Charlton Heston verflucht die Menschheit. "Ihre Wahnsinnigen, ihr habt die Erde in die Luft gesprengt", schreit er. Heston kniet in der Gischt, Meerwasser umspült ihn. Verzweifelt schlägt er mit der Faust in den Sand - vor ihm die Trümmer der Freiheitsstatue. Wir schreiben das Jahr 2673.

Die Schlussszene aus "Planet der Affen" ist legendär. Sie wurde zahllos zitiert. Der Film thematisiert die Zerstörung der Erde durch den Menschen (und die Machtergreifung der Affen). Passt doch zur Lage der Welt, mit ihren Pandemien, Hitzewellen, Tornados und Donald Trumps. Wie 1968 - dem Erscheinungsjahr des Films - prophezeit, jagen wir die Erde tatsächlich in die Luft, um 650 Jahre früher als gedacht. Doch bevor es so weit ist, können wir uns im Bruno-Kreisky-Park im 5. Bezirk ein bisschen Inspiration zur Apokalypse holen. Denn dort wird der Film im September gezeigt.

Das höchste Freiluftkino der Stadt befindet sich auf dem Dach der Hauptbibliothek. - © GoGoGorilla
Das höchste Freiluftkino der Stadt befindet sich auf dem Dach der Hauptbibliothek. - © GoGoGorilla

Er ist Teil der Margartner Filmnächte, die unter dem Titel "Science Fiction im Park" jährlich und kostenlos ausgewählte Science-Fiction-Perlen zeigen. Die sind wiederum Teil des Wiener Kinosommers. Und der ist ein Traum. Im Sommer wird Wien zur Filmmetropole. Unaufgeregt und ruhig, ohne roten Teppich und Tamtam. In Parks und auf Plätzen werden die Leinwände heruntergelassen. Cineasten, Passanten, ganze Familien hocken auf Stühlen, Decken, mitgebrachten Klappsesseln, trinken Spritzer aus dem Pappbecher und schauen sich Filme an. Die Auswahl ist umfassend - vom stummen Monumentalfilm aus Österreich (etwa "Die Sklavenkönigin" aus dem Jahr 1924) zur aktuellen Premiere (etwa "Sargnagel - der Film"). Ein Überblick der Freiluftkinos der Stadt.

In Margareten kommen Fans von Science Fiction auf ihre Kosten - und das kostenlos. - © GoGoGorilla
In Margareten kommen Fans von Science Fiction auf ihre Kosten - und das kostenlos. - © GoGoGorilla

Die Wiener kennen ihr "Volxkino". Seit bereits 32 Jahren tingelt das mobile Lichtspieltheater durch die Stadt. Am Donnerstag startete es mit dem schwedischen Film "Träum weiter" am Jodok-Fink-Platz im 8. Bezirk. Bis tief in den September zeigt das "Volxkino" um die 40 Spielfilme und Dokumentationen - kostenlos und an verschiedenen Plätzen. Das Credo des ältesten Freiluftkinos der Stadt ist ehrenhaft. "Wir wollen Kultur auch an Orte bringen, die sonst eher wenig kulturelles Programm bieten", sagt Philipp Wanderer, Geschäftsführer des "Volxkinos".

Auch der Columbusplatz im 10. Bezirk gilt nicht gerade als kulturelles Zentrum. Doch vom 26. bis 28. August gastiert hier das "Stumm und Laut". Das Stummfilmfestival ist seit 22 Jahren Bestandteil des Wiener Kinosommers. Es kombiniert historische Stummfilme mit moderner, eigens für den jeweiligen Film arrangierten Livemusik. Der Eintritt ist frei.

Genauso wie bei den "Margaretner Filmnächten - Science-Fiction im Park", dem ersten und bis heute einzigen Science-Fiction Open Air Wiens. Im Bruno-Kreisky-Park zwischen Wienzeile und Schönbrunner Straße werden Science-Fiction-Fans vom 6. bis 11. September für die Zeit der geschlossenen Kinos entschädigt. Sie können etwa dem depressiven und suizidalen Roboter Marvin aus der sechsteiligen BBC-Serie "Per Anhalter durch die Galaxis" (nach der gleichnamigen Romanreihe von Douglas Adams) beim Scheitern zusehen. Auch im Museumsquartier werden im Zuge des "frame(o)ut" Kinos über den ganzen Sommer kostenlos Filme gezeigt. In der Arena Wien im 3. Bezirk findet vom 2. bis 16. Juli - ebenfalls bei freiem Eintritt - das "Kaleidoskop" statt. An 15 Sommerabende werden 15 Filme von 15 Filmschaffenden gezeigt. "Die Filme erzählen von Sehnsuchtsorten und Nichtorten und machen vielgestaltige Lebenskonzepte erfahrbar", heißt es auf der Website des Festivals.

Besondere Ambiente

Auch das "Kino wie noch nie" vom Filmarchiv Austria und der Viennale am Augartenspitz im 2. Bezirk gibt es heuer wieder. Das Programm ist eine Hommage an die US-Schauspielerin Frances McDormand und an den polnischen Regisseur Krzysztof Kieslowski. Die Veranstalter verlangen Eintritt. Doch es lohnt sich. Das Ambiente ist fantastisch. Das gilt auch für das "Kino am Dach", dem immerhin höchsten Freiluftkino Wiens. Am Donnerstag startet die Saison auf der Hauptbibliothek. Gezeigt werden Festival-, Publikumserfolge, Klassiker - heuer in Kooperation mit dem Slash Filmfestival und dem Kurzfilmfestival Tricky Women. Kurzfilme werden auch beim "dotdotdot Open Air Kurzfilmfestival" vom 25. Juni bis 24. August im Volkskundemuseum Wien im 1. Bezirk gezeigt.(wint)