Eine "Ode an die Unfreundlichkeit" hat der Wiener Creative Director und Autor Rafael Bettschart sein Buch "Wiener Blut" genannt. Über seine Geschichtensammlung mit vielfach beobachteten "Wiener Grant" haben wir bereits berichtet. Hauptsächlich umwerfende Erlebnisse mit Wiener Kellnern in Kaffeehäusern der Bundeshauptstadt standen im Mittelpunkt des ersten Berichtes. Die Zusammenstellung selbst erlebter Anekdoten des Autors (Jg. 1989), bei denen das sprichwörtliche "Goldene Wiener Herz" so richtig zur Geltung kam, soll aufgrund des regen Leserzuspruchs heute eine Fortsetzung finden.

Ganz folgerichtig findet sich am Anfang des Bandes "Wiener Blut" aus dem Verlag Kampenwand auch folgendes Zitat von Artur Schnitzler: "Das ist das Geheimnis des alten Wiener Cafés: Der Ober ist vergesslich, die Kassierin ist hässlich, die Wände sind grau, die Beleuchtung ist schlecht: lauter Dinge, die ich schön finde."

Also hinein in das Sammelsurium von Bettscharts beobachteten Unfreundlichkeiten in Wiens Kaffeetempeln. Erstes Beispiel: "Herr Ober, bitte einen kleinen, alkoholfreien Radler bitte", bestellte ein deutscher Gast. Dem konsternierten heimischen Kellner ging darob das sprichwörtliche Wiener "Geimpfte" auf: "Oiso, i hob no nie ghört, dass ana a Bier in einem Sotz glei drei moi beleidigt."

Wiener Kaffeehaus-Kellner scheinen also die Höflichkeit nicht von Natur aus gepachtet zu haben. Sie dürften aber auch mit der Freundlichkeit anderer nicht unbedingt allzu vertraut sein. Anders wäre nachfolgendes Erlebnis Bettscharts über das Lob eines Gastes nicht zu erklären. Deutscher Tourist: "Super, das war ausgezeichnet, Mensch", zeigte sich ein deutscher Gast vom Service eines Cafés in Wien begeistert. Der völlig irritierte Ober mit dem echten Goldenen Wiener Herzen wusste da bloß nur mehr folgende charmante Antwort darauf: "Schleich di, Oaschkreula, Hinicha!"

Ein anderer unschlüssiger Gast nervte einmal den Kellner mit offenbar sinnlosen Fragen. Er änderte wiederholt seine Bestellung. Der Kellner schien bemüht, freundlich zu bleiben. Nach einer weiteren Änderung stellte ihm der Ober dem Gast ein Spielzeugauto vor die Nase. "Da ham S’ was zum Spielen", sagt er zum verdutzten Gast. "Damit S’ a bissel abg’lenkt san und auf kane deppaten Ideen kummen!" Auf 190 Buchseiten hat Autor Bettschart seine Erlebnisse zusammen getragen. Ihm ging es darum, allzu kritischen Expats in der Bundeshauptstadt mit Schwierigkeiten bei Mentalität die Mechanismen des "Wiener Schmähs" vertraut zu machen. Denn nur wer den kennt, so Bettschart, wisse dass manche ruppige Aussage "gar nicht bös, sondern fast liebevoll gemeint" sei.

Diese Liebe müssten die Besucher Wiens eben erst entschlüsseln und verstehen lernen. Ein letztes praktisches Anschauungsbeispiel möge dabei heute mithelfen: Letztens im Kaffeehaus - "Herr Oba, bringen S’ ma an aundan Kaffee. Den kaun ma ja echt net saufen." Darauf der Ober beruhigend: "Na der nächste is a net besser!"

Die Anekdotensammlung "Wiener Blut - Eine Ode an die Unfreundlichkeit" von Rafael Bettschart wollen wir nun durch unsere Leser ergänzen: Schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse mit dem "Goldenen Wiener Herz" an paul.vecsei@wienerzeitung.at