"Was hätte man denn während des Lockdowns sonst zwischen den beiden ZiBs machen sollen, außer sich eine gute Flasche Wein aufzumachen", scherzte der Wiener Winzer Michael Edlmoser (Weingut Edlmoser in Mauer) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zusammen mit den Wien-Wein-Mitgliedern Thomas Huber (Weingut Fuhrgassl-Huber in Neustift), Thomas Podsednik (Weingut Cobenzl), Rainer Christ (Weingut Christ) und Gerhard J. Lobner (Weingut Mayer am Pfarrplatz).

Privater Einkauf gesteigert

Die sechs Winzer zogen Bilanz über die Zeit der Lockdowns - das Ergebnis: Jammern klingt anders. Zwar verzeichnete die Wien-Wein-Gruppe von März 2020 bis März 2021 ein Umsatz-Minus von 25 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Dafür durften sie sich aber über eine Steigerung der privaten Weineinkäufe von 30 Prozent freuen. Gemessen an den Problemen des Pandemie-Jahres ist das eine vergleichsweise gute Nachricht, die die Winzer vor allem ihren entschlossenen Gegenreaktionen zu verdanken hat, wie sie selbst erklärten.

So haben die Betriebe während des Lockdowns schnell ihre digitalen Kanäle aufgerüstet und Webshops eingerichtet, bestehende Online-Portale besser miteinander verknüpft und den digitalen Auftritt in den sozialen Medien deutlich intensiviert. Aber nicht nur die Endverbraucher seien ins Internet gewandert, sondern auch die Kontakte zu Händlern, Sommeliers und Gastronomen. Verkostungen quer durch das Sortiment und Jahrgangspräsentationen seien via Videokonferenzen über die Bühne gegangen. "Die Weine wurden zugeschickt und dann wurde gemeinsam vor den Bildschirmen verkostet - ich möchte mir gar nicht ausrechnen, was wir früher an CO2 rausgeblasen haben allein nur mit den Flügen in andere Länder - abgesehen vom Reisestress", meinte Rainer Christ. Wo es geht, werde man das in Zukunft so weiterführen, wurde versichert. "In der Früh bin ich im Weingarten, am Vormittag in einem Online-Tasting mit Moskauer Sommeliers, am Nachmittag arbeite ich im Weinkeller und am Abend diskutiere ich in einem Online-Meeting mit meinem New Yorker Händler. Klingt utopisch, ist aber Realität", bestätigte Wieninger. Er konnte endlich da sein, wo man als Winzer hingehört: "In den Weingärten und Buschenschenken - und nicht im Flieger von Osaka nach Tokyo", sagte Thomas Huber.

Kompensiert wurden die Umsatzeinbußen weiters durch Take-away-Konzepte, erhöhte Präsenz im Lebensmittelhandel sowie Zuwächse in Deutschland und den USA. "Aber hauptsächlich durch die Liebeserklärung der Wiener Bevölkerung an unsere Weine. Für diese Treue sind wir unendlich dankbar", betonte Edlmoser.

Jahrhundertjahrgänge

Jetzt bereiten sich die Winzer auf einen ordentlich in Schwung kommenden Weintourismus vor. Und das sollte mit den Jahrgängen 2019 und 2020 nicht schwer werden, denn laut Weinexperten und Sommeliers handle es sich um Jahrhundertjahrgänge. Denn viele Weine konnten länger reifen, weil gerade im April und Mai 2020, als dieser Jahrgang üblicherweise auf den Markt gekommen wäre, europaweit die strengsten Lockdown-Bestimmungen herrschten.