Im Bankvereinsgebäude in der Schottengasse eröffnet heute, Mittwoch, ein neuer Interspar-"Hypermarkt" mit eigenem Restaurant. Der Bankbetrieb in der einstigen Zentrale von Creditanstalt (CA) beziehungsweise Bank Austria (BA) wurde 2016 geschlossen, nun kehrt das Leben in den historischen Kassensaal zurück. Trotz des Ambientes soll die Niederlassung nicht nur eine betuchte Klientel anziehen, hieß es am Dienstag.

Die Preise werden sich nicht von anderen Märkten unterscheiden, versprach Spar-Vorstand Markus Kaser in einer Pressekonferenz im Beisein von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). "Wir wollen, dass dieser Standort kein Luxusstandort ist." Auf 1.800 Quadratmetern soll der Schwerpunkt auf frischen und regionalen Lebensmitteln liegen. Für sperrigere Produkte wie Pfannen oder Geschirr ist hingegen wenig Platz.

Mehr als 10 Millionen Euro wurden in den Ausbau des insgesamt 76. Interspar-Standorts in Österreich investiert. Die Renovierung habe in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt stattgefunden, betonte Kaser. Nachträgliche Einbauten seien dabei entfernt und Beschädigungen restauriert worden.

Historischer Boden
nicht mehr zu sehen

Nur der historische Boden ist zumindest nicht mehr zu sehen. Um die notwendigen Installationen eines Supermarktes verlegen zu können, wurde nämlich ein zweiter, allerdings identisch aussehender Boden darüber verlegt.

Am neuen Standort werden laut Spar insgesamt 160 Personen beschäftigt sein. Wie viel Miete man dem Eigentümer - einem Immo-Entwickler - zahlt, wird hingegen nicht verraten. Es sei darüber Stillschweigen vereinbart worden, wurde betont. Spar-Chef Kaser ließ jedoch durchklingen, dass die Pacht durchaus höher ist als üblich. Es habe um den Standort immerhin auch ein "Griss" gegeben: "Wir haben wirklich nichts Vergleichbares in ganz Europa gefunden." Tatsächlich gab es kurzfristig auch eine gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Mitbewerber, der hier ebenfalls Interesse gezeigt hatte.

Die Geschichte des Palais reicht bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Das Haus in der Schottengasse 6-8 wurde in den Jahren 1909 bis 1912 auf Initiative von Anselm von Rothschild vom Wiener Bankverein errichtet. Um Platz für das prächtige Vereinsheim zu schaffen, wurden 1909 bestehende Häuser demoliert. Was stattdessen entstand, wird von Architekturhistorikern als secessionistisch-neoklassizistischer Baublock klassifiziert.

Die Immobilie in der Schottengasse verfügt über drei Kellerebenen und sechs darüberliegende Stockwerke. Infolge diverser Zusammenschlüsse und Übernahmen zog später die Creditanstalt dort ein. Zuletzt war die Bank Austria in den repräsentativen Räumen des "Hauses am Schottenring" beheimatet. Inzwischen ist die heimische UniCredit-Tochter auf ihren Campus in der Leopoldstadt übersiedelt.