Immer mehr Ratten werden in Wien gesichtet. Darauf wies die Innung der Schädlingsbekämpfung am Freitag hin. Unter anderem war diese Woche ein Video viral gegangen, auf dem zu sehen ist, wie beim Leeren eines Mistkübels in einem Wagen der Müllabfuhr zahlreiche Ratten aus dem Kübel springen und flüchten.

Unter anderem die Nachrichtenseite "Heute" teilte das Video auf Facebook:

"Vor allem während Corona wurde das Bewusstsein für Hygiene und Sauberkeit in der Bevölkerung gestärkt und auch, wie Infektionsketten funktionieren, ist nun vielen Menschen klar", sagte Peter Fiedler, Berufszweigvorsitzender der Schädlingsbekämpfer in der Wirtschaftskammer Wien. Auch in Mietshäusern können Eigentümer versäumen, sich rechtzeitig um die Schädlingsbekämpfung zu kümmern.

Hausbesitzer zur Bekämpfung verpflichtet

Hausbesitzer sind laut Rattenverordnung zur professionellen Schädlingsbekämpfung verpflichtet. "Manche Eigentümer kümmern sich leider nicht ausreichend oder unregelmäßig um die Schädlingsbekämpfung, so kann es zu länger unbemerktem Rattenbefall und Folgeproblemen kommen", bekräftigte Fiedler.

Richtige Müllentsorgung vor allem bei Lebensmitteln und Tierfutter kann helfen, Schädlinge im öffentlichen Raum zu vermeiden. Essensreste sollen auf keinen Fall über Toiletten oder Abwasser entsorgt werden.

Träger multiresistenter Keime

Viele in Wien lebende Ratten sind Träger gefährlicher multiresistenter Keime. Sechs von zehn in der Wiener Innenstadt zwischen 2016 und 2017 gefangenen Ratten trugen multiresistente Staphylokokken in sich, jedes siebente Tier multiresistente Enterobakterien, berichten Wissenschafter im Fachjournal "Eurosurveillance". Die Forscher bezeichnen diese Häufigkeit als "besorgniserregend".

Für die Untersuchung der Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) gemeinsam mit deutschen Kollegen wurden zwischen September 2016 und Juni 2017 am Karlsplatz und am Donaukanal 76 Ratten (Rattus norvegicus) lebend gefangen. Von 62 Tieren konnten Daten in die Studie aufgenommen werden.

14,5 Prozent davon waren Träger multiresistenter Enterobakterien, deren wichtigster Vertreter als Kolibakterien bekannt sind, teilte die Uni am Freitag mit. Diese Häufigkeit sei vergleichbar zum in früheren Studien festgestellten Auftreten in anderen Großstädten, etwa Berlin mit 13,6 Prozent oder Hongkong mit 13,9 Prozent. Zudem trugen 59,7 Prozent der Ratten gefährliche, multiresistente Staphylokokken in sich.

"Häufigkeit Besorgniserregend"

"Obwohl die genaue Wechselwirkung zwischen mit multiresistenten Keimen belasteten Ratten und dem Risiko für die menschliche Gesundheit derzeit noch nicht geklärt ist, ist die von uns beobachtete Häufigkeit multiresistenter Keime besorgniserregend", betonen die Studienautoren um Amelie Desvars-Larrive vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni. Sie verweisen etwa darauf, dass für die Studie Ratten in einem Grünbereich gefangen wurden, der im Sommer von Obdachlosen als Schlafstelle genutzt wurde. Das erhöhe das Risiko einer Übertragung resistenter Bakterien.

Die Forscher betonen, dass eine Übertragung auch in einer Vielzahl weiterer Szenarien denkbar sei. Für sie hat deshalb "die Bekämpfung von Ratten, aber auch anderer Nagetiere wie Mäuse, in Städten eine wichtige Priorität für die öffentliche Gesundheit". Sie verweisen darauf, dass Ratten als die produktivste und am weitesten verbreitete städtische Schädlingsart gelten, sich von menschlichen Abfällen ernähren und das Abwassersystem besiedeln. Dadurch könnten sie häufig mit menschlichen Fäkalien interagieren und multiresistente Bakterien aufnehmen und verbreiten. (apa)