Am Hannovermarkt herrscht hektisches Gewusel. Vor allem Freitagnachmittag und Samstagfrüh gleicht der Handelsplatz in der Brigittenau einem aufgeregten Ameisenhaufen. Doch es ist nicht primär der Markt an sich, der derzeit für Tumult sorgt, sondern der Verkehr rund herum. Eine Studie der TU Wien spricht von einem "Verkehrschaos in den anliegenden Straßenzügen". Halten und Parken in zweiter Spur sei ebenso an der Tagesordnung wie Behinderungen durch Falschparker. Während auf der einen Seite radikal neue Verkehrskonzepte gefordert werden, hofft man auf der anderen auf ein möglichst behutsames Vorgehen. Die Bezirksleitung hat nach der Durchführung einer Bürgerbefragung bereits Veränderungen auf den Weg gebracht.

Der Hannovermarkt erinnert an eine Mischung aus Basar und Bauernmarkt. Das Angebot reicht von serbischen Spezialitäten über ukrainische Trachten bis hin zu koscherem Fisch und heimischem Leberkäse. Erst vor einem Jahr erstrahlte der Markt in neuem Glanz, nachdem er bei aufrechtem Betrieb saniert und technisch auf den neusten Stand gebracht wurde. Die Marktstände erhielten einen neuen Anti-Graffiti-Anstrich, neue Sitzbänke sowie ein neuer Trinkbrunnen wurden aufgestellt. Eine Million Euro gab es dafür aus der Bezirkskasse.

Doch seit Jahren beklagen die Grünen in der Brigittenau sowie diverse Bürgerinitiativen, den Verkehr, der mit dem Marktbetrieb einhergeht. Unter den Forderungen finden sich Tempo 30, Einbahnöffnungen für den Radverkehr sowie eine Begegnungszone rund um den Markt.

Weniger Parkplätze?

Bezirksvorsteher Hannes Derfler (Mitte), seine Stellvertreterin ChristineDubravac-Widholm sowie der für Stadtplanung zuständige Gemeinderat Erich Valentin am Hannovermarkt. - © Stadt Wien
Bezirksvorsteher Hannes Derfler (Mitte), seine Stellvertreterin ChristineDubravac-Widholm sowie der für Stadtplanung zuständige Gemeinderat Erich Valentin am Hannovermarkt. - © Stadt Wien

Die TU Wien wiederum regt in einer aktuellen Studie im Auftrag der Grünen Bildungswerkstatt Wien unter anderem Eingriffe in die Parkplätze um den Markt an. Einerseits sollen diese reduziert werden, beziehungsweise nach Möglichkeit überhaupt "entfallen". Andererseits sollen die bestehenden Parkplätze zur Kurzparkzone für alle werden - also auch für jene, die über ein Parkpickerl für den 20. verfügen. Denn - so die Überlegung - der Mangel an freien Parkplätzen und die damit verbundene Suche nach denselbigen sei mit Ursache für die Verkehrsprobleme. Für den Mangel an freien Parkplätzen wiederum seien die Anrainer sowie die Standler schuld, die diese mehrheitlich in Beschlag nehmen.

Wenig erfreut über Vorschläge dieser Art sind naturgemäß die Betroffenen. Anrainer befürchten, durch diese Maßnahmen würde ihr an sich schon hartes Los bei der Parkplatzsuche zusätzlich erschwert. Die Händler wiederum sehen durch die parkplatzreduzierenden Vorschläge ihre Existenz gefährdet und sammeln Unterschriften dagegen.

Bei der in der Brigittenau regierenden SPÖ und Bezirksvorsteher, Hannes Derfler, versucht man sich in einem Kompromiss. Tempo 30, heißt es etwa, sei zu schnell. Eine Wohnstraße hingegen wäre genau das Richtige: Es darf nicht durchgefahren werden, sondern nur zum Parken zugefahren. Zudem ist dabei Schritttempo zu halten. Der Bezirk hat dazu eine Bürgerbefragung unter 1300 Betroffenen durchgeführt. Das Ergebnis: Fast 72 Prozent waren dafür, heißt es aus dem Amtshaus. Und so wurde eine entsprechende Regelung für die an den Markt grenzende Othmargasse auf den Weg gebracht. Auch in Sachen Parkplätze ist der Bezirk aktiv und hat 130 Anrainerparkplätze geschaffen. Die Standler sucht man in der Bezirksvorstehung zu beruhigen. Es gebe ausreichend Lade- und Lieferzonen. Die Zeiten, in denen uneingeschränktes Parken möglich waren, seien für sie allerdings vorbei.

"Beginnend mit der Sanierung des Hannovermarktes hat der Bezirk ein Gesamtkonzept entwickelt, das man zum Teil schon sehen kann und das in Kürze in seiner vollen Funktionalität zur Verfügung stehen wird", ist Bezirksvorsteher Derfler optimistisch.