Flinke Hände greifen nach Unkraut zwischen Rosenbüschen. Zwei von ihnen gehören Arnold K. Er ist Pensionist und seit vier Jahren kommt er zweimal pro Woche für drei Stunden, um in den Wiener Bundesgärten mitzuhelfen. "Es kann anstrengend sein, so wie heuer, mit den Disteln. Aber drei Stunden gehen schon", sagt der freiwillige Gärtner. Seit 2015 bringt der Verein "Schatzhaus Österreich" im Projekt "Gartenschätze" freiwillige Helfer mit Angestellten der Bundesgärten in den Prunkgärten der ehemals kaiserlichen Anlagen zusammen. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Erhaltung und Pflege österreichischer Kulturgüter zu steigern.

Die barocke Grünanlage legt sich wie ein floraler Teppich um das Schloss Schönbrunn. Gewebt aus 8.456 Alleebäumen, zehntausenden Sonnenblumen, Alleen, Irrgärten, akkurat geschnittenen Hecken. Dazwischen liegen Grünflächen. Kurz vor Herbstbeginn stehen hier die Rosen noch in voller Blüte. Das Unkraut jedoch auch. Neben den Rosensträuchern knien freiwillige Helfer, die es auszupfen.

Im Jahr 2020 haben die Freiwilligen rund 3.500 Stunden in den Bundesgärten mitgeholfen. "In diesem Jahr werden es wahrscheinlich noch mehr werden", sagt Eva Klimek, Präsidentin und Initiatorin der "Gartenschätze". Unterstützung und Erholung - eine botanische Symbiose, von der neben Bundesgärten und freiwilligen Helfern, nicht zuletzt auch die Gartenbesucher profitieren.

Arbeitsintensive Pflege

Auf einer Fläche von rund 250 Hektar allein in Wien, dienen die Anlagen als Erholungsort und beliebtes Touristenziel. Die Bundesgärten wollen sich mit dem Projekt vor allem botanisch interessierten Leuten öffnen und den gärtnerischen Wissenstransfer fördern. "Die Schatzis - so nennen sich die Vereinsmitglieder - sind aber natürlich eine willkommene Unterstützung bei der Pflege unserer Gärten", sagt Julian Sparrer, Sprecher der Bundesgärten. Als Dankeschön gebe es dafür immer wieder Spezialführungen, Vorträge oder auch Gratiseintritte, etwa ins Palmenhaus. "Als Stadtbewohner soll man sich in gewisser Weise auch für solche Schätze verantwortlich fühlen", sagt Klimek. Vor allem gehe es bei der Mithilfe aber darum, Spaß zu haben.

Einigen "Schatzis" sieht man trotz Spaß die Anstrengung an. Auch Mitte September brennt noch die Sonne auf die Grünflächen. Dennoch sei es eine entspannte Tätigkeit. Man komme viel zum Nachdenken, während man produktiv ist und einer sinnstiftenden Arbeit nachgeht. Der Tenor unter den Freiwilligen ist positiv. Einig ist man sich über die meditative Wirkung der Gartenarbeit. "Unkraut-Yoga!", meint einer von ihnen lachend. "Es kommt aber so wie immer im Leben auf die richtige Bekleidung an", sagt Alexander K. Mit seiner roten Schürze kniet er im Gras vor dem Rosenbeet und zwickt einen verdorrten Blütenstiel ab. Rosenschneiden ohne lange Bekleidung ist eine blutige Angelegenheit: "Man sieht aus, als wäre man nebenan im Löwengehege gewesen."

Corona und die Natur

"Ich mag die Abwechslung. Einmal sind wir da, einmal dort", merkt Arnold K. an. Seit 1918 verwalten die Bundesgärten den Schlosspark Schönbrunn, den Augarten, die Parkanlagen des Belvederes und die beiden Hofburggärten. Sie sind Eigentum der Republik. Für die botanische Gestaltung der Anlagen sind lediglich 92 ausgebildete Gärtner zuständig. Mit denen habe man ein sehr gutes Verhältnis, so die Freiwilligen. Sie seien froh über die Hilfe, denn es gebe wenig Lehrlinge.

Allgemein gebe es seit einigen Jahren weniger Personal, berichten die Freiwilligen. Sparrer bestätigt das. Man verfüge über weniger Mitarbeiter. Grund sei der Verwaltungsabbau und das Ziel der Bundesregierung, im Bundesdienst vor allem hinsichtlich Pragmatisierungen einzusparen. "Wir haben aber saisonale Arbeitskräfte und Kollektivvertragsbedienstete dazu bekommen und auch technisch aufgerüstet."

"Am Anfang hatten die Gärtner vielleicht ein bisschen Zweifel", sagt eine der Freiwilligen. Aber man nehme ihnen ja keine Arbeit weg, man sei dort, wo der meiste Bedarf gegeben ist. Aktuell sind laut eigenen Angaben rund 60 bis 70 aktive freiwillige Gärtner und Gärtnerinnen in den Bundesgärten tätig, allein in Schönbrunn seien es 15 bis 20. An diesem Tag im Schlosspark spiegelt sich die generelle Geschlechterverteilung der Freiwilligen: Es stecken deutlich mehr Frauenhände in den Gartenhandschuhen. Allgemein seien viele der Freiwilligen Pensionisten oder auch Menschen, die zwischen zwei Jobs stehen. "Für viele ist das auch Struktur", so Klimek. Man wisse, was man wo und wann in der Woche tue. Auch Studenten hätten immer wieder mitgemacht. In den Wiener Stadtgärten gibt es die Möglichkeit zur Mithilfe oder die Zusammenarbeit mit einem Verein, wie etwa mit "Schatzhaus Österreich", übrigens nicht, heißt es vonseiten einer Sprecherin.

Die Stadt Wien hatte ihre Stadtgärten während des ersten Lockdowns geöffnet. Die Bundesgärten waren währenddessen für einige Wochen geschlossen. Eine Kontroverse rund um den Zugang der Wiener zu den Parkanlagen in der Stadt entstand. "Da durften wir auch nicht rein", sagt Arnold K. "Wir haben nur darauf gewartet, bis wir wieder mitarbeiten können." Seit Mai 2021 sind sie nun wieder in den Gärten aktiv. Während der Pandemie seien die Freiwilligen sogar mehr geworden. "Diese Lust, ins Grüne zu gehen, ist durch Corona stark gestiegen", sagt Klimek.

Einfache Arbeit

Neben dem Unkraut Jäten, Umtopfen, Einsetzen und Gießen sei auch das Rasenkantenschneiden eine der Tätigkeiten der Freiwilligen. Die Geräte werden von den Bundesgärten zur Verfügung gestellt. Vorkenntnisse braucht man keine. "Die Vereinsmitglieder werden von unseren Gärtnern eingeschult und erhalten Fachwissen, zum Beispiel zur Pflege der Rosen im Volksgarten", so Sparrer. "Wir unterstützen die Gärtner nur bei den einfachen Tätigkeiten, sie machen die professionelle Gärtnerarbeit", betont eine Freiwillige dennoch. Mit den Disteln etwa, werde man während der drei Stunden in Schönbrunn heute nicht mehr fertig. Der sonnige Tag hat sich für die freiwilligen Helfer dennoch gelohnt. "Es ist einfach gut, im Freien zu sein", sagt Arnold K.