Vor 159 Jahren wurde eine der bedeutendsten Gartenanlagen des Landes, der Wiener Stadtpark, eröffnet. Es war das erste Erholungsgebiet dieser Dimension, das von einer Kommune errichtet wurde. Ursprünglich betrug das Gebiet des sogenannten Wasserglacis vor den geschleiften Stadtmauern 94.000 Quadratmeter. Heute ist der Park nun schon seit fast eineinhalb Jahrhunderten unverändert rund 65.000 Quadratmeter groß.

Die Errichtung eines "zur Zierde gereichenden Gartens" war die kaiserliche Bedingung für die Widmung, verbunden mit der Auflage, ihn "zu keiner Zeit" anders als für die Erholung des Publikums zu verwenden. Eine offizielle Eröffnung dürfte es im Sommer 1862 nicht gegeben haben. Der Gartenkunstexperte Christian Hlavac hat lange recherchiert und schreibt in seinem eben im renommierten Wiener Amalthea-Verlag erschienen Buch "Wiener Parkgeschichten" von einer Urban Legend. Denn in keiner der zeitgenössischen Zeitungen fand er auch nur eine Notiz über eine offizielle Inbetriebnahme. Die Wiener eroberten sich ihren Park offenbar ganz einfach ohne jede Zeremonie.

Das Gelände hatten sie schon vorher gerne genutzt. Wo seit 1867 der Kursalon steht, befand sich lange davor eine Mineralwassertrinkanstalt. Die Meierei wurde 1903 als Milchtrinkhalle errichtet. Seit ein paar Jahren sitzt im Gebäude das Nobelrestaurant Steirereck mit eigener Zufahrtserlaubnis und Ampel für die feinen Gäste durch den öffentlichen Park. Aber immerhin kann heute auch der kleine Mann oder die kleine Frau auf der Terrasse der vom Betreiber renovierten Meierei wieder ein günstiges Glas Milch ordern.

Den Park prägen bis heute Natur- und Architekturjuwele sowie Denkmäler wie das güldene vom Strauss-Schani. Friedrich Ohmann hat sein Wienfluss-Portal und die 1907 fertiggestellte Verbauung des Gewässers genial an Otto Wagners wunderbare Stadtbahnbauten angepasst. Die zwei wunderschönen Kuppeln haben ihre eigene Geschichte. Die der U-Bahn-Station zugewandte hieß in Stadtbahnzeiten lange bei den Wienern "Hurenkuppel". Denn wer etwa vom Freistilringen am Heumarkt zur Stadtbahn ging, konnte sich mit einer kleinen diskreten Abzweigung von einschlägigen Damen gleich vor Ort quick bedienen lassen.

Mit der Errichtung der U4 wollte man dann den vielen Besuchern der Schulen in der Umgebung jegliche sittliche und vor allem hygienische Beeinträchtigung auf dem Schulweg ersparen und schritt diesbezüglich ein. Auch zwei Geheimeingänge hinunter zum Flussbecken sind inzwischen verschlossen. Über diesen Weg konnten sich Eingeweihte in weniger umweltbewussten Zeiten so manchen aus Hütteldorf herunterschwimmenden Fußball oder andere versenkte Schätze wie etwa Fahrräder sichern.

Auch zeitgenössische Kunst prägt die Gartenanlage im Herzen Wiens. Der "Stadtparksteg" von Architekt Hermann Czech und Wiens "Konstruktionspapst" Alfred Pfauser gilt als Gestaltungsjuwel. Hier stand lange eine provisorische Holzbrücke. Über Jahre musste die Feuerwehr Kleinkinder befreien, die ihre Köpfe unverrückbar durch die Streben gesteckt hatten. Dann gab es 1983 eine Totallösung. Heute ist die Czech/Pauser-Brücke mit der beeindruckenden Spannkonstruktion aus Metall von vielen Vorhängeschlössern gekennzeichnet, die Verliebte nach amourösen Pariser Vorbildern hinterlassen haben.