Die alten Stromzähler werden schon bald ausgedient haben. So viel ist sicher. Wer in seinem Heim also noch ein Gerät mit der sich drehenden Aluminiumscheibe hat, kann sich davon schon einmal geistig verabschieden. Stattdessen kommen sogenannte intelligente Messgeräte, auch bekannt als Smart Meter. Die sind digital und übermitteln per Funk die Verbrauchsdaten direkt an die Zentrale. Damit enden auch die jährlichen Besuche des Herren von der Stromgesellschaft.

In Österreich hätten laut Verordnung aus dem Jahr 2012 bereits 2020 mindestens 80 Prozent aller Stromzählpunkte Smart Meter sein müssen. Davon ist man in Wien derzeit noch weit entfernt. Die Umstellung wurde erst bei gerade einmal einem Viertel der Zähler durchgeführt. Kritische Datenschützer dürften darüber nicht unglücklich sein. Sie fürchten einen Missbrauch mit den abgegriffenen Stromdaten. Doch die Schlagzahl der Wiener Netze dürfte demnächst erhöht werden. Schließlich wird am 11. August die Neufassung der Intelligente-Messgeräte-Einführungsverordnung (IME-VO) verabschiedet. Der Entwurf dazu sieht eine Fristerstreckung für die Umstellung bis zum Jahr 2024 vor.

Smart Meter sollen helfen, den Stromverbrauch zu reduzieren und die Netze stabiler zu machen. Durch tägliche Messung - oder gar im Viertelstundentakt - wissen die Energieversorger genau, wann und wo gerade wie viel Strom benötigt wird, und können sich dementsprechend ihre Ressourcen einteilen. Ebenso erleichtert es die Abrechnung bei Menschen, die nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch selbst welchen ins Netz speisen - beispielsweise mit ihrer Solaranlage, wenn diese gerade mehr Strom produziert, als der Haushalt benötigt. Die Smart Meter haben zudem das Potenzial, die Stromverbraucher zu erziehen. Denn via Computer können diese die aktuellen Werte ihres Stromhaushalts kritisch betrachten und ihr Verhalten hin zu weniger Verbrauch ändern.

Auf Transdanubien folgt der Westen bei der Umstellung

In Wien hat die Umstellung in der Donaustadt, in Favoriten und in Meidling begonnen. Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring und die Brigittenau werden derzeit auf Smartmeter umgestellt. Ablehnen kann man den Tausch nicht, sehr wohl aber den vollen Funktionsumfang.

Bevor der alte Ferraris-Zähler abmontiert wird, informieren die Wiener Netze ihre Kunden schriftlich und klären über die Möglichkeiten auf. Tut man gar nichts, erhält man ein intelligentes Gerät, das einmal täglich den Verbrauch misst und an den Netzbetreiber übermittelt. Die Daten werden 60 Tage lang gespeichert und sind auch vom Kunden im Internet einsehbar. Dann gibt es aber auch die Möglichkeit eines "Opt-ins". Damit wird die Abgriffrate erhöht und erfolgt im Viertelstundentakt.

Für Datenschützer ist diese Vorstellung ein Albtraum, da auf diese Weise ein großer Einblick in die Privatsphäre gewährt wird. Allzu leicht ließe sich damit der Lebenswandel nachvollziehen: wann die Waschmaschine eingeschaltet wird, wann und wie lange ferngesehen wird, wann man sich auf Urlaub befindet. Mit diesen Daten wiederum ergebe sich die Möglichkeit, Kunden mit unerwünschter Werbung zu torpedieren. Noch schlimmer ist allerdings die Vorstellung, dass Hacker die übermittelten Daten abfangen und dadurch - etwa im Urlaubsfall - genau wissen, wann sie am besten in die Wohnung einbrechen.

Solche Szenarien wollen auch die Wiener Netze verhindern. "Es werden keine personenbezogenen Daten übermittelt", erklärt eine Sprecherin der Wiener Netze gegenüber der "Wiener Zeitung". Es wird lediglich eine Identifikation übermittelt, mit der Außenstehende nichts anfangen können und die erst beim Netzbetreiber dem Kunden zugeordnet wird.

Wer auf Nummer sicher gehen will, hat zudem die Möglichkeit eines "Opt-outs". Das bedeutet zwar nicht, dass man seinen alten Zähler behalten darf. Aber man erhält dann nur einen digitalen Standardzähler, der auch lediglich einmal im Jahr den Verbrauchsstand übermittelt. Andere Daten werden weder vom Zähler weder abgegriffen noch gesendet, heißt es von den Wiener Netzen. Und ein weiterer Kritikpunkt wird damit ebenfalls berücksichtigt: Fernein- und -abschaltung sowie die Leistungsbegrenzung. Diese Funktionen sind im Falle eines Opt-outs nicht aktiv. Für Kritiker ist es nämlich beunruhigend zu wissen, dass nur irgendwo jemand auf einen Knopf drücken muss oder eine Funktionsstörung auftreten braucht, um den ganzen Haushalt ohne Strom zu lassen. Noch schlimmer ist die Vorstellung, finstere Gestalten könnten sich in das Netz hacken und beispielsweise Erpressungsversuche starten.

Datenschützer sind
weiterhin skeptisch

Gänzlich wird man trotz Opt-outs die Bedenken der Datenschützer nicht ausräumen können. Denn auch bei Abschaltung vieler Funktionen bleibt für sie eine Restungewissheit bestehen. "Würden Sie sich in Ihr Wohnzimmer eine Überwachungskamera einbauen lassen, wenn wir Ihnen versprechen, nicht zu schauen und zu lauschen?", gibt die "Plattform Stop Smart Meter" zu bedenken. Doch es gibt laut Wiener Netze auch jene, die den Wechsel auf Smart Meter gar nicht mehr erwarten können. Besonders gefragt sind diese bei gemeinschaftlichen Energieanlagen bzw. Energiegemeinschaften.

Laut Wiener Netze werden Kunden, die den Smart Meter von sich aus beantragen priorisiert. Wer sich nicht sicher ist, ob er einen Smart Meter oder einen Standardzähler will, kann übrigens jederzeit zwischen Opt-in, Opt-out und der Standardvariante hin und her wechseln. Und wer sich eine Vorstellung davon machen möchte, wie das Ganze im Internet aussieht, der kann das auf der Webseite der Wiener Netze jetzt schon unter https://www.wienernetze.at/demo-user tun.