Die Gegner der Coronamaßnahmen haben am Samstag ihre längere Demo-Pause beendet. Sie trafen sich am Samstag in Wien zum Protest. Der Auftakt für die größte Aktion erfolgte am Hauptbahnhof. Von dort marschierten die Teilnehmer am frühen Nachmittag zum Karlsplatz bzw. Resselpark, wo eine Kundgebung angesetzt war. Organisator Martin Rutter verwies dabei etwa auf das symbolträchtige Datum der heutigen Demonstration.

Auf diversen Online-Foren war seit Tagen für eine "Megademo" mobilisiert worden. Angemeldet wurden sogar mehrere Kundgebungen mit Covid-Bezug, etwa mit dem Titel "Nein zur Impfung mit Zwang oder Druck". Zwei der Veranstaltungen wurden jedoch untersagt.

Der Protestzug vom Hauptbahnhof zur Karlskirche bot das inzwischen gewohnte Bild. Transparente, T-Shirts und Aufkleber mit Slogans wie "Impfen? Sicher nicht!", "Leider nur gesund", "Hände weg von unseren Kindern!" oder "Schluss mit Test- und Impfzwang" waren zu sehen. Trommeln und Trillerpfeifen sorgten für akustische Begleitung. Meistskandierter Slogan bei der Demo war einmal mehr "Kurz muss weg".

Am Marsch nahmen laut Polizei zunächst rund 1.000 Menschen teil. Bei der Kundgebung am Karlsplatz waren es laut Exekutive dann etwa 2.000, da sich auch Personen, die sich zuvor am Ballhausplatz versammelt hatten, dazugesellten. Die Organisatoren selbst schätzten die Zahl hingegen auf mindestens 4.000, wie Demo-Initiator Martin Rutter berichtete.

Er ließ die Anwesenden in seiner Rede wissen: "Wir treffen uns heute nicht zufällig am 11. September." Man verbinde den Tag nach den Anschlägen in den USA 2001 mit Gewalt. Zugleich verspüre auch nun hier jeder, wie er unter Druck gesetzt werde.

Keine Zwischenfälle

Rutter übte harsche Kritik an den Coronamaßnahmen und nahm nicht nur die Bundesregierung, sondern auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen oder die Justiz ins Visier. "Ich frage mich, wo war der Verfassungsgerichtshof, der die unfassbaren Zustände nicht beendet hat." Rutter beklagte, es gebe "viele Tote und Geschädigte durch die Impfung" und warnte vor Quarantänecamps, wie sie in Australien geplant seien und die an sowjetische Gulags gemahnen würde, wie er befand.

"Freiheit kriegt man nicht geschenkt, sondern muss man sich holen", richtete Rutter den Teilnehmer aus. Unter diesen wurden unter anderem Kreidestifte verteilt, um damit das Pflaster mit Parolen zu schmücken. "Corona ist schwach" hieß es da etwa. Auch über dem Rednerpult prangte ein großes, auf der Karlskirche montiertes Transparent. "Mir fehlt das Meer" war darauf zu lesen. Montiert wurde es schon vor längerer Zeit, es hatte nichts mit der Demo zu tun. Die Installation wurde im Rahmen einer Künstlerhaus-Ausstellung zur Pandemie angebracht.

Zwischenfälle wurden vorerst nicht gemeldet, wie die Polizei auf APA-Anfrage mitteilte. Die Situation sei auch anders als zu jener Zeit, als noch strenge Coronabestimmungen zu beachten waren, betonte ein Sprecher. Nun müsse man keine Verstöße gegen den Mindestabstand oder die Maskenpflicht mehr ahnden. Das führe dazu, dass Kundgebungen friedlicher und ruhiger verlaufen würden. (apa)