Können Gurken leuchten? Wo kommen die Gefühle her? Wie lege ich ein wildes Tier in Narkose? Wie kommt das Geld aufs Handy? Wie geht Gentechnik? Kinder haben Fragen. Sie wollen die Welt, in der sie leben verstehen. Neugierig erforschen sie ihre Umgebung. Den kindlichen Wissensdrang zu fördern ist, seit 19 Jahren Anspruch der Kinderuni Wien. Nach einer reinen Online-Ausgabe im Vorjahr wagt sie heuer wieder den Schritt an die Universitäten.

Dort versucht das Lehrpersonal seit 12. und bis 22. Juli, die Fragen der Kinder in 200 Veranstaltungen zu beantworten. Mit dabei sind die Uni Wien, die MedUni Wien, die TU Wien, die Boku Wien, die Vetmeduni Wien und die WU Wien. Das Programm ist dementsprechend breit. Es richtet sich an Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren. In einem Kurs entwerfen sie eine eigene Stadt, im anderen entziffern sie Hieroglyphen. Coronabedingt finden sie heuer in Kleingruppen von bis zu 20 Kindern statt. Ein Kind kann maximal drei Kurse besuchen. "Große Vorlesungen mit bis zu 300 Kindern, wie wir sie vor der Pandemie hatten, wird es heuer keine geben", sagt Karoline Iber, Geschäftsführerin der Kinderuni Wien gegenüber der Wiener Zeitung.

Die Gefahr der Blase

"Die Nachfrage ist groß", sagt sie. "Wir merken, dass sich die Kinder nach der langen Pause wieder auf die Veranstaltungen freuen." In normalen Jahren würden etwa 5.000 Kinder die Kinderuni besuchen. Heuer sind es genauso viele, allerdings nimmt das Gros virtuell Teil. 1.500 Kinder werden vor Ort in den Hörsaalsessel drücken, der Rest daheim vor dem Bildschirm ins Studentenleben schnuppern.

Auch in den Online-Formaten der Kinderuni stehen Fragen im Mittelpunkt. Seit vergangenem Sommer haben Kinder und Wissenschaftler Fragen gesammelt. Der Pool wächst beständig weiter. Er wartet auf Beantwortung. Die ersten 300 Fragen werden heuer in Videos, Podcasts, Artikel und auf Poster abgearbeitet. Die Kinder können sie rund um die Uhr abrufen. An zwei Nachmittagen stehen termingebundene Vorlesungen am Programm. In Form eines virtuellen Kinderuni-Livestreams können die jungen Studenten auf Zeitreise durch ein Korallenriff gehen, mehr über Kryptowährung und Corona-Impfungen erfahren oder lernen, wie sie trotz Stess gesund und glücklich bleiben können. Alle Formate sind niederschwellig. Für die Anmeldung reicht eine E-Mail-Adresse.

Niederschwelligkeit ist auf der Kinderuni Wien ein großes Thema. Sie will möglichst divers sein, nicht nur der Tochter der Architektenfamilie Programm bieten. Schließlich hat sie sich zum Ziel gesetzt, die Kinder vieler Schichten für Wissenschaft zu begeistern. Doch es ist wie auf der echten Uni auch. Die Kinder von Akademikern und höheren Schichten sind überrepräsentiert. Ihre Eltern haben eine größere Affinität zur Uni. Sie stoßen von selbst auf das Angebot der Kinderuni. Sie wollen ihren Kindern die Unis aktiv näherbringen. "Kinder aus einem Umfeld, das weniger Förderung bietet, wenn etwa Existenzfragen im Vordergrund stehen, oder es bisher noch kaum Kontakt zu Unis gab, sind schwerer zu erreichen", sagt Iber. "Kostenlos zu sein, reicht bei weitem nicht aus." Um die Gefahr einer reinen Akademikerblase zu bannen, haben sich die Organisatoren der Kinderuni Strategien überlegt.

Mit der Initiative Kinderuni-Tagestickets werden etwa Kinder aus Familienzentren, sozialpädagogischen Einrichtungen, Vereinen, Flüchtlingsheimen und anderen karitativen Institutionen abgeholt, von Pädagogen zu den Kursen begleitet, verpflegt und abends wieder nach Hause gebracht. Unter dem Motte Kinderuni on Tour tingelt ein Kinderuni-Team durch die Parks der Stadt und rekrutiert Kinder. "Mit der Tour erreichen wir Jahr für Jahr 2.000 Kinder. 95 Prozent kommen aus keiner Familie mit akademischem Hintergrund", sagt Iber.

Schließlich haben alle Kinder Fragen.(wint)