Für Impfneider brechen in Wien allmählich harte Zeiten an. Alle in Niederösterreich lebenden Menschen über 16 Jahre können bereits einen konkreten Termin für eine Corona-Impfung buchen. Zudem hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vergangene Woche verkündet, dass die Priorisierung beim Impfen aufgehoben werde. Wien allerdings hält am bisherigen System fest und will das auch bis auf weiteres tun. Das bedeutet für Otto-Normalverbraucher unter 57 Jahren: "Bitte warten".

"Mehrdimensionaler Plan"

"Wir haben eine mehrdimensionale Vorgangsweise", heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker auf Nachfrage. "Wir impfen sowohl nach Alter als auch nach Betriebszugehörigkeit und nach Risiko. Das sehen wir nach wie vor als richtige Vorgehensweise." Unter Risiko versteht man in Wien allerdings nicht nur die Gefährdung aufgrund einer bestehenden Vorerkrankung, sondern auch das sogenannte "Umweltrisiko". "Eine 30-Jährige, die Tag für Tag im Supermarkt steht, ist sicher stärker gefährdet als eine 50-Jährige im Homeoffice", heißt es aus dem Gesundheitsbüro. So sind derzeit laut Wiener Corona-Impfplan Menschen über 57 Jahren dran, dazu auch Jüngere in Risikogruppen aus gesundheitlichen Gründen, wie etwa Übergewicht, und aus beruflichen Gründen, etwa wegen des vermehrten Kundenkontakts, wie etwa Friseure oder Kellner. Über das betriebliche Impfen wiederum erreiche man mehr Leute, da über Chefs und Koordinatoren und die kollektive Anmeldung mehr Menschen zum Impfen motiviert werden.

Gibt man die Anmeldung sofort für alle frei, würde man nur jene erreichen, die sich ohnehin impfen lassen wollen. Gewisse Zielgruppen bräuchten ein individuelles Impfangebot, damit sie sich auch impfen lassen. Das betreffe etwa Menschen mit weniger Bildung, hieß es am Dienstag. Gleichzeitig gibt es nach wie vor nicht ausreichend Impfstoff für alle. Daher ist man in Wien auch nicht besonders zuversichtlich, wenn es um Pläne geht, bis Ende Juni, alle geimpft zu haben, die das auch wollen. "Wir streben eine 80-prozentige Durchimpfung an. Wann es so weit sein wird, hängt von den Impfstofflieferungen ab", sagt ein Sprecher von Stadtrat Hacker. Das sei in den anderen Bundesländern aber auch nicht anders. Schließlich erhalten alle die Impfstoffdosen nach dem Bevölkerungsschlüssel zugewiesen.

"Kein Wettbewerb"

Bei der Stadt Wien erwartet man, dass die angestrebte Durchimpfungsrate bis zum August erreicht werde. Derzeit ist es allerdings so, dass Wien hier Schlusslicht ist. "Wir sehen das nicht als Wettbewerb", so der Hacker-Sprecher. Die Rangliste sei auch im Kontext zu sehen. Immerhin wurden in Wien viele Menschen aus den Bundesländern geimpft - zumal aus Niederösterreich und dem Burgenland -, die etwa in der Hauptstadt arbeiten.

Aktuellen Zahlen zufolge haben 652.164 Menschen in Wien bereits mindestens eine Teilimpfung erhalten. 265.857 sind bereits vollimmunisiert.