Das wird eine fruchtig, frische Geschichte", sagt der Önologe Thomas Köberl zum Wiener Wein-Jahrgang 2021. Und die Chancen auf einen Jahrhundertjahrgang stehen gut, meint der Weinexperte. Denn die Witterung ist genauso, wie sie für gute Weine sein sollen: Viel Sonne, heiß am Tag und kühl in der Nacht. "Wenn die Nächte im September heiß wären, dann würde ein sehr schwerer Wein - man sagt auch toter Wein - herauskommen", so Köberl. Denn die Traubenkerne sind von einem Gelee umhüllt, in welchem sich die Säure hält, die dafür sorgt, dass das Fruchtfleisch lebendig bleibt. Ist es in der Nacht zu warm, reift die Traube komplett durch und verliert die vor allem für Weißweine so wichtige Säure.

Was allerdings jetzt auf keinen Fall mehr passieren darf, ist tagelanger Regen. "Denn feuchtes Traubenmaterial verdünnt den Wein - deswegen gibt es keine Weinlese im Regen, weil da schnell das Wasser im Container steht und die Trauben darin zu schwimmen beginnen", meint Köberl. Und wenn es tagelang regnet, bläst sich die Traube sowieso schon mit Wasser auf und das wird dann mitgepresst. Aber laut Köberl kann jetzt nicht mehr viel schiefgehen. Die warmen Tage seien jetzt sehr wichtig gewesen und wenn es ein bisschen regnen sollte, mache das nichts - solange die Weinlese wieder im Trockenen stattfinden kann. "Die Winzer warten noch die kommenden paar Tage ab und dann soll es wieder schön werden. Dann wird gelesen. Zumindest in Wien - im Burgenland haben schon viele mit den frühreifen Trauben begonnen."

Der Wiener Winzer Michael Edlmoser ist mit seinen Prognosen noch ein wenig zurückhaltender als Köberl: "Das Spiel ist noch offen, das Wetter spielt bis jetzt sehr gut mit, aber das mit dem Jahrhundertjahrgang würde ich noch nicht unterschreiben. Bis zur Lese kann noch viel passieren", sagt Edlmoser.

Derzeit seien die Säure- und Zuckerwerte seiner Trauben aber perfekt. Die kühlen Nächte würden verhindern, dass die Säure abgebaut wird. 2018 hätten laut Edlmoser vor allem die warmen Nächte dazu geführt, dass die Weine Spannung und Frische verloren haben. "Und das wollen wir nicht, weil wir Wiener unseren knackigen Veltliner oder Gemischten Satz trinken wollen und nicht irgendwelche säureabgebauten Weine", so Edlmoser.

Auch den Rotweinen stehe Säure gut, sie erzeuge einen "Spannungsbogen". "Weine sollen ja auch Vergnügen bereiten und das ist nicht der Fall, wenn sie letschert, breit und schwer daherkommen." Selbst klassische Rotweinländer würden bereits auf mehr Säure achten. Denn der Klimawandel und die damit verbundenen zunehmenden warmen Nächte würde Weine mit 15,5 Volumenprozent Alkohol hervorbringen - "und das will ja keiner mehr trinken", so Edlmoser.

Jedenfalls will er in der letzten Septemberwoche mit der Weinlese beginnen. Da werden zuerst einmal die leichten Gemischten Sätze geholt - und dann kommen, je nach Wetterlage, die anderen Sorten innerhalb eines Monats herein. Der angekündigte Kälteeinbruch am Wochenende stört den Winzer nicht, "es ist noch immer warm genug. Für die Zuckerproduktion sind vor allem die Sonnenstunden wichtig." Auch der eine oder andere Regentag spiele keine Rolle, weil die Böden momentan sehr ohnehin trocken sind.

Zu wenige gute Erntehelfer

Auch das vergangene Jahr war im Übrigen ein überdurchschnittlich gutes, weil die Trauben lange auf den Rebstöcken geblieben sind und auch das Wetter gut gepasst hat. Aber auch Corona spielte eine Rolle, weil es schwierig war, genügend Erntehelfer zu engagieren, die meistens aus Ungarn kommen. Gute Erntehelfer seien aber auch heuer schwer zu finden, meint Edlmoser. "Wahrscheinlich hat Corona auch nachhaltig die Arbeitsbereitschaft verändert", mutmaßt der Winzer. Auf die Qualität des Weines wird dieser Umstand allerdings keinen Einfluss haben.