Elisabeth freut sich auf einen Sprung in die Alte Donau. Um keine Zeit zu verlieren, hat sie die Badetasche ins Büro mitgenommen. Nach der Arbeit will sie sich mit Freunden im Arbeiterinnenstrandbad treffen. Die Sonne brennt auch am Abend erbarmungslos vom Himmel. Wien glüht, heiße Luft steht in den Straßenschluchten. Elisabeth schwitzt in der U-Bahn-Linie 1. Bei der Station Alte Donau will sie aussteigen. Doch die Garnitur hält nicht an. "Der Bahnsteig ist aufgrund von Sanierungsarbeiten gesperrt, der Zug fährt durch", sagt die Stimme aus dem Lautsprecher.

12.000 Fahrgäste am Tag

Hochsommer und Ferien haben begonnen. Eine Hitzewelle jagt die andere. Die Menschen zieht es in die Frei- und Strandbäder. Nach einem pandemischen Frühling wollen sie endlich raus. Ausgerechnet jetzt kappen die Wiener Linien den wichtigsten Zugang zu den größten Badeplätzen der Stadt. Am Ufer der Alten Donau zwischen Kagraner und Floridsdorfer Brücke reiht sich ein Bad an das nächste. Ihre Namen verraten ihre sozialdemokratische Vergangenheit - Arbeiterinnenstrandbad, Eisenbahner-Strandbad, Strandbad Alte Donau, Angelibad, Lagerwiese Romaplatz. Ihr Zugang ist niederschwellig. Die Eintrittspreise rangieren zwischen null und zwei Euro. Fast jeder kann sich das leisten. Tausende kommen an schönen Tagen hier her. Heuer auf Umwegen. Die U-Bahn-Verbindung von der Innenstadt zur Alten Donau ist eingeschränkt.

- © Winterer
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Die Wiener Linien sanieren die Haltestelle Alte Donau. Den ganzen Sommer - bis 29. August - hält die U-Bahn in Fahrtrichtung Leopoldau in der Station nicht an. Die 60-jährige Elisabeth arbeitet im 1. Bezirk. Um zur Alten Donau zu kommen, muss sie bis zur Haltestelle Kagran fahren und von dort mit dem Zug in die entgegengesetzte Richtung eine Station zurückfahren. Wie ihr geht es Tausenden. Laut Wiener Linien steigen im Sommer hier täglich 12.000 Menschen ein und aus. Elisabeth ärgert sich: "Für mich geht es ja noch, aber für Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder mit Kleinkindern unterwegs sind ist es schon umständlich. Muss die Station denn ausgerechnet im Sommer umgebaut werden?" Muss sie, sagen die Wiener Linien.

"Nach Beratungen mit bautechnischen Firmen, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass eine Sanierung nur jetzt sinnvoll ist", sagt Barbara Pertl, Pressesprecherin der Wiener Linien. Im Winter würden sich die Bauarbeiten in die Länge ziehen, weil an vielen Tagen nicht gearbeitet werden könne. "Bei Minusgrade können gewisse Tätigkeiten einfach nicht durchgeführt werden, wir müssten mit großen Lücken rechnen, an denen die Maschinen stillstehen." Die Station wäre länger beeinträchtigt, die Sperre würde insgesamt mehr Menschen betreffen. Denn auch im Winter frequentieren rund 10.000 Personen täglich die Station.

40 Jahre im Dienst

Bei den Wiener Linien hätten sich bisher kaum Menschen beschwert. "Wir sind mit unseren Fahrgästen in Kontakt, es gibt eine E-Mail-Adresse für Beschwerden und Anregungen, eine Telefonnummer und die Sozialen Medien." Dort würde es oft rundgehen, doch diesmal sei die Lage ruhig.

Die Beschwerden wären auf einer Hand abzählbar. Den Unmut von Elisabeth versteht sich trotzdem. "Uns sind die Hände gebunden", sagt sie. Eine Sanierung der Station sei alternativlos. Sie ist in die Jahre gekommen. Die Wiener Linien investieren rund fünf Millionen Euro in die Modernisierung der Stationen Alte Donau und Kaisermühlen, die nächstes Jahr folgt. Die Bahnsteige werden komplett erneuert, die Decken und Beleuchtungen auf den neusten Stand der Technik gebracht. Aufzüge werden durch größere, schnellere und lichtdurchflutete Versionen ersetzt.

Seit 40 Jahren schiebt die Station Dienst. Die rote Linie verbindet seit 1982 den Reumannplatz mit Kagran, seit 2017 Oberlaa mit der Leopoldau und damit die Bezirke Favoriten, Wieden, Innere Stadt, Leopoldstadt, Donaustadt und Floridsdorf. Sie ist eine wichtige Verkehrsroute. Im Sommer benutzt sie die ganze Stadt. Um vor der Hitze ins Wasser der Alten Donau zu fliehen. Heuer eben auf Umwegen.