Es ist Mitternacht, die Taxi-App geht nicht, weil der Handyakku leer ist - genauso wie die Fahrspuren Am Heumarkt. Dasselbe Bild beim nächsten Taxistandplatz. Wo sind die Taxis - wo sind sie geblieben?

"Naja, während der Lockdowns gab es in der Branche einen Umsatzrückgang von bis zu 40 Prozent, allein schon wegen der fehlenden Touristen in der Stadt - und dieser Anteil dürfte auch den momentan auf der Straße fehlenden Fahrzeugen entsprechen", meinte Davor Sertic, Sparte Transport und Verkehr. Wirtschaftskammer Wien, in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Und das zeige sich am deutlichsten in den Abend- und Nachtstunden, weil die Nachtgastronomie noch immer nicht geöffnet wurde. "Kein Taxifahrer wird irgendwo herumstehen, wenn er weiß, dass es in der Nacht keine Aufträge gibt", so der Spartenobmann. Die Ballungszeiten seien derzeit zwischen 7 und 12 Uhr und von 15 Uhr bis 22 Uhr. "In diesen Zeiträumen ist das meiste Geschäft zu machen und da wird dann auch gefahren."

Dazu komme noch, dass während der Coronakrise viele Taxiunternehmen eingegangen sind - wie viele das sind, kann Sertic aber nicht sagen, da es in der Branche generell viel Fluktuation gibt beziehungsweise gebe es auch noch keine aktualisierten Zahlen.

Andere Jobs gefunden

Abgesehen davon haben sich laut Sertic viele Taxifahrer andere Jobs gesucht. "In der Transportbranche werden immer Leute gesucht - als Fahrer für Krankentransporte oder Kleintransporteure, denn dafür braucht man - vielleicht abgesehen von ein paar Kursen - keine spezielle Ausbildung", so Sertic. In der Logistikbranche gebe es immer genügend Jobs.

Mit ein Grund für den Taxischwund könnte aber auch sein, dass nun alle Fahrer einen Taxischein benötigen, nachdem zu Jahresbeginn Taxi- und Mietwagengewerbe zusammengelegt wurden und tausende Mietwagenfahrer damit ihren Job verloren haben.

Bei der Zusammenlegung des Taxi- und Mietwagengewerbes wurden großteils die Regelungen des Taxigewerbes übernommen, aber etwas mehr preisliche Flexibilität geschaffen. Online-Dienste wie Uber, Bolt, Free Now und Holmi vermitteln nun Taxis und keine Mietwagenfahrten mehr. Für den Taxischein muss man eine Prüfung ablegen und der Fahrer oder die Fahrerin muss Deutschkenntnisse nachweisen. Der Großteil der vormaligen Mietwagenfahrer hat keinen Taxischein und die Durchfallquote bei der Taxiprüfung ist laut Branchenvertretern sehr hoch.