Tschechiens Botschaft lud Donnerstag zur Kunstaktion in ihr Kulturzentrum in der Herrengasse. Eugen Brikcius leitete das "Reopening" seiner "Werkschau 1966 bis 1970" mit einer "künstlerischen Übung" ein. Mithilfe des "Schweizerhaus", das erforderliches "Budweiser" spendete, errichteten die Teilnehmer ein Stillleben mit Bierkrügen.

Der Künstler und die tschechische Botschaft mögen verzeihen, dass hier nicht die Kunstaktion weiter im Mittelpunkt steht. Dies fiele ohnehin in die Kompetenz des höchst sachkundigen Stabs des Feuilletons der "Wiener Zeitung". Aber die unbestreitbare Kunst eines Ehrengastes der Aktion muss in den "Wiener G’schichten" ihren Niederschlag finden: Er ist ein Ballkünstler und war ein ganz großer Fußballzauberer. Von 1981 bis 1985 begeisterte er mit seinen Zauberkunststücken bei Rapid den Wiener Fußball. "Er" heißt Antonin Panenka.

Mit Rapid (Bild rechts, 1984) erlebte er "beste Zeiten". - © picturedesk / Imagno / Votava
Mit Rapid (Bild rechts, 1984) erlebte er "beste Zeiten". - © picturedesk / Imagno / Votava

Dieser war so etwas wie der "Freistoßspezialist" schlechthin. Als "Herr der ruhenden Bälle" war der heute 73-jährige gebürtige Prager bei Torleuten deshalb gefürchtet. Einen erklecklichen Teil seiner 63 Rapid-Tore platzierte Panenka überlegt aus ruhender Stellung in gegnerische "Türl’n".

Schon davor hatte der Kunstschütze im Weltfußball richtig Geschichte geschrieben. Mit dem nach ihm benannten "Panenka-Heber" entschied er das Europameisterschaftsfinale 1976 gegen Deutschland im Elferschießen für die damalige Tschechoslowakei. Das Spiel der "Nacht von Belgrad" hatte in der regulären Spielzeit samt Verlängerung 2:2 geendet.

Unmittelbar vor Panenka hatte beim Penalty-Schießen ein gewisser Uli Hoeneß seinen Elfer über das Tor in den Himmel befördert. Da ging Antonin wie von Engeln geleitet, vollkommen entspannt zum Elferpunkt und lupfte sanft mit der Leichtigkeit und Abgebrühtheit eines Fußballgenies den Ball ins Tor des großen Sepp Maier. Der hatte mit einem Knaller gerechnet, tauchte in Richtung unterer Ecke und blieb verblüfft und geschlagen liegen. So verloren die Deutschen mit 5:3 die EM. (https://youtu.be/ROG4-QPIDgo)

Nationalheld Panenka erhielt später dafür eine staatliche Verdienstmedaille. Jedenfalls durfte er noch zu KP-Zeiten 1981 ins Ausland seine letzten Fußballbrötchen verdienen. Er schlug Angebote renommierter Profi-Klubs aus und entschied sich für eine Religion in Grün-Weiß: Rapid Wien. Wesentlich dafür war auch die tschechische Schule in Wien. So konnten sein Mädchen und der Bub eine Ausbildung erhalten.

Mit Rapid wurde Antonin zweimal Meister (1982 und 1983) und dreimal Cupsieger (1983, 1984, 1985). Im Panenkas letzten Rapid-Jahr erreichten die Hütteldorfer den Finaleinzug im Europacup der Cupsieger. Gegen Everton setzte es eine 1:3-Niederlage. Aber Panenka wurde immerhin Torschützenkönig des Bewerbes.

Wegen seines scharfen Blicks erhielt Panenka früh den Beinamen "Mann mit den Radaraugen". Als diese ein wenig nachließen, wechselte er nach St. Pölten, dann zu Slovan Wien und beendete 1994 als 46-jähriger bei Steyrermühl in Oberösterreich die Fußballkarriere. Für lupenreine Tore reichte es bei all diesen Stationen. Heute lebt Panenka mit Familie "in einem kleinen Dorf an einem Fluss 40 Kilometer von Prag". Er genießt die Abgeschiedenheit. Denn in Tschechien erkennt den Fußballstar nach wie vor jeder.

Im Vorjahr überstand der Ex-Rapidler eine Corona-Erkrankung mit Spitals-Aufenthalt. "Gesundheit und in Ruhe leben", nennt er im Gespräch im Tschechischen Kulturinstitut seine Wünsche. Obwohl er wegen eines Hüftleidens sichtlich schwer geht, "renne ich noch immer hinter jedem Ball her". Vorzugsweise aber nunmehr "beim Tennis und Golf spielen".

Nach Wien kommt Panenka nach wie vor sehr gerne. "Hier habe ich meine beste Zeit verbracht." Mit den Rapid-Stars seiner Zeit, wie Hans Krankl, hält er nach wie vor Kontakt. "Für Heimspiele sind für mich immer ein Park- und ein Sitzplatz reserviert", freut er sich über ungebrochene Wertschätzung beim Klub.

Gerne erzählt er von den Erfolgen. An seinen Weltklasse-Elfer erinnert er sich bis heute in jedem Detail. "Ich war vollkommen ruhig und sicher. Ich habe genau gewusst, dass ich treffe. Vor mir hat noch niemand so geschossen und ich hatte mir das schon Monate vorher ausgedacht."