Zahlreiche Einsendungen unserer Leser zum Thema "Freundlichkeit von Wiener Kellnern" haben unerwartet unser Postfach nahezu gesprengt. Bitte nehmen Sie von der Übermittlung weiterer Anekdoten Abstand! Nach dieser (vorletzten) Folge werden wir aus Platzgründen nur noch eine allerletzte Fortsetzung veröffentlichen können. Wir danken für Ihr Verständnis. Die Redaktion.

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Schon ein paar Jahre her, in einem Gasthaus am Alsergrund, Wilhelm-Exner-Gasse. Ein typischer Wiener Kellner (vermutlich gibt es den nicht mehr) tritt auf. An meinem Nebentisch (wie sich herausstellte) zwei Oberösterreicher. Einer fragt, was es zum Schnitzel dazu gibt. Darauf die spontane, schlagfertige Antwort: "Wauns woin a Besteck!"

Kurt Morwitzer, Technischer

Beamter, 1230 Wien

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In einem kleinen urtypischen Wirtshaus, mitten in der Stadt. Zwei hörbar aus der Bundesrepublik stammende Damen bestellen Schnitzel. Eine neigt den Kopf nach vorne und fragt leise und verlegen: "Ich weiß, es ist unüblich, ich oute mich jetzt wahrscheinlich als Touristin, aber wäre es vielleicht möglich, Preiselbeersauce dazu zu bekommen?"

"Aber selbstverständlich, gerne g’nädige Frau", antwortet der Kellner. Dreht sich um und setzt in Richtung Küche gut hörbar nach: "Wir wissen eh’, dass westlich des Inn die Kultur endet."

Petra Schweiger,

Projektmanagerin, 1220 Wien

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In Erinnerung an das legendäre Café Schwarzspanier, eine nächtliche Labstelle: Dort gab es die berühmten amerikanischen Pfandl-pizzen. Betrieben wurde das Lokal von Claude Sours, der im Vorjahr in Florida starb. Er blieb als GI in Österreich hängen. Folgende Zitate muss man sich mit amerikanischen Akzent vorstellen:

Ein Gast beschwerte sich - Sours: "Rechts gibts ein nettes Lokal, links gibts ein nettes Lokal, wieso kommen sie zu mir?"

Sours mit Spaghetti: "Wer hat Spaghetti bestellt? Wer hat Spaghetti bestellt? Wer hat diese Scheiß-Spaghetti bestellt?"

"Herr Sours, der Wein ist grauslich!" Sours: "Was? Haben Sie schon einmal einen besseren getrunken?" - "Natürlich!" Sours: "Aber nicht bei mir!"

Hans Feyertag, Pensionist

1220 Wien

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Frage an den Ober: "Könnten Sie mir kurz Ihren Kuli borgen?" Ober: "Na, wir san jo net in aner Papierhandlung."

Elfie Fleck, Beamtin i. R,

1070 Wien

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Anfang der achtziger Jahre verkehrte ich oft im Café Bräunerhof. Niemals kam ich in Begleitung dorthin, nur ein einziges Mal. Der legendäre Herr Ferry brachte uns in serviler Akkuratesse die polierten Silbertassen mit den Kaffeeschalen und den Gläsern Wasser. Meine Freundin stellte nach einem Schluck Wasser ihr Glas nicht auf die Tasse zurück, sondern auf den Marmor des Tisches. Herr Ferry packte das Wasserglas und knallte es, knapp am Zerbersten, wortlos auf die zugehörige Tasse. Schon war er wieder entschwunden. Meiner verdutzten Freundin erklärte ich, dass hier, wie in jedem echten Wiener Kaffeehaus, der Gast zwar König sei, der Herr Ober jedoch der Kaiser. Sie ergänzte: "Und ich bin deine Edelfrau!"

Dr. Friedrich Brezina Philosoph und Univ.-Lektor i. P. 1030 Wien