Adelheid kuschelt sich dicht an Xaver und beginnt mit ihm zu turteln. Die beiden Vögel mit dem grünen Gefieder und den orangen Köpfchen gehören zur Gattung der Agaponiden. Auf Deutsch bedeutet das "die Unzertrennlichen". In England heißen sie "lovebirds" und werden ihrem Namen ganz und gar gerecht.

Zu einander gefunden haben die beiden vor Jahren in der Arge Papageienschutz in Vösendorf. Bevor Xaver von seinem Besitzer an das Schutzzentrum abgegeben wurde, lebte er lange ein einsames Leben. Adelheid wiederum wurde auf der Straße gefunden und vom Verein aufgenommen. So fanden zwei einsame, verlassene Vögel ihre lang ersehnten Partner.

In der Arge Papageienschutz sind 180 Großpapageien und Sittiche beheimatet. Sie finden ihre Lebenspartner, werden gesund gepflegt und integriert. Eigentlich hätte der Verein dieses Jahr viel zu feiern. Immerhin wird er 25 Jahre alt. Das Jubiläum wird jedoch von einer Räumungsklage und der beständigen Suche nach einem neuen Standort überschattet.

Ein Standort ohne Zukunft

Derzeit ist die Arge Papageienschutz in demselben Gebäude wie der Tierschutz Austria untergebracht. Im Jahr 2008 gingen die beiden eine Kooperation ein. Zum Zeitpunkt der Anfänge der Zusammenarbeit besaß der Tierschutz Austria selbst 25 Vögel und benötigte für diese eine Betreuung. Die Arge übernahm diese Aufgabe, dafür erließ ihr der Tierschutzverein die Miete. Einige Jahre hat die Zusammenarbeit gut funktioniert, doch nun muss das Papageienschutzzentrum das Gebäude räumen. Der Tierschutz verein hat nämlich Eigenbedarf angemeldet.

Madeleine Petrovic, die Präsidentin von Tierschutz Austria, meint, es sei von Anfang an eine vorübergehende Lösung gewesen. "Der Standort hat keine Zukunft, in den nächsten Jahren auch nicht für uns", sagt sie. Grund dafür sei der Boden des Grundstückes. Auf ihm befindet sich eine dicke Schicht aus Teer, Altöl und Sperrmüll, welche das Fundament mit den Jahren spaltete. Das Grundstück gehört der Stadt Wien und das Haus des Tierschutzvereins sei laut Petrovic schon seit der Eröffnung 1998 eine Fehlplanung gewesen. Daher sucht auch der Tierschutzverein Austria nach einem Ausweichquartier.

Trotz Bangen will sich die Arge Papageienschutz ihr 25-jähriges Jubiläum nicht vermiesen lassen und sei es nur, um die Erfolgserlebnisse der vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen. "Wir haben sehr viel erreicht. Wir haben viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet, dazu beigetragen, das Tierschutzgesetz zu ändern und viele Papageien zusammengebracht.", sagt die Vorständin des Vereins Nadja Ziegler.

Gefiederte Partnervermittlung

Das Jubiläum wollen sie im September feiern, wenn es die Umzugssituation und Pandemie zulassen. Ziegler betont außerdem, warum der Verein bestehen bleiben sollte. Er ist das einzige Tierschutzzentrum in Österreich, das sich auf Papageien spezialisiert hat und somit einzig das Know-how und das Equipment für die Pflege von Großvögeln zur Verfügung hat.

Angefangen hat alles mit der Diplomarbeit Zieglers. Während ihres Forschungsprozesses entdeckte sie die Problematik der österreichischen Papageienhaltung. Mitte der 90er Jahre hielten viele Menschen Papageien einzeln als Haustiere, obwohl sie in freier Wildbahn lebenslange Partnerschaften eingehen. Wenn Vogelbesitzer diesem Bedürfnis nicht nachkommen, werden die Tiere aggressiv, krank oder fresssüchtig. Daher begann Ziegler mit einer Partnervermittlung für Großvögel. Mit der Hotline "Papageiennotruf" leistete sie Hilfe bei der Tierhaltung. 1995 entstand schließlich die Arge Papageienschutz. Seither kommen Vögel aus unterschiedlichen Gründen und meist im gebrechlichen Zustand hierher. Das Federkleid ist gerupft, die Flügel flugunfähig, oder das Tier einfach krank. Ihre ehemaligen Besitzer bringen sie in das Schutzhaus aufgrund von Scheidungen oder Umzügen. Die angeschlagene Gesundheit sollen sie laut Ziegler jedoch oft gar nicht bemerkt haben. Mit den Jahren stieg die Anzahl der Vögel, die gepflegt, vergesellschaftet, jedoch häufiger abgegeben als aufgenommen werden. Dadurch entwickelte sich mit der Zeit ein Tierschutzzentrum, das als internationale Anlaufstelle für Tier- und Artenschutz der Papageien fungiert.

"Wir haben keine Zeit mehr"

Doch das alles hat keine Zukunft, sollte sich nicht noch eine neue Bleibe finden. "Wir haben keine Zeit mehr. Der Hut brennt", sagt Ziegler. Für den Kauf eines Standortes ist das Budget zu knapp, da sich die Arge Papageienschutz ausschließlich aus Spenden finanziert. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich mit Ausnahme der Vollzeitpfleger, die sich um die Tiere kümmern. Die bevorzugte Lösung wäre ein, mindestens drei Jahre langer Mietvertrag im Umkreis Wiens. Gesucht hat der Tierschutzverein schon länger, fündig ist er aber bis jetzt nicht geworden. Das ist auch nicht leicht, denn man benötigt viel Platz im Innen- und Außenbereich, um den Papageien eine tiergerechte Haltung zu ermöglichen. Außerdem kann die Arge Papageienschutz keine unmittelbaren Nachbarn haben. Die Vögel sind dafür zu laut.

Auf eine neue Bleibe hoffen wohl auch Xaver und Adelheid. Die beiden "lovebirds" sollten weiterhin nicht voneinander getrennt werden. Seit sich die Vögel bei der Arge Papageienschutz begegnet sind, hat es laut Pfleger "zwischen ihnen gefunkt". Im großen Schwarm fühlen sie sich jedoch am wohlsten. Und so harrt die ganze Schar Vögel des Tierschutzzentrums einer Lösung für ein neues Zuhause. Auch Ziegler will die verliebten Paare weiter beobachten - in einer neuen Bleibe und 25 Jahre älter.