Wer beim Ikea in Vösendorf einen Parkplatz am Samstagnachmittag finden möchte, könnte genauso im Casino gewinnen. Parkplätze sind rar, doch die  Nachfrage ist groß. Leute kommen mit ihren großen Transportern, um die neugekauften Möbel nachhause zu liefern. Am 26. Augugst öffnet ein weiterer Standort der Möbelkette Ikea am Westbahnhof – mit neuem Konzept und ohne Auto-Parkplätze. Mitgenommen werden kann hier nur, was zu Fuß, mit dem Rad oder per U-Bahn transportabel ist. Größere Möbel werden geliefert.

Selbstscannen und automatisierte Lager

Der neue Ikea möchte automatisierter, digitaler und nachhaltiger arbeiten. Kunden sollen ihre Produkte größtenteils selbst scannen und bezahlen. Somit sollen Wartezeiten  verhindert werden. Im Keller des Hauses befindet sich ein automatisiertes Lager, in dem mehr als 3.000 Artikel zum Mitnehmen lagernd sind. Größere Produkte werden hingegen zugestellt oder können bei einer der Abholstationen aufgesammelt werden.

Diese Entwicklungen sollen laut Ikea nicht als Personaleinsparmethoden verstanden werden. "Es gibt deswegen nicht weniger Personalbedarf", sagte Ikea-Digitalchef Claudio Winkler auf Nachfrage. Der Standort werde knapp 320 Personen beschäftigen.

Nur Fahrräder dürfen parken

 Ikea möchte bei seinem neuen Einrichtungshaus auf das Trendthema Nachhaltigkeit setzen. "Es wird Parkplätze geben, aber nur für Fahrräder", sagte Ikea-Managerin Maimuna Mosser. Zugestellt wird mit E-Autos. Abgesehen vom Verkehrskonzept wird auch der Begrünung viel Aufmerksamkeit geschenkt. 160 Bäume in übergroßen Blumentöpfen zieren die Fassadenseiten sowie das Dach, auf dem Photovoltaikanlagen angebracht sind. Im Gastronomiebereich setzen die Schweden auf ein größeres vegetarisches Angebot.

Hotel und Geschäfte im selben Gebäude

Das gesamte Investment des bisher kleinsten Ikeas in Österreich beläuft sich auf 140 Mio. Euro. Die Möbelkette befindet sich auf fünf der sieben Geschoße. In den beiden oberen Stockwerken wird die Accor Hotelgruppe ihre Marke "Jo & Joe" ansiedeln, die sich insbesondere an junge Menschen und Geschäftsreisende richtet. Eine Apotheke, ein Hörgerätestudio sowie ein Friseur und eine Bäckerei, die an dem Standort schon zuvor waren, bleiben bestehen.

 Die schwedische Möbelkette hat im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz Coronakrise und Lockdowns ein Umsatzplus in Österreich erzielt. Der Österreich-Bruttoumsatz wuchs im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende August) um 5,5 Prozent auf 847,3 Mio. Euro, davon entfielen 124 Mio. Euro auf das Online-Geschäft. Weltweit hat der Möbelriese in der Coronakrise in Summe einen milliardenschweren Umsatzverlust erlitten, gleichzeitig aber seine Online-Verkäufe gesteigert. Die Gesamterlöse gingen im Geschäftsjahr 2019/20 um rund 1,5 Mrd. auf 35,2 Mrd. Euro zurück. (apa)