Die Stadt Wien hat eine Initiative gestartet, um den bewussten Umgang mit Lebensmitteln und tierischen Produkten zu fördern. Unter dem Motto "Wien isst G.U.T." – Gesund, Umwelt-, Klima- und Tierfreundlich – steht das Leben und der Verzehr von Tieren im Vordergrund. "Unsere Überzeugung ist, dass alle einen Beitrag zu einem nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln leisten können", betonte Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Kolariks Luftburg im Prater.

Zur Initiative gehört u.a. die "Genuss Box": Um die Menge an weggeworfenem Essen zu verringern, sollen Wirte Gäste ermutigen, nicht aufgegessene Mahlzeiten mit nach Hause zu nehmen. Im EU-Schnitt würden nämlich jedes Jahr pro Person durchschnittlich 179 Kilogramm an Lebensmitteln weggeworfen.

Mit 42 Prozent seien private Haushalte zum Großteil dafür verantwortlich, Hersteller mit 39 Prozent, die Gastronomie mit 14 und die Einzelhändler mit 5 Prozent. "Wenn es darum geht Klimaschutz zu beachten, geht es auch darum, was jeder Einzelne tun kann", sagte Czernohorszky. Die Boxen sollen um 33 Cent das Stück an die Gastronomie verkauft werden. Davor bekommen rund 1.000 Betriebe ein Gratisprobepaket mit jeweils vier Boxen zum Testen zur Verfügung gestellt.

Die Behälter bestehen zu 100 Prozent aus Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC), sind laut Czeronohorszky lebensmittelecht und flüssigkeitsdicht.  Die Box sei außerdem für das Erwärmen in Backofen und Mikrowelle, sowie die Lagerung im Kühlschrank geeignet und könne im Altpapier gesammelt und einfach wiederverwertet werden.

Lange Kriterienliste

Im Übrigen gibt es vonseiten der Stadt auch "Natürlich gut essen"-Plaketten, mit denen nachhaltige Gastro-Betriebe ausgezeichnet werden. Je nach Umsetzung der umfangreichen Bio-Kriterien gibt es diese in Bronze, Silber und Gold – wobei hier die Luftburg als einer der ersten "goldenen Vorreiter" gelte. Elisabeth Kolarik hat dafür in der Luftburg alles auf Bio umgestellt - wobei die Kriterienliste für die Gold-Plakette eine sehr lange ist und fast 50 zu erfüllende Punkte umfasst. Darunter gibt es u.a. ein Getränkedosenverbot, bei Senf, Ketchup oder Marmeladen dürfen keine Portionsverpackungen verwendet werden, mindestens zwei der angebotenen Hauptspeisen müssen aus biologischer Herkunft sein und regional, saisonal und fair gehandelt sein. Mindestens die Hälfte der angebotenen Speisen muss vegetarisch oder vegan sein, Fisch darf nur aus heimischer Produktion oder nachhaltiger Fischerei angeboten werden. Es müssen konkrete Maßnahmen zur Lebensmittelabfallvermeidung gesetzt werden, es müssen auch genügend Fahrradabstellplätze zur Verfügung stehen und so weiter.

Auch das Tierwohl wird berücksichtigt

Ein weiteres Projekt der Initiative ist das Projekt "SchoolFood4Change" – es steht für die gesunde und nachhaltige Essensversorgung in Schulen und Kindergärten, wobei hier auch seit 2019 das Thema "Tierwohl" bei der Lebensmittelproduktion berücksichtigt wird, wie die Chefin der Wiener Umweltabteilung Karin Büchl-Krammerstätter erklärte. So dürfen etwa nur noch Eier und Eiprodukte von Hühnern aus Freilandhaltung verwendet werden.
(rös)