Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Wien stark spürbar. Über dem Asphalt der Stadt steht die heiße Luft. Vor allem im Sommer steigen die Temperaturen, die Hitzetage werden von Jahr zu Jahr mehr. Die Wiener Stadtregierung will dem entgegensteuern. Punktuell setzt sie Maßnahmen, um die Überhitzung der Stadt zu stoppen und Hitzeinseln zu kühlen. Eine davon ist die Umgestaltung der Zollergasse im 7. Bezirk. Am Mittwoch eröffneten Planungsstadträtin Ulli Sima und der Bezirksvorsteher von Neubau, Markus Reiter den neu gestalteten Abschnitt zwischen Mariahilfer Straße und Lindengasse.

Aus einer befahrenen Straße wurde eine grüne Begegnungszone mit Wasserspiel und Beschattungen geschaffen. Im Herbst werden außerdem Bäume gepflanzt. Das soll die Lebensqualität der Anrainer aufwerten. Motoren brummen hier keine mehr. Dafür hört man Stimmen, das Klirren des Löffels in der Kaffeetasse und surrende Räder. 33 Parkplätze wurden für die Begegnungszone aufgelassen. Auf den Freiflächen der Straße befinden sich nun Schanigärten und neue Sitzmöglichkeiten. Kinder spielen am Wasser des "Zollerbaches", wie Reiter das Wasserspiel etwas euphemistisch tauft. "Ich finde, er hat es verdient. Da fließt schon ordentlich etwas herunter."

Drei Wasserfontänen

Aus drei Düsen spritzen Wasserfontänen in die Luft. Durch das natürliche Gefälle der Straße entsteht eine Art Bachlauf. Der kleine "Bach" und ein Sprühnebel sorgen für Abkühlung und ein besseres Mikroklima. "Ich finde das Projekt gelungen. Ich befürchte nur, dass dadurch zu viel Wasser verschwendet wird", sagt eine Anrainerin. Doch Sima beruhigt. Mit dem überschüssigen Wasser werden Sträucher und Bäume versorgt. Im Herbst 2021 sollen darüber hinaus acht sogenannte XL-Bäume gepflanzt werden. Während in Wien bei Neupflanzungen gewöhnlich fünf Jahre alte Bäume verwendet werden, sind jene in der Zollergasse bereits 20 bis 25 Jahre alt und erreichen eine Höhe von bis zu zehn Metern. Die üppigen Baumkronen der Zelkova-Bäume werden die Zollergasse in Zukunft beschatten. Nach dem Prinzip der Schwammstadt werden Bäume nachhaltig bewässert. Denn der Boden der Straße speichert Wasser. Neue Pergolen spenden zusätzlich Schatten. Ihre Gestaltung ähnelt einem Webrahmen, der an den Namensgeber der Straße - dem Tuchhändler Michael von Zoller - erinnern soll.

"Ich glaube, es wird ein guter Prototyp für den Rest der Stadt", sagt Sima. Nach den Umbauten der Zollergasse sind sowohl Stadträtin Sima, als auch Bezirksvorsteher Reiter bereit für weitere Projekte, um "eine Lebensqualität in 10, 20 Jahren bieten zu können, die erträglich ist, wenn es immer heißer wird", wie beide abschließend erklärten.