Nutzer der U-Bahn-Linie U2 müssen sich auf eine etwas länger Wartezeit einstellen - nämlich eine, die bis Herbst 2023 dauern wird. So lange ist ein Teil der lila Linie gesperrt. Ab Ende Mai fährt sie nur noch zwischen Seestadt und Schottentor. Der Betrieb zwischen Schottentor und Karlsplatz wird eingestellt. Grund sind die umfangreichen Arbeiten für die Errichtung des Linienkreuzes U2/U5.

Der neue X-Wagen, der künftig auf der Linie U5 ohne Fahrer unterwegs sein soll, befindet sich schon im Probebetrieb. - © APA/HERBERT PFARRHOFER
Der neue X-Wagen, der künftig auf der Linie U5 ohne Fahrer unterwegs sein soll, befindet sich schon im Probebetrieb. - © APA/HERBERT PFARRHOFER

Durchsagen machen die Fahrgäste bereits seit längerem auf die bevorstehende Teilsperre aufmerksam. Auf der demnächst nicht mehr befahrenen Strecke wird künftig die U5 unterwegs sein, die ab 2026 in der ersten Ausbaustufe den Karlsplatz und den Frankhplatz verbindet. Der Abschnitt wird unter anderem mit Glaswänden und -türen am Bahnsteig ausgestattet, da die U5 vollautomatisch - also ohne Fahrpersonal - betrieben wird. In den Stationen Rathaus, Volkstheater, Museumsquartier und Karlsplatz werden insgesamt 144 Bahnsteigtüren und rund 16.000 Quadratmeter Glasflächen eingebaut. Im gesamten Abschnitt werden die Gleisanlagen erneuert und insgesamt 4,8 Kilometer Schienen getauscht. Unter der Landesgerichtsstraße und in der Universitätsstraße beim Schottentor werden neue Streckentunnel an die bestehenden U-Bahn-Bauwerke angeknüpft - für die künftige Streckenführung der U5 zum Frankhplatz und der U2 zum Matzleinsdorfer Platz.

Die Betriebsumstellung wird das ganze letzte Mai-Wochenende in Anspruch nehmen. Die U2 muss darum bereits ab 28. Mai pausieren. Aus technischen Gründen wird dabei für drei Tage der Betrieb zwischen Praterstern und Karlsplatz eingestellt. Ab 31. Mai tritt dann die langfristige Teilsperre zwischen Schottentor und Karlsplatz in Kraft.

Während der Teilsperre wird es ein Ersatzangebot geben: Die Linie "U2Z". Es handelt sich dabei um eine zusätzliche Straßenbahn am Ring. Um den Kapazitätsverlust während der langen Auszeit auszugleichen, wird aber auch die U1 zu den Hauptverkehrszeiten verstärkt. Zusätzlich stehen den Fahrgästen die Linien U3 und U4 zur Verfügung. Als direkter Ersatz auf der Ringstraße dienen die Straßenbahnlinien D, 1, 2 und 71. Damit komme laut Wiener Linien zu den Spitzenzeiten am Ring jede Minute die nächste Bim. Insgesamt stehen den Fahrgästen auf den Ersatz- und Zusatzlinien pro Tag rund 1,7 MillionenPlätze zur Verfügung, hieß es am Dienstag.

Eigene Bahnsteigtüren

Der Umbau der U2-Teiltrasse wäre bei laufendem Betrieb nicht möglich gewesen, versichern die Wiener Linien. Errichtet werden in den Stationen Rathaus, Volkstheater, Museumsquartier und Karlsplatz insgesamt 144 Bahnsteigtüren und rund 16.000 Quadratmeter Glasflächen. Die Türen öffnen sich nur, wenn ein Zug in der Station steht. Auswirkungen auf den Betrieb etwa durch Gegenstände, die auf die Gleise fallen, wird es dann nicht mehr geben, heißt es. Auch neue Aufzüge und Rolltreppen werden in dem Bereich eingebaut.

Die U2 wird nach Ende der Sperre noch einmal auf ihre "alte" Teilstrecke zurückkehren - also die völlig neu gestalteten, eigentlich für die U5 modernisierten Stationen nutzen. Ab 2026 kommt es überhaupt zu einem jedenfalls für Wien seltenen Ereignis: Zu einem Parallelbetrieb der U-Bahn. Denn auch die türkise Linie U5 wird dann neben der U2 diesen Abschnitt befahren. Vergleichbares gab es Anfang der 1980er-Jahre für eine kurze Zeit, als die U2 vorübergehend die U4-Strecke befuhr.

Der Mischverkehr wird laut derzeitigem Stand 2028 enden. Die U2 wird dann beim Rathaus abzweigen und den Matzleinsdorfer Platz ansteuern - über die neuen Haltestellen Neubaugasse, Pilgramgasse und Reinprechtsdorfer Straße.

Fahrerlose Züge

Auf der künftigen Linie U5 werden die sogenannten X-Wagen fahren. Die neuen Züge können 928 statt bisher 882 Fahrgäste aufnehmen. Das liegt auch daran, dass die Stehplätze mehr und die Sitzplätze weniger werden. Sie absolvieren in Wien bereits die ersten Testfahrten. Rein äußerlich ist der Unterschied zum V-Wagen relativ gering. Das Design der von Siemens Mobility produzierten Züge ähnelt der aktuell modernsten Wiener U-Bahn-Generation. Und obwohl die Züge einmal vollautomatisch fahren sollen, verfügen die Garnituren auch über ein Cockpit. Ab 2022 ist ein Probebetrieb im Normaleinsatz auf den Linien U1 bis U4 geplant (die U6 verfügt über ein anderes technisches System und eigene Züge, Anm.). Ab 2026, wenn dann die U5 vom Karlsplatz zum Frankhplatz das Liniennetz ergänzt, wird der X-Wagen dort dann ohne Fahrer unterwegs sein. Die Stationen werden dazu mit Barrieren aus Glas und Bahnsteigtüren ausgestattet. Der zweite X-Wagen soll bis Ende 2021 geliefert werden, 2022 werden im Werk in Simmering fünf weitere gefertigt. Insgesamt wurden 34 Stück bei Siemens bestellt, die bis 2030 auf die Schienen gebracht werde sollen. Für weitere elf Fahrzeuge wurde eine Optionsvereinbarung unterzeichnet.

Im Übrigen hat die erste Garnitur der X-Wagen mittlerweile mittels Onlinevoting einen "richtigen" Namen bekommen: Diese wird "FeliX" heißen. Rund 44.000 Menschen haben sich laut Wiener Linien an der Abstimmung beteiligt. 40 Prozent von ihnen stimmten für den Siegernamen. Auf den hinteren Plätzen landeten die Namen MaXi, Xandi und Xenia.