Es ist nicht leicht, eine Hexe zu sein. Hier lauern Dämonen, die einem zu Leibe rücken, dort will das niederträchtige Volk, dass man ihnen unliebsame Menschen mit einem Fluch belegt. Im Spiel "Black Book" schlüpft man in die Rolle eines russischen Mädchens Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr Geliebter segnet kurz vor der Heirat unter mysteriösen Umständen das Zeitliche. Also geht sie einen Pakt mit dem Teufel ein und wird zur Hexe, um den Geliebten aus den Fängen der Unterwelt zu befreien. Doch dafür muss sie erst zahllose Prüfungen und Kämpfe bestehen.

"Black Book" taucht tief ein in die russische beziehungsweise slawische Mythologie. So man das Spiel nicht auf Russisch spielt (daneben gibt es noch Englisch und Japanisch, Deutsch hingegen nicht) und die Ausdrücke schon kennt, lernt man laufend neue Wesen und ihre Bezeichnungen kennen, von Kolduni (Magier) bis zu Tschortei (Dämonen). Erklärungen und Übersetzungen gibt es auf Tastendruck.

Mythologie und Aberglaube

Hilfreich beim Lösen von Aufgaben ist die Kenntnis vom Aberglauben, der noch tief in Russland verhaftet ist. Sie wollen es im Restaurant ihrem aufbrausenden russischen Tischnachbarn heimzahlen? Kippen Sie doch einfach ein Salzfläschchen auf seinem Tisch um, oder stellen Sie dort im Vorbeigehen eine leere Flasche ab. Das lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Und so spielen in "Black Book" Kreuze auf dem Teeservice eine ebenso wichtige Rolle wie gemurmelte Eintrittsfloskeln für die Geister vor dem Betreten des Dampfbads.

Entwickler Morteshka hat mit "Black Book" alles richtig gemacht, was man als kleines Indie-Studio richtig machen kann. Die Grafik ist meist auf simple, aber charmante Comicstrips reduziert. Dafür punktet das Spiel mit einer spannenden Geschichte, eingebettet in fantastische Mythologie und gewürzt mit Bailitschkas. Bei Letzteren handelt es sich um angeblich wahre Geschichten von Aufeinandertreffen zwischen Menschen und Geistern, die man sich noch heute in Russland erzählt.

Die Kämpfe werden in einem rundenbasierten Kartenspiel ausgetragen. Es gibt Angriffskarten, die beim Gegner Schaden anrichten und Verteidigungskarten, die diesen abwehren. Zusatzkarten können die Effekte verstärken oder über mehrere Runden verlängern. Taktik und Hirnschmalz entscheiden über Sieg und Niederlage, nicht Glück und Zufallstreffer. Bei der Entwicklung der Erzählung ist der Spieler stets mit harten Entscheidungen konfrontiert, die sich gut oder schlecht auswirken können und letztlich Einfluss auf den Ausgang des Spiels haben. Zusätzlich ist noch ein Mini-Kartenspiel integriert. Dabei handelt es sich um Durak, das wahrscheinlich jedes Volksschulkind in Moskau spielt. Trotzdem ist es eine Herausforderung, es auch nur halbwegs erfolgreich zu beherrschen.

Wer Mythologie und Folklore mag und Freude an Taktik und komplexer Handlung hat, der kann mit "Black Book" nicht viel falsch machen, zumal das Spiel mit rund 20 Euro auch noch brieftaschenfreundlich ist.

"Black Book" ist am 10. August für PC, Playstation, Xbox und Switch erschienen. Das Testexemplar wurde der "Wiener Zeitung" vom Entwickler zur Verfügung gestellt.