Seit Montagfrüh blockierten dutzende Klimaaktivisten die beiden Zufahrten zur Baustelle der Wiener Stadtstraße in Hirschstetten in der Donaustadt. Bei der unangekündigten Kundgebung zählte die Polizei um die 50 Aktivisten. Diese waren gegen 6 Uhr mit Transparenten angerückt, hielten Reden und sangen Lieder. Laut den Organisatoren waren um die 100 Demonstranten an Ort und Stelle. Nach einer bevorstehenden polizeilichen Räumung sah es am späten Vormittag nicht aus.

Laut Angaben des Baustellen-Betreibers verursachte die Aktion keine zu große Beeinträchtigung der Bauarbeiten. Auf beiden Zufahrten hatten die Aktivisten Aufstellung bezogen. Dabei handle es sich nicht um öffentliche Verkehrsflächen. Nachdem die zunächst verhängte Sperre für den Verkehr auf der Hirschstettner Straße aufgehoben worden war und die Autos sowie Lkw wieder passieren konnten, beendete die Polizei ihren Einsatz. Ein weiterer sei nicht geplant, so der Sprecher.

Nichtsdestotrotz hielten die Aktivisten weiterhin die Stellung. Hinter der Kundgebung steht ein breites Klimabündnis unter anderem aus Jugendrat, System Change, not Climate Change!, Fridays for Future und Extinction Rebellion. Der Protest richtet sich gegen die Zubringerstraße des Großprojekts Lobau-Autobahn.

"Ludwigs Rückschrittskoalition"

"Während die Klimakrise bereits mit Waldbränden und Überschwemmungen zuschlägt und Menschen zur Flucht zwingt, bauen (der Wiener Bürgermeister, SPÖ, Anm.) Michael Ludwig und seine Rückschrittskoalition neue Autobahnen", kritisierte Lena Schilling vom Jugendrat. "Wir werden Widerstand gegen jedes Straßenbauprojekt leisten, das unsere Zukunft blockiert. Manchmal müssen wir für Gerechtigkeit aufstehen, manchmal müssen wir uns dafür hinsetzen." Laut Angaben der Aktivisten seien unter ihnen auch 12- und 13-Jährige, die sich auf den Boden setzen, um die Zufahrt zu blockieren. "Noch können wir das Schlimmste verhindern, aber die Politik blockiert Klimaschutz weiterhin. Deshalb sehen wir uns dazu gezwungen, neben dem Schulstreik auch weitere Formen des demokratischen Protestes einzusetzen", meinte Mirjam Hohl von Fridays For Future. Der Widerstand der jungen Menschen zeige: "Bürgermeister Michael Ludwig führt die SPÖ ungebremst in sein eigenes Hainburg", sagte Klara Schenk von Greenpeace.

Eine Sprecherin der Asfinag betonte auf Anfrage der APA, dass man auf Kommunikation setzen wolle und man die Baustelle derzeit nicht räumen lasse. Wie es weitergeht, ist derzeit noch offen. Man werde sich darüber nun zunächst intern abstimmen. Die Asfinag ist der Baustellen-Betreiber. Zwar fällt die Stadtstraße in die Zuständigkeit der Stadt, die heutige Aktion fand jedoch in einem Bereich statt, der zur A23-Anschlussstelle Hirschstetten gehört - und damit zur Autobahngesellschaft des Bundes.

Umstrittenes Bauprojekt

Mit dem Bau der Stadtstraße soll nach den Vorarbeiten Ende des heurigen Jahres begonnen werden, die Verkehrsfreigabe ist für Ende 2025 avisiert, das Bauende für 2026 geplant. Auf rund 460 Millionen Euro belaufen sich die valorisierten Projektkosten. Bei der Stadtstraße handelt es sich um eine Verbindungsstraße. Die 3,2 Kilometer lange Strecke soll die Südosttangente (A23, Anschlussstelle Hirschstetten) mit der S1-Spange Seestadt Aspern bei der Anschlussstelle Seestadt West verbinden. Sie gilt als ebenso umstritten wie der geplante Lobautunnel.

Eigenen Angaben nach sind die Wiener Grünen bei der Aktion anwesend, um diese zu beobachten - konkret die beiden Mobilitätssprecher Heidi Sequenz und Kilian Stark. "Alle Klima- und Verkehrswissenschafter sagen, dass der Bau der Lobauautobahn noch mehr Verkehr erzeugt als bisher. Der Widerstand der Jugend hier in der Lobau gegen die Autobahn besteht zu Recht: In Zeiten der Klimakatastrophe ein derartiges Betonprojekt zu bauen, ist mehr als nur fahrlässig", konstatierten sie in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Bis zur Wahl 2020 waren die Grünen selbst für das Verkehrsressort in Wien zuständig, vor allem das Tunnelprojekt haben sie immer wieder harsch kritisiert. (apa)