerdem die Wachen der Berufsfeuerwehr, was in den Jahren 2019 und 2020 siebenmal der Fall war.

Für Leib, Leben
und Gemeinschaft

"Die Berufsfeuerwehr entlastet uns unter der Woche", erklärt Sifkovits. "Zu den üblichen Arbeitszeiten." An den Wochenenden und Feiertagen fahren die Florianijünger aus Breitenlee aber rund um die Uhr. Seit einigen Wochen haben sie auch sechs neue Mitglieder, "zwei davon sind erfreulicherweise Frauen", berichtet Sifkovits, der einen Werbefolder in die Hand nimmt, von dem zuletzt 5.000 Stück verteilt wurden. Für ihn ist die Feuerwehr "ein integraler Bestandteil des Gemeinwesens des Ortes", was sich am nicht nachlassenden Interesse der Breitenleer an ihrer Feuerwehr zeige.

Nein, nicht nur das Einsetzen für Menschen und Tiere - auch der gelebte Zusammenhalt der Feuerwehrleute untereinander bewege und begeistere viele im Ort, meint er. Bei einer Freiwilligen Feuerwehr mitzuarbeiten, sei daher keine normale Freizeitbeschäftigung, sondern eine sinnvolle Aufgabe mit einem hohen gesellschaftlichen Mehrwert. "Mit Leib und Leben setze ich mich gerne für meine Mitmenschen ein", sagt der 31-Jährige und schließt das Garagentor der Feuerwache in Breitenlee wieder. "Ja, und das tue ich so lange, wie ich kann."