Die Experten von Wohnberatung Wien, Mieterhilfe und Wohnpartner sind wieder von 8. September bis 13. Oktober unterwegs, um alle Fragen rund um die Themen Wohnen, Wohn- und Mietrecht sowie Nachbarschaft zu beantworten. "Nachdem das Angebot vergangenes Jahr so gut angekommen ist, haben wir gesagt, wir machen es heuer kurz nach Schulstart wieder, um insbesondere junge Menschen in der Stadt zu erreichen, weil wir bemerkt haben, dass es einen sehr hohen Bedarf an Information gibt", erklärte Christian Bartok von der Mieterhilfe der "Wiener Zeitung".

Die Themen reichen laut Bartok von der Wohnungssuche über Mietverträge bis hin zu Nachbarschaftskonflikten. "Am meisten wird nach Fallen in Mietverträgen gefragt - worauf muss man aufpassen, was sind unzulässige Klauseln etc. Die Menschen kommen dann oft tatsächlich mit ihren Mietverträgen, die wir dann mit ihnen durchgehen", so Bartok. Die gängigsten Fallen in Mietverträgen gebe es laut dem Mietrechtsexperten bei den Befristungen - die im Übrigen mittlerweile 75 Prozent des Wohnungsmarktes betreffen würden. Oft werde in den Verträgen etwa der Befristungsabschlag nicht berücksichtigt, der immerhin 25 Prozent vom Richtwert beträgt. Dieser Abschlag betrifft alle Wohnungen, die vollständig dem Mietrechtsgesetz unterliegen - also primär alle Altbauten. "Die Vergesslichkeit von manchen Vermietern ist hier schon oft sehr ausgeprägt, betont Bartok.

"Viele Klauseln ohne rechtliche Gültigkeit"

Auch die Befristungsdauer von mindestens drei Jahren würde nicht selten unterschritten. Es seien auch immer wieder Klauseln in Mietverträgen zu finden, die aufgrund höchstgerichtlicher Entscheidungen schon längst keine Gültigkeit mehr haben - wie etwa die altbekannte "Ausmalverpflichtung" beim Ausziehen aus der Wohnung. "Das ist natürlich nicht zulässig, denn als Mieter bezahle ich ja Miete dafür, dass ich die Wohnung benütze", so Bartok. Oder es gebe auch immer wieder Kostenüberwälzungen, die das Mietrecht gar nicht zulasse - etwa bei den Betriebskosten. "Da gibt es allerlei Dinge, die man da in so einem Vertrag finden kann", erklärt Bartok weiter.

Viele Fragen gebe aber auch zu den Miethöhen, insbesondere im Altbau - wobei übrigens als Altbau nur alle Wohnungen gelten, die vor 1945 mit Baugenehmigung errichtet wurden. Alles danach wird im Mietrechtsgesetz bereits als "Neubau" bezeichnet. Und die meisten Neubauten unterliegen dem Mietrecht nur noch teilweise, das bedeutet, es gibt hier nur noch einen angemessenen Mietzins und keine Regelung dafür - außer es handelt sich um geförderte Wohnungen oder um Wohnungen der Stadt Wien.

Und aufgrund der vielen Bürgerkontakte habe sich herausgestellt, dass die Wiener im Jahr rund 16 Millionen Euro zu viel Miete für Altbauwohnungen bezahlen. "Das sind rund 4 Euro pro Quadratmeter, die eigentlich nicht bezahlt werden müssten", erklärt Bartok.

"Vergangenes Jahr kaum Leidensdruck"

Besonders spannend sei auch die Frage: Wie komme ich eigentlich zu einer Wohnung? Einer geförderten Wohnung, eine Wohnung der Stadt Wien, wie ist das mit dem Wiener Wohnticket etc. "Und an Beratungsstandorten, wo sich größere Wohnhausanlagen befinden oder große Gemeindebauten, dann taucht auch oft das Thema der Nachbarschaftskonflikte auf und was es für Projekte dagegen gibt." Auch die Vorsteher der jeweiligen Bezirke würden stundenweise an den Beratungen teilnehmen, erzählt Bartok; wie etwa beim ersten Termin heute Mittwoch, der Bezirksvorsteher von Floridsdorf, Georg Papai, am Pius-Parsch-Platz. Das führe zu mehr "Laufkundschaft". "Wir erreichen damit auch viele Menschen, die normalerweise mit ihren Anliegen und Problemen nicht zu uns kommen und das gibt für uns wiederum ein gutes Stimmungsbild über die Situation der Wienerinnen und Wiener in Sachen Wohnzufriedenheit."

So sei etwa im Vorjahr beim Thema Corona und Mietrückstände kein Leidensdruck zu spüren gewesen, was sich in der Zwischenzeit aber geändert haben könnte. "Da sind wir schon sehr gespannt, was heuer auf uns zukommt."